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Ostprignitz-Ruppin Klosterkirchen-Pietá verreist nach Potsdam
Lokales Ostprignitz-Ruppin Klosterkirchen-Pietá verreist nach Potsdam
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00:17 05.09.2016
Das steinerne Vesperbild in der Wandnische der Kirche. Quelle: Peter Geisler
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Neuruppin

Die Pietá aus der Neuruppiner Klosterkirche geht auf Reisen. Das Vesperbild aus Stein, das Maria mit dem Leichnam ihres Sohnes zeigt und in einer Wandnische rechts vom Altar steht, ist ab der kommenden Woche Bestandteil einer Sonderausstellung in der Landeshauptstadt Potsdam.

Die Ausstellung des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Kooperation mit dem Domstift Brandenburg ist Karl IV. gewidmet. Anlass ist der 700. Geburtstag des römisch-deutschen Kaisers. Er war für Brandenburg, das er mit seinen Söhnen von 1373 bis 1378 regierte, von entscheidender Bedeutung. Der kunstsinnige Herrscher lockte Künstler aus ganz Europa nicht nur nach Prag, sondern auch in die Mark Brandenburg. In der Potsdamer Ausstellung sollen diese spannenden Zusammenhänge nun erstmals aufgezeigt werden. 70 ausgewählte Meisterwerke der Architektur, Plastik und Malerei jener Zeit werden in Potsdam zu sehen sein. Viele von ihnen wurden zuvor restauriert und können nun erstmals wieder der Öffentlichkeit präsentiert werden.

Bereits seit dem frühen 14. Jahrhundert war die Darstellung der Maria mit schmerzverzerrtem Gesicht und dem Leichnam ihres Sohnes auf dem Schoß ein weit verbreitetes Motiv der christlichen Kunst. Dieses als Vesperbild oder Pietá bezeichnete Kunstwerk ist in Friedhofskapellen, als Altarbild oder in Kreuzgängen zu finden. Oftmals wurden sie aus Holz geschnitzt und in Prozessionen mitgeführt.

Die bekannteste Pietá stammt von Michelangelo

Die Pietá zählt zu den bekanntesten ikonographischen Darstellungen des Mittelalters. Die Bezeichnung Vesperbild beruht auf der Vorstellung, dass Maria den Leichnam ihres Sohnes etwa zur Zeit des Abendgebets am Karfreitag – der liturgischen Vesper – entgegen nahm. Zu den bekanntesten Darstellungen dieses Sujets zählt Michelangelos römische Pietá.

Die Pietá aus der Neuruppiner St. Trinitatis-Kirche wurde im 14. Jahrhundert geschaffen. Sie ähnelt in vielen Details der „Schönen Pietá“ aus dem Magdeburger Dom, die aus einer Prager Werkstatt stammt. Sie ist an verschiedenen Orten in unterschiedlichen Materialien kopiert worden. Neben der steinernen Neuruppiner Pietá befindet sich im Stendaler Altmärkischen Museum eine Skulptur aus Eiche und im Brandenburger Dom eine aus weichem Laubholz. Bei diesen Kopien handelt es sich allerdings nicht um exakte Nachbildungen. Mitunter sind die Proportionen verändert und auch die Köpfe sind entsprechend der jeweiligen künstlerischen Handschrift abgewandelt. Entscheidende Details wie der Faltenwurf stimmen aber bis auf entscheidende Details überein. So wird deutlich, wie vielfältig die Wirkung der böhmischen Kunst in der Mark schon zu Lebzeiten Karls IV. und kurz darauf gewesen ist.

Die Neuruppiner Pietá wurde im 14. Jahrhundert geschaffen

Zu den bedeutenden sakralen Kunstwerken aus jener Zeit in der Neuruppiner Klosterkirche gehören auch das Standbild eines Dominikaners sowie vier Sandsteinreliefs, die ebenfalls im 14. Jahrhundert geschaffen wurden. Dass die Klosterkirche mit derartigen Kunstwerken ausgestattet wurde, ist sicher darauf zurückzuführen, dass im Neuruppiner Dominikanerkloster die Grablege des Ruppiner Zweiges der Grafen von Arnstein errichtet wurde und der Gründer dort seinen religiös-kultischen Mittelpunkt für die eigene Herrschaft schuf.

Bereits vor einem Jahr erhielt die Evangelische Kirchengemeinde die Anfrage aus Potsdam, ob sie die steinerne Pietá als Leihgabe für die Ausstellung zur Verfügung stellen würde. Auf ihren Wert geschätzt und gut versichert, wird sie am Dienstag von einer Spezialfirma abgeholt. „Am vergangenen Sonntag haben wir im Gottesdienst die Gemeinde darüber informiert, damit sich niemand über die leere Nische wundert“, sagt Anne Nippraschk vom Ortskirchenrat. „Natürlich werden wir unsere Pietá auch besuchen.“

Hinweis: Die Ausstellung „Karl IV. - Ein Kaiser in Brandenburg“ ist vom 16. September dieses Jahres bis zum 15. Januar 2017 im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Am Neuen Markt 9, zu sehen.

Von Cornelia Felsch

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