Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Kleinod schlummert in der Dorfkirche
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kleinod schlummert in der Dorfkirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
02:15 09.07.2017
Die spätmittelalterliche Feldsteinscheune in Rossow beherbergt seit 1607 den ehemaligen Hochalter aus dem Dom zu Havelberg. Der Altar wurde vermutlich zum Schutz vor Bilderstürmern evakuiert. Quelle: Christian Bark
Anzeige
Rossow

Vor genau 410 Jahren gelangte ein Kunstschatz in die kleine Rossower Dorfkirche, der sogar bundesweit so ziemlich einzigartig ist. Bis heute lässt der ehemalige Hochaltar aus dem Dom zu Havelberg die Besucher der Dorfkirche staunen. „Das Besondere daran ist, dass der Betrachter sehr nahe an den Altar herankommt“, sagt Rossows Ortsvorsteherin Nicole Rösler. dadurch seien die Details viel besser erkennbar. Zum Beispiel die Weihrauchkrüge, die zwei Engel am oberen Rand des Altars tragen. „Die bewegen sich beim kleinsten Luftzug“, sagt Nicole Rösler.

Zum Beispiel wenn sie die Flügel des Altars auf- und zuklappt. Dabei fällt nicht nur auf, dass die Außenseite wesentlich besser erhalten ist, als die Innenseite – außen muss wahrscheinlich auch ein anderer Künstler gewirkt haben. „Der Altar wurde 1411 ein zweites Mal geweiht, vielleicht nachdem die Außenseite verziert war“, informiert die Kirchenexpertin. Möglicherweise könnte die Außenseite auch bei einem Feuer beschädigt und erneut bemalt worden sein.

Dass die Flügelinnenseite, die dem Stil der Schnitzfiguren des Altars stilistisch gleicht, nur noch Fragmente einstiger Pracht aufweist, könnte an der langjährigen Aufbewahrung der Türen an einem ungünstigen Ort liegen. „Die Türen wurden erst in den 70er Jahren wiedergefunden“, berichtet Nicole Rösler. Zuvor hätten die Rossower buchstäblich darauf gestanden. Sie lagen an der Stelle, an der bis in die 90er Jahre das Geläut im Turm betätigt wurde. In den 70er Jahren ist der Altar dann restauriert worden. „Da wird wohl auch keine Restaurierung mehr nachfolgen, höchstens noch eine Reinigung“, vermutet Nicole Rösler.

Dennoch sei das Kleinod für seine fast 690 Jahre (das Holz könnte sogar um 1310 geschlagen worden sein) gut erhalten – wenngleich einzelne Stellen beschädigt sind. So fehlt das Ende des Schlüssels, den der Apostel Paulus in den Händen hält, am Kreuze Jesu ist ein Stück abgebrochen an anderen Figuren fehlt ein Finger. Und dennoch, für Nicole Rösler und die Rossower bedeutet der Kunstschatz eine unglaubliche Aufwertung der kleinen Kirche. „Solche mittelalterlichen Schnitzaltare existieren heute nur noch in Bad Doberan und im Rheinland“, sagt sie. In einer Dorfkirche wie dieser würde man das Schmuckstück kaum vermuten.

Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb die Adelsfamilie von Rohr auf Havelberg, aus deren Linie im 15. Jahrhundert auch ein Bischof entsprang, den Altar vor 410 Jahren nach Rossow evakuiert hatte. „Rossow gehörte damals den von Rohrs“, erklärt Nicole Rösler. Den Altar habe man wohl vor drohenden Bilderstürmern, wie es sie in der Reformationszeit zu Haufe gegeben hat, in Sicherheit bringen wollen. Überhaupt, so verweist Nicole Rösler auf die Decken- und Wandmalereien, sei die Dorfkirche ziemlich prächtig ausgeschmückt.

Der Altar selbst hatte bis zur Wiederentdeckung der Flügel an der Ostseite der Kirche gestanden. Für gewöhnlich seien die Flügel auch geschlossen – nur zu besonderen Anlässen und Führungen würden sie geöffnet.

Mehr Informationen zur Kirche und zum Altar unter: www.kirche-rossow.de

Eine lange Historie

1330 wurde der frühgotische Altar unter Bischof Dietrich I. im Havelberger Dom geweiht. Das Holz dürfte weitaus früher, womöglich zu Beginn des 14. Jahrhunderts geschlagen worden sein.

1411 erfolgte die zweite Weihe unter Bischof Otto von Rohr. Der Rahmen des Schreins ist ein Band aus ornamentiertem, vergoldetem Zinn, in das rote und blaue Glasflüsse wechselnd in Kreis- und Rhombenform eingefügt sind.

1607 gelangte der Altar in die Dorfkirche nach Rossow. In den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Flügel wiederentdeckt. Es folgte eine Sanierung.

Von Christian Bark

Als zwei Menschen, die sich verdienstvoll um ihre Heimatstadt Kyritz bemüht haben und weiterhin bemühen, wurden vor der jüngsten Stadtverordnetenversammlung Hans-Jürgen Päzolt und Helmut Wagner gewürdigt. Beide engagieren sich unablässig, hieß es, anstatt sich in ihrem Rentneralter einfach zur Ruhe zu setzen.

09.07.2017

Spielkonsolen, Computerspiele, Serien und Filme sind aufregend und machen Spaß. Aber das Lesen eines Buches kann nichts ersetzen. Auf dem zweiten Kinder-und Jugendliteraturfestival in Neuruppin wecken und fördern Autoren, Illustratoren und Alltagspoeten das literarische Interesse junger Menschen.

06.07.2017

Die Kyritzer Stadtverwaltung denkt derzeit an eine Neuregelung der Leinenpflicht für Hunde. Sie soll auf das gesamte Stadtgebiet ausgeweitet werden. Bisher ist es nur vor öffentlichen Einrichtungen nicht erlaubt, Hunde frei laufen zu lassen. Auch vor Schulen und Kitas beispielsweise gilt die Pflicht, die Tiere anzuleinen.

09.07.2017
Anzeige