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Kliniken kassieren von der Pharmaindustrie

Neuruppin Kliniken kassieren von der Pharmaindustrie

Die Ruppiner Kliniken erhielten im vergangenen Jahr mehr als 16 000 Euro von der Pharmaindustrie – allein für Honorare gab es fast 11 000 Euro. Das Neuruppiner Krankenhaus hat kein Problem mit den Zahlungen. Das gilt ebenfalls für das Sponsoring. Dieses Geld sei notwendig, um die Kosten für Veranstaltungen niedrig halten zu können, hieß es.

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Die Ruppiner Kliniken erhielten im vergangenen Jahr mehr als 16 000 Euro von der Pharmaindustrie.

Quelle: Reyk Grunow

Neuruppin. Die Aufregung unter Ärzten ist groß, die Neugierde von Patienten ebenfalls: „Spiegel­online“ und das Recherchezentrum „Correctiv“ haben jetzt nicht nur veröffentlicht, wie viel Geld die Pharmaindustrie an Krankenhäuser, Mediziner, Apotheker oder Krankenkassenmitarbeiter zahlt – im vergangenen Jahr waren das deutschlandweit immerhin 575 Millionen Euro. Vielmehr lässt sich auch erstmals nachvollziehen, wohin ein Teil des Geldes geflossen ist. Denn etwa 20 000 der rund 71 000 Ärzte und sogenannten Fachkreisangehörigen haben der Veröffentlichung zugestimmt, darunter mehrere Mediziner in Neuruppin. Aufgeführt werden Tagungsgebühren, Reise- und Honorarkosten sowie Auslagen.

Zweifel an einem Teil der Daten

Ein Teil der veröffentlichten Daten könne jedoch nicht stimmen, sagte Angela Laumert (46), Prokuristin der Pro-Klinik-Holding in Neuruppin und Leiterin des Geschäftsbereiches Finanzen, am Freitag. Das betrifft die von „Spiegelonline“ und „Correctiv“ ausgewiesenen Einnahmen von Ärzten durch Sponsoringverträge. Diese belaufen sich beispielsweise bei Chefarzt Kurt Schmailzl im vergangenen Jahr angeblich auf 5900 Euro. „Sponsoringverträge werden bei uns nur mit den Kliniken geschlossen, nicht mit den Ärzten“, betonte Laumert. Mit dem Sponsoringgeld können demnach die Kosten für Veranstaltungen des Krankenhauses gedrückt werden, wie etwa jüngst beim Welthirntumortag in der Neuruppiner Pfarrkirche. Im Gegenzug dürfen sich Hersteller von Medikamenten und neuer Medizintechnik beispielsweise an einem Stand bei der jeweiligen Veranstaltung präsentieren.

Die Honorare liegen meist bei 1000 Euro

Kein Problem hat Laumert damit, dass Chef- und Oberärzte von der Pharmaindustrie zu Kongressen eingeladen werden, dort Vorträge halten und im Gegenzug ein Honorar bekommen. Schließlich müsse der Dienstherr jeder Dienstreise zuvor zustimmen und den Antrag dafür prüfen. „Es ist wichtig, dass sich Spezialisten und Wissenschaftler austauschen und sich gegenseitig mit ihren Erkenntnissen befruchten.“ Außerdem würden die Mediziner ihre Vorträge in der Freizeit vorbereiten, nicht in der Arbeitszeit, betonte Laumert. Die Honorare liegen demnach meist bei 1000 Euro für einen Vortrag, der etwa über eine Stunde geht und der in mehreren Stunden Arbeit vorbereitet wird. „Bei dem Aufwand sind die Honorare gerechtfertigt“, sagte die Prokuristin.

In der Tat liegen diese Summen deutlich unter denen von Spitzenpolitikern und Fernsehstars, die für einen Vortrag oder einen Auftritt gleich mehrere 10 000 Euro kassieren. Allerdings werden sich wohl die wenigsten Mediziner mit dieser Art von Prominenten vergleichen wollen. Hinzu kommt, dass bei Honoraren von der Pharmaindustrie häufig der Verdacht im Raum steht, dass die Zahlungen Einfluss auf die Mediziner bei der Auswahl der Medikamente haben. Darüber streiten Experten seit Jahren. Die meisten Ärzte glauben, dass sie trotz der Honorare von der Pharmaindustrie unbestechlich seien.

Warum lässt nur ein Drittel der Ärzte seine Daten veröffentlichen?

Die jetzige Veröffentlichung hat unter Medizinern, Mitarbeitern von Krankenhäusern, Krankenkassen und Apotheken jedoch noch zu einer ganz anderen Debatte geführt. Dabei geht es vor allem um die Frage, warum eigentlich zwei Drittel der Ärzte nicht zugestimmt haben, dass ihre Zuschüsse von der Pharmaindustrie veröffentlicht werden. Haben sie etwas zu verbergen?

Die Bundesärztekammer und die Landesärztekammer von Brandenburg haben sich bisher noch nicht geäußert, was sie von der Veröffentlichung dieser Daten halten.

Die Ruppiner Kliniken in Neuruppin versuchen seit Längerem, transparent zu sein. Bei Veranstaltungen wird auf den Flyern auf die Sponsoren verwiesen – und seit gut einem Jahr steht hinter den Namen der Unternehmen ebenfalls die Summe, die die jeweilige Firma gesponsort hat.

Von Andreas Vogel

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