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Klischees, wie sie im Drehbuch stehen

Krangen Klischees, wie sie im Drehbuch stehen

Gut hundert entspannte Besucher genossen in der Kirche von Krangen das Ende der Sommerkinoreihe mit russischer Musik, Pelmeni und mehr. der Förderverein hatte sich alle Mühe gegeben, den Abend zu einem Erlebnis werden zu lassen – zu einem russischen Erlebnis.

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Hans-Jürgen Großpietsch nahm erstmal einen imaginären Schluck vom Wodka, bevor er sich der Violine und Tschaikowski widmete.

Quelle: Reyk Grunow

Krangen. Ohne Wodka geht gar nichts. Bevor Hans-Jürgen Großpietsch zur Geige greift, nimmt er erst einmal einen gehörigen Schluck aus der Flasche. Eigentlich stehen genügend Stühle für ein kleines Ensemble auf der Bühne. Aber irgendwie scheinen es die anderen Musiker nicht rechtzeitig geschafft zu haben. Der Violinist zuckt die Schultern: Was soll’s? Dann spielt er eben allein Tschaikowski. Noch während er die ersten Takte anstimmt, johlt das Publikum in der kleinen Kirche von Krangen. Langsam wird das Licht gedimmt und auf der Leinwand vor dem Altar beginnt das Hauptereignis des Abends: „Das Konzert“, ein anrührender Film, vollgepackt mit Klischees über die russische Seele, russische Musik, russische Musiker und das russische Leben an sich.

„Das Konzert“ war der Abschluss der beeindruckend erfolgreichen Sommerkinoreihe, die der Förderverein der Krangener Kirche in diesem Jahr organisiert hat. Der Verein hatte sich am Mittwoch alle Mühe gegeben, alles so stilecht wir möglich herzurichten. Die Empore war mit dickem roten Samt verkleidet, Samtvorhänge formten das Kirchenportal zum Eingang eines Konzertsaal vergangener Jahrzehnte, die Säulen im Inneren der Kirche schimmerten golden. Vor dem Kino verkauften Vereinsmitglieder russische Pelmeni. Wer wollte, konnte sich Tee aus dem Samowar abfüllen oder sich vom herumgereichten Wodka bedienen, alles untermalt von Akkordeonmusik. Klischees ohne Ende – für alle, die die alte So­wjetunion kennen, gar nicht immer sehr weit entfernt von der Realität.

Vereinschef Thomas Graap führte als Konzertdirektor durch den Abend

Vereinschef Thomas Graap führte als Konzertdirektor durch den Abend.

Quelle: Reyk Grunow

Der Vereinschef Thomas Graap genoss sichtlich die Rolle des Konzertdirektors. Er begrüßte die Gäste auf deutsch, Robert Nippraschk übersetzte fließend ins Russische. Der Förderverein hatte sich mächtig ins Zeug gelegt. „Das ist schließlich unser Finale“, sagt Thomas Graap. Der Abend wurde ein großer Spaß für alle.

Seit einigen Jahren veranstaltet der Förderverein immer im Sommer Kino in der Schinkelkirche. Jedes Jahr widmet sich die kleine Reihe einem anderen Thema. Und jedes Mal scheinen es mehr Besucher zu werden. Am Mittwoch kamen gut 100. Stühle und Bänke waren besetzt, selbst die meisten der zusätzlich ausgeborgten Klappstühle.

Kino in der Kirche ist nicht ungewöhnlich. „Das machen inzwischen viele“, sagt Thomas Graap. Dem Krangener Verein geht es um mehr, als darum, einen Projektor aufzubauen und ein Video auf eine Zwei-Meter-Leinwand zu werfen; das können viele auch zu Hause haben, noch dazu bequemer. Der Krangener Förderverein bemüht sich, die Kinoabende zu einem Erlebnis zu machen. „Die Leute müssen sich wohlfühlen“, sagt Graap, dann vergessen sie auch, dass sie Stunden auf eine harten Kirchenbank sitzen.

Vor der Kirche gab es für die Kinobesucher selbstgemachte Pelmeni, russische Teigtaschen, und Tee aus dem Samowar

Vor der Kirche gab es für die Kinobesucher selbstgemachte Pelmeni, russische Teigtaschen, und Tee aus dem Samowar.

Quelle: Reyk Grunow

Fast tausend Euro hat der Abend an Spenden eingebracht. Das Geld kann der Verein gut gebrauchen. Die größten Sanierungsarbeiten, um die Kirche für Veranstaltungen nutzen zu können, sind geschafft. Es gibt Toiletten und auch eine Heizung. Fußboden, Elektrik und Bänke sind saniert. Ein paar Restarbeiten sind aber noch offen: Stahlbehälter sollen her, die das Kondenswasser von den Fenstern auffangen, damit es nicht immer an den Wänden herunterläuft, dazu neue Farbe für Säulen und Bänke.

Darum muss sich der Verein künftig ohne Thomas Graap kümmern. Er zieht mit seiner Frau in wenigen Wochen nach Brandenburg (Havel). Pfarrerin Susanne Graap wird dort ab 1. Oktober Predigerin am Dom. Einige Veranstaltungen werden die beiden in Krangen noch begleiten. Der Abschluss ist das Konzert in der Silvesternacht.

Von Reyk Grunow

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