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Klinik sichert Spuren nach einer Vergewaltigung

Neuruppin Klinik sichert Spuren nach einer Vergewaltigung

Die Ruppiner Kliniken gehören zu den vier Krankenhäusern in Brandenburg, bei denen Opfer von Vergewaltigungen nicht allein medizinische Soforthilfe erhalten, sondern bei denen auch die Spuren der Gewalttat vertraulich gesichert werden. Sie werden in einem speziellen Safe verschlossen und versiegelt.

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Chefarzt Erik Weidmann ist Chef der Notaufnahme in den Ruppiner Kliniken.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Nein, auch Erik Weidmann kennt keine genauen Zahlen. Weidmann ist zwar Chefarzt und in den Ruppiner Kliniken für die Notaufnahme zuständig. Doch wie viele Frauen in den vergangenen Jahren nach einer Vergewaltigung im Neuruppiner Krankenhaus Hilfe gesucht haben, das weiß Weidmann nicht. Zum einen, weil in der Notaufnahme der Kliniken jedes Jahr etwa 40 000 Fälle behandelt werden, zum anderen weil das Krankenhaus seit drei Jahren zu den vier Kliniken in der Mark gehört, die sich am Projekt „Medizinische Soforthilfe und vertrauliche Spurensicherung“ beteiligen. Die Betonung liegt dabei auf vertraulich. Das heißt, ohne Einwilligung der Betroffenen gibt es keinerlei Auskünfte zu dem Fall, auch nicht dazu, ob Anzeige gegen den Gewalttäter erhoben wird.

Holt man keine Hilfe, bleibt man mit dem Problem allein

Für Weidmann ist wichtiger, dass sich die Opfer von Gewalt Hilfe holen, sei es nun von einem Arzt, einer Psychologin, einer Therapeutin. „Holt man keine Hilfe, bleibt man mit dem Problem allein und kann die Gewalttat nicht verarbeiten.“ Das führe oft zu Panikstörungen, Depressionen oder gar Suizidversuchen.

Studien belegen, dass jede vierte Frau in Deutschland Gewalt erlebt, psychische, körperliche oder sexuelle. Doch nur rund zwei Prozent der Betroffenen wenden sich an eine Klinik. Auf Ostprignitz-Ruppin runtergerechnet wären das etwa 140 Frauen pro Jahr. Damit wenigstens diesen nicht nur so gut wie möglich medizinisch geholfen werden kann, sondern auf Wunsch auch die Täter zur Verantwortung gezogen werden können, werden in den Kliniken in Neuruppin, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Potsdam die Spuren derartiger Gewalttaten nach einer mit Juristen und Kriminalisten abgestimmten Art dokumentiert. Dazu gehören beispielsweise Fotos von den blauen Flecken am Körper, neben den ein Lineal liegt, damit auch noch Monate später ein Gericht einen Eindruck von den Verletzungen erhält. „Die Art der Dokumentation ist entscheidend“, betonte Weidmann am Donnerstag.

Mit Schlüsselsatz in der Klinik melden

Opfer von Gewalttaten können sie sich zu jeder Tages- und Nachtzeit in den vier Kliniken mit dem Schlüsselsatz („Ich muss dringend einen Frauenarzt sprechen“) bei der jeweiligen Notaufnahme melden. Um ihre Anonymität zu sichern, kümmert sich dann schnell ein Frauenarzt in einem extra Zimmer um sie. Auch die Spuren der Gewalttat werden gesichert und auf Wunsch anonymisiert im Krankenhaus gelagert, wie Abstriche, Haare, Fingernägel und Kleidung. Diese sogenannten Asservate liegen in einem speziellen Safe, der verschlossen und versiegelt ist. Diese Beweise können so auch noch später vor Gericht verwendet werden, wenn die Frau den Fall anzeigt.

Erik Weidmann wird am Montag, 20. November, im Alten Gymnasium in Neuruppin über die vertrauliche Spurensicherung berichten. Zuvor wird um 11 Uhr anlässlich des internationalen Tages „Nein zu Gewalt an Frauen“ die Fahne von Terre des Femmes mit der Aufschrift „Frei leben ohne Gewalt“ gehisst.

Von Andreas Vogel

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