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Kindertheater-Premiere in Rheinsberg

Rheinsberg Kindertheater-Premiere in Rheinsberg

Petersilienkartoffeln spielen die Hauptrolle im neuen Stück des Deutsch-Arabischen-Kindermusiktheaters. Oder genauer gesagt die Zeit, bis diese gar sind. Die wird von den jungen Darstellern genutzt: um die deutsche Sprache besser kennenzulernen. Das Stück ist das zweite seiner Art. Ein integratives Projekt von Ulrike Liedtke zur Integration der Flüchtlinge in Rheinsberg.

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Die Schmetterlinge wirbeln über die Bühne: der Tanz wurde mit dem Choreografen Pawel Stoiko eingeübt.

Quelle: Regine Buddeke

Rheinsberg. Der Countdown läuft: „Wir müssen die Türen aufmachen“, sagt eine der lustig-bunten Raupen aufgeregt. Nur noch wenige Minuten, dann stürmt das Premierenpublikum die Turnhalle der Rheinsberger Salvador-Allende-Schule. In einer der Garderoben probt Ulrike Liedtke ein letztes Mal mit den kleinen Darstellern den Titelsong. „Petersiiilienkartoffeln“ schallt es zehnstimmig. Daneben zupfen sich die Raupen noch die Kostüme in Form. „Wir tanzen zu Schwanensee“, erzählt Emelie. „Aber wir haben es Raupensee genannt“. Ihre Mitraupen Judith und Mara sind sich einig, dass der Hiphop-Tanz am schwersten ist.

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Die kleinen Akteure kommen aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien und Deutschland und lernen gemeinsam an der Allende-Schule in Rheinsberg. Gemeinsam haben sie auch das Stück „Petersilienkartoffeln“ einstudiert: mit Musik, Tanz, bunten Kostümen und einem leckeren Wortsalat zum Kartoffel-Hauptgang. Am Montag war die Premiere.

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Die drei Mädchen haben keine Schwierigkeiten, das immerhin achtsilbige Wort „Petersilienkartoffeln“ auszusprechen; Nigen und Morsa haben es da etwas schwerer. Wie auch die meisten anderen Mitwirkenden, denen das Deutsch nicht in die Wiege gelegt wurde. Sie kommen aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien und lernen gemeinsam mit den anderen Kindern an der Allende-Schule in Rheinsberg, wo so nahezu nebenbei passiert, was andernorts oft schwierig ist: die Integration der Flüchtlinge. Ulrike Liedtke, Landtagsabgeordnete und Gründerin des Vereins „Tanz und Art“ hat 2015 deshalb das Deutsch-Arabische Kindermusiktheater ins Leben gerufen. Bereits die erste Produktion „Wunderlampe“ geriet zum Erfolg – nun also hat die Rheinsbergerin mit den Kindern nachgelegt. Mit im Boot sind der Violinenlehrer Niels Templin, Choreograf Pawel Stoiko aus Weißrussland sowie Wafi Yaghi, der die Ud spielt, eine Art Laute aus Syrien.

Tanz der Raupen

Tanz der Raupen.

Quelle: Regine Buddeke

„Man nehme einen Sack Kartoffeln“, schallt es aus der Tonkonserve durch die Halle. „Dazu Petersilie. Wer ist Peter? Gib mir mal fünf Silien“, fährt die Kinderstimme fort. Und schnell wird klar, wohin der Hase läuft: es geht um Worte, deutsche Worte. Und wie schwer es mitunter ist, die zu verstehen und zu lernen. Aber bis die Kartoffeln kochen, ist jede Menge Zeit: für die jungen Köche die Chance auf Küchenlatein – sprich gemeinsam singen, tanzen, reden, lachen. All das wurde seit Februar geübt und macht nicht nur den Darstellern Spaß. „Es klappert die Mühle“ und „Backe, backe Kuchen“ sind das Warm up – dann wuseln schon die Raupen auf die Bühne, tanzen Schwanensee und den Cancan. Die Köche grübeln derweil über Worte und Wortungetüme nach. Was das wohl sein könnte. Baumschule: Bäume sitzen im Unterricht? Fahrstuhl: ein Stuhl auf Rollen? Hosenträger: einer, der eine Hose trägt? Apfeltasche: Einkaufstüte für Äpfel? Man stelle sich mal bildlich vor: Windbeutel, Schluckspecht, Ohrläppchen, Nasenfahrrad, Klobrille, Springbrunnen oder Bremsbacken. „Notenschlüssel – so ein Quatsch. Soll ich das Lied aufschließen?“ fragt die Sprecherin.

Die Raupen haben sich inzwischen verpuppt. Ein Weilchen dauert es noch, bis sie sich aus dem Kokon kämpfen und als Schmetterlinge über die Bühne schweben.

Köche in Aktion

Köche in Aktion.

Quelle: Regine Buddeke

„Ich brauche eine Rübe für die Sauce“, ruft derweil ein Koch – die Kartoffeln sind endlich gar. Klar, das „Rübchen“ ist ein Klassiker und die arabischen Akteure haben daran genau so viel Spaß wie ihre deutschen Mitschüler.

Im Publikum sitzt Ulrike Liedtke und hält die Soufflier-Tafeln hoch. Als kleine Gedankenstütze. „Das muss sein“, sagt sie. „Es ist schwer für die Kinder, sich alles in einer fremden Sprache einzuprägen.“ Aber eine tolle Chance für die Kinder, spielerisch zu lernen. Die Tonaufnahmen haben die zehnjährige Iman und die elfjährigen Zwillinge Liana und Diana – alle drei aus Tschetschenien – eingesprochen. „Frieden ist so schön wie ein Schmetterling“, gibt Iman eine Kostprobe des Gelernten. „Die Kinder lernen schnell“, lobt Liedtke. Zehn feste Akteure hat sie im Team, daneben viele wechselnde. Wir proben jeden Samstag, machen Musik: arabische und europäische“, sagt sie. Beim neuen Stück ist ihr besonders der Friedensgedanke wichtig. Eine Friedenstaube war ihr zu plakativ – das Bild der Metamorphose von der Raupe zum Schmetterling schien ihr passender. Sich aus dem Kokon zu befreien und in aller Schönheit und Freiheit loszufliegen. „Ich bin glücklich über dieses Bild“, sagt sie. „Nur im Frieden kann man zusammen kochen.“ Oder gemeinsam über die Zeile kichern: „Meine Mutter schneidet Speck, schneidet sich den Finger weg.“ Da haben sich auch die Kinder in der Turnhalle wie Bolle amüsiert. „Als erstes vor den Mitschülern zu spielen ist schwer“, bekennt Emelie. „Aber es war gut, alle haben gelacht.“

Mehr Fotos gibt es unter www.maz-online.de/petersilie.

Von Regine Buddeke

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