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Ostprignitz-Ruppin Klang-Wochenende auf den Spuren alter Musik
Lokales Ostprignitz-Ruppin Klang-Wochenende auf den Spuren alter Musik
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17:34 19.03.2017
Die Lautten Compagney war zum Auftaktkonzert in der Neuruppiner Klosterkirche zu erleben.
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Neuruppin

Gling, glang, gling, glang – nicht die großen Glocken der Neuruppiner Klosterkirche sind es, die am Freitagabend im Reformationsjahr die 8. Aequinox-Musiktage einläuten, sondern die strahlenden Knabenstimmen der jüngsten Berliner Profimusiker. Mit dem Einzug des mittlerweile 550 Jahre alten Staats- und Domchores in die voll besetzte Kirche, sowie den Musikern des Berliner Vocalconsorts und der Lautten Compagney beginnt das Eröffnungskonzert mit neuer geistlicher Musik des 16. und 17. Jahrhunderts. Im Jahr 1526 erschien in Wittenberg Martin Luthers Schrift „Deutsche Messe und Ordnung des Gottesdiensts“ – erstmals in deutscher Sprache, so dass es auch einfachen, des Lateinischen unkundigen Menschen möglich ist, das heilige Geschehen am Altar zu verfolgen. Mit der Messe erleben die Besucher ein Zwiegespräch in der Ordnung und Reihenfolge eines Lutherschen Gottesdienstes, dass durch den Klang der Stimmen und Instrumente lebendig wird.

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Beim Eröffnungskonzert der Aequinox-Musiktage in der Klosterkirche St. Trinitatis, mit dem Staats- und Domchor Berlin, dem Vocalconsort Berlin und der Lautten Compagney.

Für das angerührte, aufgewühlte Publikum ein nachhaltiges Erlebnis, das einer Besinnungspause bedarf, bevor die Barockgeigerin Julia Schröder, mit unglaublichem Temperament und fantastischer Virtuosität in der Siechenhauskapelle alte Musik vom Feinsten bietet. Ihr zur Seite stehen fabelhafte Musiker, wie der Cembalist Gerd Amelung, die Cellistin Mara Miribung und der Lautenist Wolfgang Katschner, der das Festival zur Tagundnachtgleiche zusammen mit Gabriele Lettow vor acht Jahren ins Leben rief. Zu hören waren im Nachtkonzert „Misterio“, Rosenkranzsonaten von Ignaz Franz Biber – einem der großen Violinmeister des 17. Jahrhunderts – kombiniert mit Tangos von Astor Piazzolla.

Barock und Astor Piazolla, der Revolutionär des Nuevo Tangos und des Bandoneons – wie geht das zusammen? Es geht. Die Zuhörer erlebten einen emotionalen Abend höchster Güte. Hingabe im Glauben und körperliche Sinnlichkeit zwischen Mann und Frau werden durch die Musik erlebbar gemacht. Virtuose Tanzsätze begleiten schließlich Mariäs Himmelfahrt bis die Orgel erklingt. Herzklopfen und Blutrauschen waren körperlich noch zu spüren, als die Musik längst verklungen war. Ergriffen von den Gemütsbewegungen geht das Publikum in die erste Festivalnacht.

Parkplätze am Kornspeicher sind Mangelware

Der zweite Aequinoxtag ist angebrochen, die Parkplätze am Kornspeicher Neumühle sind vergeben – ein Wunschkonzert mit Sonetten von Shakespeare und englischer Renaissancemusik steht auf dem Programm. Schauspieler und Autor Wolfgang Maria Bauer liest die Texte mit unkonventioneller Leichtigkeit und einem Schuss Melancholie, Sopranistin Susanne Ellen Kichesch berührt mit ihrem Gesang die Seele und beide sorgen dafür, dass auch die Lachmuskeln zum Einsatz kommen – Musik und Liebe, Zeit und Vergänglichkeit, Sehnsucht aber auch Doppelzüngiges gehören zu Shakespeares Themen. Aus der Liste der Shakespeare-Top-10 dürfen die Besucher den zweiten Programmteil selbst bestimmen. Für die Gäste heißt es nach der Zugabe sich zu sputen, wenn man rechtzeitig in Netzeband sein will, um die barocke Musik der Gegenreformation im Rom des 17. Jahrhunderts zu erleben.“Ad arma fideles!“ heißt es beim Kammerkonzert mit dem Ensemble Concerto Romano.

Die Fontanebuchhandlung war ein Ort für die Wandelkonzerte. Quelle: Peter Geisler

Neben der Deutschen Messe gehörte das diesjährige Wandelkonzert, das sich dem Komponisten Georg Philip Telemann widmete, zu den Projekten, die für Wolfgang Katschner Spannung versprachen. Doch der Wunsch Neues auszuprobieren, bestimmte von Anfang an das Musikfestival. In diesem Jahr schwärmten die 300 Festivalgäste zu 12 Stationen in der Altstadt aus . Eröffnet wurde der Abend vom Barockensemble der Kreismusikschule Ostprignitz-Ruppin, das einst für das Festival gegründet wurde. Improvisationen, Solofantasien und Sonaten gab es im Miniformat, maximal 10 Minuten durfte der Kunstgenuss währen.

Dennoch Gelegenheit genug, um in die musikalischen Kostbarkeiten des schaffenwütigen Telemann hinein zu schnuppern und in Lesungen und Papiertheater etwas über Leben und Werk des gottesfürchtigen und experimentierfreidigen Musikers zu erfahren. So erklang die Trauermusik eines kunsterfahrenen Canarienvogels und das Leben Don Quichots ging in acht Minuten über die Papiertheater-Bühne. Der Magdeburger Komponist, dessen 250. Todestag in diesem Jahr begangen wird, widmete dem Ritter von der traurigen Gestalt eine eigene Suite. Am späten Abend gibt es im Stadtgarten ein Lob für alle Beteiligten, eine glückliche Gabriele Lettow und einen zufriedenen Wolfgang Katschner: „Es war ein unglaublich schönes Programm und es hat mich sehr überrascht, dass so viele Leute, trotz des speziellen Themas gekommen sind.

Von Cornelia Felsch

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