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Klassik-Reihe mit Bartholdys „Schottischer“

Neuruppin Klassik-Reihe mit Bartholdys „Schottischer“

Immer wieder schafft es der Musikverein Neuruppin, die Kulturlandschaft zu bereichern. Dirigent Takao Ukigaya holte einmal mehr das Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt, das er leitet, nach Neuruppin. Dazu spannende Solisten. Am Sonntag eröffnete Nachwuchstalent Johanna Krech mit einem schwierigen Klarinettenpart das Konzert.

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Ein bestens aufgelegtes Brandenburgisches Staatsorchester Frankfurt sorgte für einen abwechslungsreichen musikalischen Hochgenuss.

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Es sei schon ein recht schweres Stück, bekennt Johanna Krech, als sie nach ihrem Auftritt wieder tief durchatmen kann. Aber aufgeregt sei sie vorher nicht gewesen. Immerhin habe sie zwei Monate intensiv am Stück geübt. Die 16-Jährige ist das diesjährige Nachwuchstalent, das einen Solopart beim traditionellen Sinfoniekonzert des Musikvereins Neuruppin spielen darf. Und obwohl das in diesem Jahr kein Schüler der hiesigen Kreismusikschule ist, ist Johanna dennoch nicht so ganz weit hergeholt: ihr Vater ist der Soloklarinettist des Brandenburgischen Staatsorchesters Frankfurt, das am Sonntag vor rund 300 Musikbegeisterten in Neuruppins Pfarrkirche spielte.

Johanna Krech als Solistin an der Klarinette

Johanna Krech als Solistin an der Klarinette.

Quelle: Regine Buddeke

Die Klarinettenkonzerte von Carl Maria von Weber sind in der Tat Virtuosenstücke – Johanna Krech spielte aus dem 1. Konzert den dritten Satz: ein Allegretto. Naturgemäß ist das alles andere als langsam und verlangte der Solistin schon ein hohes Maß an Fingerfertigkeit und Atemtechnik ab. Die zweifache Bundessiegerin bei „Jugend musiziert“ und vorjährige Preisträgerin des internationalen Klarinettenwettbewerbs „Saverio Mercadante“ hatte indes genug Erfahrung, dies brillant zu meistern. „Supergut“, lobt auch Takao Ukigaya, der Leiter des Musikvereins, der das Zusammenspiel des jungen Talents mit dem Orchester gefühlvoll dirigierte.

Maria Radutu brillierte am Klavier

Maria Radutu brillierte am Klavier.

Quelle: Regine Buddeke

Das Weber-Stück war nur der Auftakt eines berauschenden Konzerts. Als zweiter Gang stand Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 auf der Karte. Ukigaya hatte dazu die rumänische Pianistin Maria Radutu eingeladen. Die 32-Jährige galt schon in den Neunzigern in Rumänien als Wunderkind, studierte in Wien, ist heute eine gefragte Solistin und hat diverse Preise erspielt. Sie eröffnete gemeinsam mit Lang Lang das Mozartjahr und spielte auch schon als Solistin des Wiener Kammerorchesters Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert: Der Komponist gilt als Gradmesser für Pianisten.

Glücklicher Takao Ukigaya nach dem Finale

Glücklicher Takao Ukigaya nach dem Finale.

Quelle: Regine Buddeke

Auch in Neuruppin verzückte sie: im süß-elegischen Andante schienen ihre Hände über den Tasten zu schweben wie zarte Vögel. Und im finalen Allegro vivace quirlten sie derart schnell über die Klaviatur, dass man die Finger kaum mehr sah: sprudelnde Lebensfreude pur. „Sie hat vor ein paar Jahren bei uns in Neuruppin die Geigerin Vanessa Szigeti begleitet“, erzählt Ukigaya, wie er auf die junge Frau aufmerksam geworden sei. Sie habe auf seine Anfrage hin zugesagt und er habe es nicht bereut. „Mozart ist schwer. Man muss ihn jung spielen, nicht behäbig.“ Maria Radutu habe einen ganz lebendigen frischen Mozart gespielt, lobt er im Anschluss. Das sahen auch die Zuschauer so: Sie forderten am Ende des Konzerts noch eine Zugabe von Radutu ein. Die junge Frau entschied sich für ein wunderbares Stück des schwedischen Komponisten Mikael Karlsson, der demnächst extra für Radutus Solo-CD ein Stück komponieren wird. Die Zugabe, so erzählt die Pianistin, gehört zu einem Ballett und ist ein finales Solo, nachdem Orchester und Tänzer bereits von der Bühne gegangen sind. „Nur noch ein Tänzer und das Klavier sind da“, sagt sie. Den Tänzer habe sie nicht dabei, sagt sie. „Aber schließen sie die Augen und stellen sie ihn sich vor.“ Und dann perlte es aus dem Steinway: mal melancholisch süß, mal berauschend , mal spröde bitter, mal schmelzend zart.

300 Zuhörer lauschten andächtig

300 Zuhörer lauschten andächtig.

Quelle: Regine Buddeke

„Ich war von der Zugabe total begeistert“, schwärmt Zuhörerin Hilde Leiser-Kilian. „Es war überwältigend, was man aus so einem Klavier alles herausholen kann.“ Maria Radutu war es ebenfalls eine Freude: Der Klavierpart ist wohl einer der forderndsten und klangvollsten überhaupt aller mozartschen Konzerte – ein Leckerbissen für jeden Solisten. „Mit diesem besonderen Flügel zu spielen, ist ein Erlebnis“, sagt sie. Natürlich sei sie vorher aufgeregt gewesen. „Das ist man immer. Und muss es auch sein. Sonst hat man kein Adrenalin.“

Nach dem Mozart folgt Felix Mendelssohn Bartholdys „Schottische Sinfonie“. Takao Ukigaya dirigiert sein Orchester mal zart, mal mit geballter Wucht durch das klanggewaltige Werk. Ein Meisterwerk der romantischen Musik, das mit einer schwerblütigen Ballade beginnt und sich über lyrische Zwischenmotive immer mehr beschleunigt und sich in einem temperamentvollen Allegro bis hin zum majestätischen Finale steigert. Ein Hochgenuss: für die Zuhörer und für einen erschöpften aber glücksstrahlenden Takao Ukigaya.

Das nächste Konzert der Klassik-Reihe ist ein Klavierabend mit Ingo Dannhorn am 30. April um 17 Uhr im Festsaal der Ruppiner Kliniken.

Von Regine Buddeke

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