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Ostprignitz-Ruppin Klinische Studien aus Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Klinische Studien aus Neuruppin
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00:17 05.12.2016
Hat die Strahlentherapie Patienten – hier Physiker Dietrich Sidow am Linearbeschleuniger – mit Hirntumoren geholfen? Auch das klären klinische Studien. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Für manch einen ist es der rettende Strohhalm: die Teilnahme an einer medizinischen Studie. „Vor Kurzem wurden wir von einem Briten kontaktiert, der seit Jahren unter starker Migräne leidet und verzweifelt nach einer Möglichkeit suchte, um seine Schmerzen zu lindern – er wollte an einer unserer Medikamentenstudien teilnehmen“, erzählt Antje Schröder, Leiterin in der Studienzentrale der Ruppiner Kliniken. Ihre Abteilung kümmert sich ausschließlich um die Durchführung von Studien – die sich in erster Linie um Medikamente, etwa um Dosisanpassungen oder Medizinprodukte drehen.

Seit 2011 gibt es die Studienzentrale als eigenständige Abteilung in Neuruppin. „Natürlich wurden an den Kliniken auch schon vorher Studien durchgeführt“, sagt Antje Schröder. Man arbeite mit allen Abteilungen zusammen – Studien werden sowohl in der Neurologie als auch in der Röntgenabteilung, dem Brustkrebszentrum, der Kardiologie oder der Allgemeinen Chirurgie durchgeführt.

Antje Schröder leitet die Studenzentrale der Ruppiner Kliniken in Neuruppin. Quelle: Regine Buddeke

„Wir suchen ständig nach neuen Wegen in der Medizin. Aber die Wirksamkeit muss natürlich bewiesen werden – das untersuchen wir in klinischen Studien“, so Angelika Krajewski, Mitarbeiterin der Studienzentrale. Überall gebe es Neuerungen, die, bevor sie von der Arzneimittelbehörde zugelassen werden, umfassend erprobt werden müssen: zuerst am gesunden Probanden, in den späteren Phasen der Studie an Patienten, denen die Mittel Linderung oder Heilung verschaffen könnten. Dabei werde äußerst behutsam vorgegangen. „Es gibt eine engmaschige Überwachung und Dokumentation“, erklärt Angelika Krajewski. Zum Teil auch noch nach der erfolgten Behandlungsphase. Alles werde genau beobachtet: Wirksamkeit, Verträglichkeit, eventuelle Nebenwirkungen. „Die Teilnahme an der Studie kann jederzeit ohne Angabe von Gründen beendet werden, “, sagt Angelika Krajewski. Patientensicherheit sei oberstes Gebot. Natürlich sei die Teilnahme generell freiwillig.

Chefärzte stoßen auf für Studien prädestinierte Patienten

Oft sind es die Chefärzte, die in ihren Abteilungen auf Patienten stoßen, die aufgrund ihres Krankheitsbildes für die Teilnahme an einer Studie prädestiniert sind. „Die werden dann angesprochen.“ Nachdem der Patient im Rahmen eines Aufklärungsgespräches umfassend über die Studie aufgeklärt wurde, alle Fragen beantwortet sind, unterschreiben der Patient und der aufklärende Arzt eine Einverständniserklärung. „Natürlich werden alle Daten anonym erfasst“, versichert Angelika Krajewski.

Gesucht: Patient mit Narbenbruch

Derzeit laufen in der Studienzentrale der Ruppiner Kliniken 36 Studien.

Aktuell werden Studienteilnehmer gesucht – zum Thema: Ist eine Operation bei Narbenbruch notwendig?

Wer einen Narbenbruch hat, der keine oder geringe Schmerzen verursacht und volljährig ist,

kann jetzt an einer klinischen Studie der Ruppiner Kliniken teilnehmen.

