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Kirche am Pilgerweg

Wernikow Kirche am Pilgerweg

Nachdem die evangelische Kirche in Wernikow mit einer neuen Kirchturmspitze wieder ihre volle Größe hat, könnte sie zum echten Mittelpunkt des Dorfes werden. Für Pilger auf der Nordroute des Bad-Wilsnack-Weges sollen hier günstige Unterkünfte geschaffen werden.

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Petra Mauf aus Wernikow führt Besucher gern durch die Kirche.

Quelle: Claudia Bihler

Wernikow. Schlank und elegant erhebt sich der Kirchturm der evangelischen Kirche in Wernikow über dem Dorf: Erst 2015 hatte die Gemeinde das ehemalige Notdach gegen die neue Kirchturmspitze austauschen können: Großzügige Spenden aus dem Dorf hatten den Neubau ermöglicht. Vor allem die Landverpächter für den nahegelegenen Windpark hatten viel Geld beigesteuert, damit der Turm zu seiner wahren Größe wieder aufgebaut werden konnte. Insgesamt sind bereits rund 100 000 Euro in die Baumaßnahmen der Kirche geflossen, die vermutlich die älteste noch existente Kirche ihrer Art im weiten Umkreis ist – das Kirchenschiff besteht im Gegensatz zum Turm aus Feldsteinmauern.

Noch ist die Sanierung des Wernikower Gotteshauses nicht abgeschlossen. In Zukunft möchte die Gemeinde weiteres Geld auch für die Sanierung des Innenraumes aufwenden, neben verbleibenden Restarbeiten an der Trockenlegung des Bauwerks und um die Fenster zu sanieren. Die Spuren aufsteigender Feuchtigkeit sind im inneren sehr deutlich zu sehen: Hier und dort bröckelt der Putz. Doch einige Arbeiten sind bereits verrichtet: Marode Deckenbretter wurden bereits ersetzt, und überall sind Spuren der Vorarbeiten für eine Restaurierung zu sehen – ursprünglich wies das Kirchenschiff einmal Malereien in seinem Inneren aus, die heute unter einem Kalkputz verborgen sind.

Nicht nur eine Renovierung

Für die Sanierung des Kircheninneren möchte die Gemeinde auch Fördermittel einwerben. Dabei steht nicht nur die Renovierung im Mittelpunkt. Die Wernikower Kirche soll zu einem echten Zentrum fürs Dorf entwickelt werden.

Zum einen soll eine kleine Ausstellung eingerichtet werden, für die auch die derzeit eingelagerte Reliquie wieder zurück ins Dorf kommen soll. „Rund 800 Jahre war die unter dem Altarstein verborgen“, sagt Petra Mauf, die Dame aus dem Dorf, die mit interessierten Besuchern gern einen Rundgang durch die Kirche unternimmt. Die Reliquie soll ein Stück des Leichentuches Christi beinhalten – wie sie nach Wernikow gekommen ist, ist heute nicht ganz klar.

In die Ausstellung aufgenommen werden sollen auch das alte Weihesiegel der Kirche und Informationen zu den Verbindungen der Wernikower Kirche zu den umliegenden Klöstern Heiligengrabe, Marienfließ und vor allem zur Pilgerkirche in Bad Wilsnack.

Reliquie und Weihesiegel

Reliquien haben während des Mittelalters häufig zahlreiche Pilger in die Gotteshäuser gelockt. Eine eigene Geschichte als Wallfahrtskirche hat die Wernikower Kirche zwar nicht – ein interessanter Ort sei sie aber auf jeden Fall, meint auch Hans-Heinrich Grünhagen, der sich für die Kirche engagiert.

Nachdem in den vergangenen Jahren das allgemeine Interesse an Pilgerwanderungen zugenommen hat und nicht jeder Zeit und Geld hat, seine moderne Pilgerreise über den Klassiker der Pilgerwege zu absolvieren, den spanischen Jakobsweg, werden auch hierzulande immer mehr Pilgerwege wiederbelebt und neu ausgewiesen.

Der Annenpfad in der Prignitz verbindet bereits einige Wallfahrtsorte rund um Alt Krüssow. Der Pilgerweg von Berlin nach Bad Wilsnack ist der heimische Klassiker: Immer mehr Wanderer gehen die sechs Tage dauernde Route, über der während der Wallfahrtszeit die Pilger nach Bad Wilsnack reiten.

Von Rostock nach Bad Wilsnack

Da vor allem auch Pilger aus Nordeuropa zu dem wichtigsten Wallfahrtsort Norddeutschlands gingen, wird der Weg nun von Bad Wilsnack über Rostock bis nach Lübeck weitergeführt. Damit ist er – bis Rostock – deckungsgleich mit dem Baltisch-Mitteldeutsche Weg, und kreuzt dort die Via Baltica, auch bekannt als Baltisch-Westfälischer Weg. Ab Rostock geht es bereits heute über das Kloster Tempzin und Parchim in südlicher Richtung durch Mecklenburg, bevor die brandenburgische Landesgrenze gequert wird, von wo es weiter nach Perleberg und Bad Wilsnack geht. Wanderer orientieren sich an einer gelben Muschel als Markierung. Sie können dabei allerlei interessante Orte im Verlauf ihrer Wanderung besuchen. Unter anderem kann auch eine Route über Wernikow genutzt werden.

Grund genug für das Dorf, sich perspektivisch auf die Pilger einzustellen. Gemeinsam mit dem Förderkreis Alte Kirchen soll die Kirche renoviert werden, sagt Hans-Heinrich Grünhagen: „Mit der Ausstellung werden wir zu einem interessanten Ort für einen Zwischenstopp.“

Zeltplatz und Gastronomie

Doch auch um die weltlichen Angelegenheiten der Pilger will sich das Dorf künftig kümmern. „Wir planen gemeinsam mit unseren Gas­tronomen vor Ort ein Low-Budget-Angebot für Wanderer zu entwickeln“, sagt Grünhagen, so dass Wanderer für kleines Geld eine Unterkunft bekommen können. Solche Angebote werden an jene Wanderer gemacht, die nachweislich einen Pilgerweg gehen und in diesem Zusammenhang über ein gestempeltes Pilgerbuch über alle ihre Stationen im Gepäck haben. Außerdem gibt es Überlegungen, im Dorf einen Zeltplatz einzurichten. „Dazu werden wir auch Fördermittel aus dem ILE-Programm beantragen, dem EU-Förderprogramm für die Integrierte Ländliche Entwicklung.“

Für das Dorf mit seiner schmucken Kirche könnte der Pilgerweg einen Zuwachs an Besuchern bringen. Zwar kommen die Pilgerzahlen auf den deutschen wegen noch nicht an die rund 250 000 Wanderer heran, die auf dem spanischen Jakobsweg unterwegs sind. Doch immerhin machen sich dort pro Jahr auch knapp 17 000 Deutsche auf Wanderschaft. Und so mancher Wilsnack-Pilger freut sich, die optimalen Wanderbedingungen sozusagen vor der Haustür vorzufinden.

Von Claudia Bihler

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