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Klaus Kraatz führt die Ortschronik

Läsikow Klaus Kraatz führt die Ortschronik

Klaus Kraatz ist so etwas wie das Gedächtnis von Läsikow. Der 79-Jährige führt die Chronik des Dorfes. Wen es zum Beispiel interessiert, wie es dazu kam, dass sich im Februar 2008 die 200 Jahre alte Friedenseiche dem Sturm ergeben musste, ist bei ihm an der richtigen Adresse.

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Klaus Kraatz in seinem Chronisten-Kämmerlein unterm Dach von Läsikow Nr. 31.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Läsikow. Man, war das ein Fest! Die Läsikower haben gerade erst gezeigt, dass sie auch beim Feiern was drauf haben und gut mit Gästen umgehen können. Zwar gab es schon vorher Maibaumtragen, Kindertagsspaß und Kirchenmusiken mit guter Besetzung, die 525-Jahr-Feier und das Erntefest der Gemeinde Wusterhausen in diesem Monat waren ja nun aber gleich eine Doppelfete. Das riecht stark nach Schwerstarbeit für Klaus Kraatz, zumal ja ein „kleines“ Jubiläum noch schnöde untergegangen ist. Den Förderverein für Kirche und Dorf – maßgeblich Ausrichter auch der jüngsten Festivität – gibt es seit mittlerweile zehn Jahren.

Von Beginn der Dekade an ist Klaus Kraatz der Chronist. Und zwar ein sehr gründlicher. Eine Chronik schreibt eigentlich immer einer fort. Ganz früher tat das der Pfarrer. Schied er aus, gab es mit Sicherheit einen Nachfolger. Spätestens seit den großen Kriegen sind so friedliche Verläufe verloren gegangen. Zwar fanden sich immer wieder Heimatfreunde, Sammler wichtiger Papiere und Dokumente, Fotos sogar – aber vieles Merkenswerte blieb doch dem Zufall überlassen. Auch in Läsikow.

Fahrt ins Landeshauptarchiv nach Potsdam

Als der heute 79-Jährige, der 1996 mit Familie aus Berlin in das Rundlingsdorf übergesiedelt war, sein Ehrenamt antrat, übernahm er keine leichte Aufgabe. „Aus der ferneren Vergangenheit gab es nichts Greifbares“, erinnert er sich. „Also ging ich auf die Suche, stöberte in Annalen von Wusterhausen, fuhr zum Landeshauptarchiv nach Potsdam, zur Kreisverwaltung nach Neuruppin, wälzte Kladden in der Kirche. Von Läsikow gibt es aber keine Kirchenbücher von vor 1880. Es blieb mühsam.“ Und eine Fleißarbeit, muss man hinzufügen. Klaus Kraatz schaffte es, Geschichtliches zusammenzutragen, das mittlerweile eine ganze Anzahl von Aktenordnern füllt.

Er hat sich dabei das System ausgedacht, Ereignisse themenbezogen zusammenzufassen. So gibt es Darlegungen zum Schulwesen oder zum Schwerpunkt „Läsikow zwischen Mittelalter und Heute“. Wen es zum Beispiel interessiert, wie es dazu kam, dass sich im Februar 2008 die 200 Jahre alte Friedenseiche dem Sturm ergeben musste, ist beim Chronisten an der richtigen Adresse. Hier schon mal vorweggenommen: Schon im April des Jahres kam eine von Bodo und Irma Behrendt gesponserte „Nachfolge-Eiche“ in den Boden, wurde bei einem Gottesdienst geweiht und wuchs von da an, ohne Schaden zu nehmen, stetig in die Höhe.

Ehemalige Brauerei in Dessow

Klaus Kraatz pflegt nicht nur das „Gedächtnis“ des Wusterhausener Ortsteiles, sondern füllt auch die Chronikseiten für den Förderverein. Und er sorgte dafür, dass Besonderheiten aus der näheren Umgebung unvergessen bleiben. Da gab es mal eine Brauerei in Dessow, kann man in Läsikow lesen. Und irgendwann flog irgendwo mal ein blauer Storch durch die Lüfte. Dem Chronisten ist das und noch viel mehr nicht entgangen. Er ist interessiert und wachsam zugleich, würde sein Amt aber gern im Jahr seines 80. Geburtstages an einen anderen weitergeben. Vielleicht an Sohn Kai-Uwe? Die Übergabe wäre unkompliziert. Man wohnt in einem Haus.

Von Wolfgang Hörmann

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