Bei einer Narbenhernie, auch Narbenbruch genannt, handelt es sich um einen Eingeweidebruch der Bauchdecke – im Bereich von Operationsnarben – eine Spätkomplikation, die etwa bei 20 Prozent der bauchoperierten Patienten auftritt. Pro Jahr werden in Deutschland an 50 000 Patienten Narbenhernien operiert.

Die deutschlandweite Aware-Studie möchte herausfinden, ob eine Operation bei Narbenbrüchen, die nur wenige Beschwerden verursachen, notwendig ist oder ob eine ärztliche Beobachtung ausreicht.

Ausführliche Informationen zur Studie gibt es unter www.aware-trial.de. Wer sich für eine Teilnahme an der Studie interessiert, kann sich an den Studienassistenten, Thomas Giese wenden: t.giese@ruppiner-kliniken.de;  03391/39 20 16.

Warum Menschen an solch einer Studie teilnehmen, für die man keine Aufwandsentschädigung erhalte, sei einfach erklärt: Patienten erhoffen sich einerseits eine Linderung ihrer oft langjährigen Leiden, eine Verbesserung ihrer Lebensqualität oder – etwa bei Krebsleiden – eine Verlängerung ihrer Lebenszeit. „Für die Patienten ist die umfangreiche Betreuung, Beobachtung und Nachbetreuung durchaus ein Vorteil.“ Andere machen aus moralischen Gründen mit – etwa nach Verlust eines Angehörigen an einer Krankheit – um anderen Menschen dieses Schicksal zu ersparen. „Sie dienen damit der Wissenschaft und helfen zukünftigen Patienten“, sagt Angelika Krajewski.

Komplizierter Prozess bis zur Testphase

Bevor eine Studie in die Testphase geht, ist es ein komplizierter Prozess. Im Regelfall wenden sich die Sponsoren, also die Auftraggeber der Studie – zumeist Pharmafirmen oder Medizinproduktehersteller, aber auch Universitäten oder Kliniken – an die Krankenhäuser, Arztpraxen oder Zentren, um so Probanden oder Patienten für die Teilnahme an einer Studie zu gewinnen. Je nach geforderter Fallzahl, die für eine Studie nötig ist, sind manchmal auch viele Krankenhäuser und Zentren beteiligt – zum Teil laufen Studien auch international. In dieser Phase ist das Medikament oder medizinische Produkt bereits durch alle möglichen Verträglichkeits- und Funktionstests gelaufen, bevor es Menschen verabreicht wird.

Die Studie muss zuallererst umfangreich beantragt werden. Dann wird darüber in der Ethik-Kommission des Bundeslandes des Auftraggebers beraten, bevor die teilnehmenden Zentren akquiriert werden. Auch dort muss der Antrag noch eine weitere Ethik-Kommission passieren, bevor Probanden und Patienten rekrutiert werden dürfen. „Bei uns ist das die Ethik-Kommission der Landesärztekammer Brandenburg“, so Schröder.

Ärzte müssen Qualifikationen nachweisen

Alle behandelnden Ärzte müssen Zertifikate vorlegen, dass sie die notwendigen Qualifikationen zur Durchführung einer Studie besitzen. „Erst wenn alle Unterlagen beisammen sind, beginnen wir mit der Rekrutierung“, erklärt Antje Schröder. Gerade laufe sehr erfolgreich eine Studie für COPD-Patienten – eine chronisch obstruktive Lungenerkrankung. Die Patienten seien sehr dankbar, wenn sie durch die Implantierung von Coils wieder besser atmen können.

In der Studienzentrale arbeiten derzeit fünf Mitarbeiter. Eine sogenannte Study-Nurse betreut die Teilnehmer, verabreicht die Medikation oder Infusionen. Angelika Krajewski und Antje Schröder kümmern sich um die Erfassung aller studienbezogenen Daten, die in einer vom Auftraggeber bereitgestellten Datenbank gesammelt werden, bis die Studie zu einem – im besten Fall erfolgreichen – Abschluss gekommen ist.

Von Regine Buddeke

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