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Ostprignitz-Ruppin Komponist Lothar Voigtländer in Rheinsberg
Lokales Ostprignitz-Ruppin Komponist Lothar Voigtländer in Rheinsberg
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15:08 14.03.2016
Ulrike Liedtke ist eine der Autorinnen des Buches über das Werk Lothar Voigtländers (r.). Quelle: Regine Buddeke
Rheinsberg

An Lothar Voigtländer kommt man, wenn es um Neue Musik geht, nicht vorbei. Nahezu 500 Werke schuf er – und bewegte sich dabei schwerelos zwischen allen Genres. Ob Chor- oder E-Musik, Orgel oder Schlagwerk, Kinderchöre, Kammermusik oder gar szenische Performances: sein Wer ist äußerst breitgefächert. Zehn Musikwissenschaftler haben sich des reichen Schaffens des 72-Jährigen angenommen und einzelne Teile beleuchtet. Zu den Autoren gehört auch die Musikwissenschaftlerin und SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke, die noch vor Kurzem die künstlerische Leitung der Musikakademie Rheinsberg innehatte. In ihrer Zeit wurden in Rheinsberg auch Werke Voigtländers aufgeführt: etwa die Premiere seiner Kammeroper „Visages“ im Jahr 2004. Oder schon 1997 das Multimediale Konzert „Voici“, bei dem die Zuhörer im Schlosspark wandeln konnten, während eine Sopranistin am Schloss sang, ein Kontrabassist auf einem Ponton am Ufer vorbeischwamm, das Schlagwerk am Seeufer sein Teil dazugab und Oliver Nehring zeitgleich dazu ein riesiges Feuerwerk zündete. Liedtke ist es auch zu danken, dass das Buch „Ein Prisma ostdeutscher Musik“ über den Komponisten auch in Rheinsberg präsentiert wurde. Am Sonntagnachmittag fanden sich gut 20 Interessierte und Fachpublikum im „Tanz und Art“ in der Rheinsberger Seestraße ein, um sich in das umfangreiche Werk einführen zu lassen. Zu Gast war auch der namhafte Oboist Burkhard Glaetzner – sehr zur Freude sowohl von Ulrike Liedtke als auch des Komponisten selbst.

Statt Biografie gab es viele Hörbeispiele quer durch Voigtländers Schaffen

Voigtländer dankt Ulrike Liedtke für den Versuch, „viele Seiten meines Oevres zu beleuchten.“ Dazu hat die Expertin, die in ihrem Kapitel über Voigtländer dessen szenisches Werk durchleuchtet hat, etliche Videosequenzen und Tonmitschnitte zusammengetragen. Etwa das Eingangs-Stück: eine Komposition für Schlagwerk und Tänzerin. Im weißen Kleid scheint da ein Engel mit venezianischer Maske über die Leinwand zu schweben, wären da nicht die schwarzen Flügel anstelle der Ohren. Und wäre da nicht die martialische Axt, die das Himmelswesen schwenkt. Zu bedrohlichen Percussionklängen befreit sich das Wesen von seinen Flügeln. „Mich hats bedrückt“, gesteht Liedtke und lobt die pralle Fülle der möglichen Deutungen und Emotionen, die das Werk freilegt: Macht und Gewalt, Engel oder gefallene Engel. Zustimmendes Gemurmel aus den Zuhörerreihen.

„Sie sollen nicht genau wissen, wo der Klang eigentlich herkommt“, erklärt Voigtländer seine Methode, die echte Instrumentierung mit elektronisch nachgestellten Klängen zu verweben.

Voigtländer erhielt seine prägende musikalische Ausbildung 1954 bis ’62 als Sängerknabe des Dresdner Kreuzchores. „Ich bin mit Bach und Schütz aufgewachsen“, sagt er lächelnd. Später habe er dann aber auch die „Butterfly“ und die „Fledermaus“ dirigiert – die „Verführung von Klang und Bühne“habe ihn seitdem gereizt. „Im Oratorium hören Sie genau, dass ich meinen Bach kenne", sagt er schmunzelnd und setzt nach: „Ich könnte mir mein Schaffen ohne Bach und Schütz nicht vorstellen.“ Allerdings auch nicht ohne die Abnabelung von den großen Meistern. Er wolle keine Surrogate der Altmeister schaffen, sondern sich ästhetisch freischwimmen. Besagtes Oratorium – die Hörprobe sprengt bei 200 Sängern fast die kleinen Lautsprecher im Raum – hat er in Dresden uraufgeführt, wo Voigtländer sieben Jahre als Professor für Komposition an der Musikhochschule wirkte. Am Oratorium wirkten sämtliche Hochschulchöre, die Singakademie, das Hochschul-Orchester sowie diverse Solisten, die aus Dresden stammten, teil. „Eine opulente Aufführung“, sagt er.

„Wir wollen Sie hier nicht mit Biografie langweilen, sondern einen Einblick ins Werk geben“, sagt Ulrike Liedtke und fährt fort in ihrer Video-Show. „Neue Musik funktioniert nur mit außergewöhnlichen Interpreten“, gibt Lothar Voigtländer zu bedenken, der auch für „Paganina“ Susanne Zapf geschrieben hat.

„Wie viele Werke – 470?“, fragt Liedtke ihren Gast. „Ich zähle weiter – alles was ich im Keller noch finde“, kontert Voigtländer.

Von Regine Buddeke

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