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Klärschlamm wird zum Problem

Wittstock Klärschlamm wird zum Problem

Klärschlamm aus der Kläranlage in Wittstock wird zurzeit nicht auf Felder ausgebracht, weil verschärfte gesetzliche Vorschriften das unmöglich machen. Für den Wittstocker Wasser- und Abwasserverband ergibt sich daraus ein großes Problem.

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Abwassermeister Thomas Hirthe vom WAV Wittstock an der Schlammentwässerungsanlage.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. Wohin mit dem Klärschlamm? Diese Frage treibt zurzeit den Wittstocker Wasser- und Abwasserverband (WAV) um. Rund 1400 Tonnen dieses Abfallproduktes aus den örtlichen Kläranlagen fallen jedes Jahr an. „Zurzeit gibt es bei uns keine sichere Verwertung“, sagt Sigrid Krüger, Technische Leiterin im Verband. Das Problem bereite dem WAV „erhebliches Kopfzerbrechen“. Tatsächlich sorgen gleich mehrere Faktoren für eine äußerst verzwickte Lage.

Bis zum Frühjahr 2017 war die Welt in Sachen Klärschlamm für den WAV noch in Ordnung. Denn bis dahin war dessen weitere Verwertung klar geregelt: Ein Spezialunternehmen, das mit regionalen Landwirten zusammenarbeitete, holte den Schlamm vom 55 mal 33 Meter großen Lagerplatz an der Kläranlage am Bohnekampweg ab und sorgte für die Verteilung auf den entsprechenden Flächen. Denn Klärschlamm ist Dünger.

Das funktioniert nicht mehr

Aber das funktioniert inzwischen nicht mehr. Grund: Seit dem 1. Juni 2017 gelten verschärfte Verordnungen sowohl für die Klärschlammverwertung als auch für den Einsatz von Düngemitteln. Beide sorgen dafür, dass das jahrzehntelang praktizierte Entsorgungssystem von einem Tag auf den anderen ausgehebelt wurde. Der Boden darf jetzt nur noch wesentlich weniger Klärschlamm aufnehmen als bisher, was mit entsprechenden Beprobungen nachgewiesen werden müsse, sagt Sigrid Krüger. „Heute wird die zweieinhalbfache Fläche benötigt, um die gleiche Menge an Klärschlamm ausbringen zu können wie zuvor.“ Verschärfend hinzu kommt, dass in manchen Pachtverträgen der Landwirte die Ausbringung von Klärschlamm auf den Flächen gänzlich ausgeschlossen wird.

Das hat weit reichende Folgen: Das Verwertungsunternehmen habe seinen Vertrag mit dem WAV bereits gekündigt, weil es die Abnahme nicht mehr gewährleisten konnte. Die vorhandenen Flächen der Landwirte reichten einfach nicht mehr aus, um die Menge an Klärschlamm dort auszubringen.

Kein einziger Bewerber

Deshalb schrieb der WAV diese Leistung im Herbst 2017 europaweit neu aus. Ergebnis: Null. „Es gab keinen einzigen Bewerber“, sagt WAV-Geschäftsführer Andy Thierbach. Er glaubt zu wissen, woran das liegt. „Der

Der Klärschlammlagerplatz an der Kläranlage am Bohnekampweg in Wittstock

Der Klärschlammlagerplatz an der Kläranlage am Bohnekampweg in Wittstock.

Quelle: Björn Wagener

Markt ist dabei, sich neu zu sortieren.“ Die Bauern müssten die neuen Richtwerte zunächst mit ihren Böden abgleichen, um sich einen Überblick darüber zu verschaffen, wo welche Mengen an Klärschlamm noch ausgebracht werden dürfen. Und so lange sich die Bauern noch nicht klar über die Abnahmemengen sind, halten sich auch die Verwertungsunternehmen bei neuen Leistungsangeboten zurück, weil sie die Situation nicht genau einschätzen können.

Dennoch sei es laut Thierbach durchaus möglich, dass das ehemals für den WAV tätige Verwertungsunternehmen weiterhin Klärschlamm auf hiesigen Landwirtschaftsflächen ausbringe. Der stammt allerdings aus anderen Regionen, weil der Verwerter auch Verträge mit dortigen Auftraggebern erfüllen müsse und dafür geeignete Flächen braucht.

Ein Ding der Unmöglichkeit

Die neue und strengere Düngemittelverordnung verschärfe die Lage zusätzlich, sagt Andy Thierbach. Grund: Der Zeitraum, in dem nicht gedüngt werden darf, sei verlängert worden. Das heißt: Der Klärschlamm muss nun in kürzerer Zeit auf einer rechnerisch geschrumpften Fläche verteilt werden – mit den bisherigen Abläufen für den WAV ein Ding der Unmöglichkeit.

Es gibt allerdings noch eine zweite Variante, den Klärschlamm loszuwerden: verbrennen. Mit einer kleineren Menge von rund 300 Tonnen habe man das auch einmal versucht. Aber da es in der Region keine entsprechenden Anlagen dafür gibt, müssen weite Wege zurückgelegt werden. Das macht das Ganze wesentlich teurer, was auf die Gebührenkalkulation umgeschlagen werden müsste. Hinzu komme, dass die Kapazitäten dieser Anlagen ausgereizt seien. Deshalb sei auch das keine Option für den WAV.

Es braucht dringend eine Lösung

Doch es braucht dringend eine Lösung. Der Lagerplatz, der etwa 1000 Tonnen Schlamm aufnehmen könne, sei schon jetzt rappelvoll. Das Material werde in einer Zentrifuge entwässert und sehe dann aus wie Humuserde, beschreibt Andy Thierbach. Hier kommt noch ein hausgemachtes Problem hinzu: Der Platz ist nicht überdacht. Wenn es regnet, verwandelt sich das Ganze wieder in Schlamm. In Anbetracht der Lage sei die Fläche sogar schon notdürftig erweitert worden, „damit der Schlamm nicht ans Haus läuft“, sagt Sigrid Krüger. Ganz gleich, wie die Verwertung künftig organisiert werden wird: Der Lagerplatz müsse auf jeden Fall überdacht werden. Auch wenn damit eine größere Investition nötig wird. Denn nur so könne das stetig wiederkehrende Problem gelöst werden.

Ziel müsse sein, den Klärschlamm regional zu verwerten. „Wenn uns das nicht gelingt, bekommen wir einen überregionalen Klärschlamm-Tourismus, der viel Geld kostet“, vermutet Andy Thierbach. Um es so weit nicht kommen zu lassen, hat es erste Gespräche mit Landwirten gegeben. Dennoch stehe man noch ganz am Anfang.

Von Björn Wagener

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