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Kompromiss zur Bodenreform-Stele

Kyritz Kompromiss zur Bodenreform-Stele

Die Kyritzer Stadtverordneten einigten sich bei ihrer jüngsten Sitzung auf die Gestaltung einer Erinnerungsstele in der Maxim-Gorki-Straße 38. Vor allem soll sie auf die Geschichte des einst dort stehenden Hauses eingehen. Dass dort die Bodenreform von 1945 verkündet worden war, findet nur kurz Erwähnung. Nicht alle sind damit zufrieden.

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So oder so ähnlich hätte die Stele in der Gorki-Straße ursprünglich einmal aussehen sollen.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Fast zwei Jahre nach der ersten Idee, vor dem ehemaligen Kyritzer Gasthaus „Zum Prignitzer“ in der Maxim-Gorki-Straße auf die Geschichte der Bodenreform hinzuweisen, endete das Ganze bei der jüngsten Sitzung der Stadtverordneten mit einem knappen Kompromiss.

Im Juli 2015 hatten die Stadtverordneten beschlossen, vor dem heutigen Drogeriemarkt auf die Geschichte des Vorgängerbaus hinzuweisen. Anlass war damals der bevorstehende 70. Jahrestag der Bodenreform im Osten Deutschlands. Die Pläne dazu waren am 2. September 1945 im Kinosaal des Kyritzer Gasthauses verkündet worden.

Am Text schieden sich die Gemüter

Als nahezu unüberwindbare Hürde erwies sich aber die Formulierung des Textes, der an die historischen Ereignisse erinnern sollte. Der Entwurf eines eigens zum Jubiläum engagierten Historikers fiel ebenso durch wie der der damaligen Vorsitzenden des Heimatvereins Dorte Schmeißner. Auch nachdem das Jubiläum schon verstrichen war, kam die extra einberufene Arbeitsgruppe mit Stadtverordneten und Mitgliedern des Vereins zu keinem Konsens. Zu unterschiedlich werden die Hintergründe und Folgen der geschichtlichen Ereignisse bewertet. Die einen halten sie für angesichts der damaligen Umstände unvermeidbar und weitgehend gerecht, die anderen sprechen von gewalttätiger Willkür und Rechtsbruch.

Der Kompromiss bestand schließlich darin, auf der Informationstafel vor dem Haus vor allem dessen wechselhafte Geschichte zu beleuchten und dabei nur kurz auf die Verkündung der Bodenreform Bezug zu nehmen.

Dieter Groß (Die Linke) gehörte zu denen, die sich diesem Vorschlag nicht anschließen mochten: „Das hat mit dem, was die Stadtverordneten 2015 wollten, nichts mehr zu tun.“ Zu einer inhaltlichen Diskussion sei es gar nicht gekommen. Und: „Macht solch eine Stele überhaupt noch Sinn?“

Das fragte sich auch Adrian Krüger (Die Linke): Er finde es müßig, auf einer Stele über ein Haus zu informieren, dass es gar nicht mehr gibt. „Wir haben uns irgendwo vergaloppiert.“

Erwähnung soll Lust machen auf mehr

Thomas Settgast (SPD) sah das anders: Die Bodenreform nehme auf dem aktuellen Entwurf der Stele einen optisch durchaus prominenten Platz ein. Die komplette Geschichte mit all ihren Facetten und Widersprüchen lasse sich an dieser Stelle aber nicht wiedergeben. Dem schlossen sich Peter Bittermann (SPD), Andreas Lange (Kyritz Land) und Franz Josef Conraths (Grüne) an. Die Bewertung der historischen Ereignisse sei nun einmal widersprüchlich. Dafür biete die Stele nicht genügend Platz.

„Wir kommen aus verschiedenen Gründen nicht an das Ziel, das wir mal formuliert haben“, fasste Bürgermeisterin Nora Görke (parteilos) zusammen. Trotzdem biete sich der Ort an, um an das Ereignis an sich zu erinnern. „Das weiß sonst irgendwann keiner mehr, dass das hier stattgefunden hat.“ Und so ein Hinweis könne durchaus auch Lust auf mehr machen, befand Thomas Settgast und verwies auf das künftige Museum für Stadtgeschichte.

Dieter Groß blieb bei seinem Urteil. „Wenn das bei dieser Variante bleibt, haben wir eine sehr peinliche Situation.“ Schließlich sei für das Projekt schon viel Geld ausgegeben worden.

Am Ende stimmten elf Stadtverordnete für die Stele mit nur kurzem Verweis auf die Bodenreform und sechs dagegen. Zwei enthielten sich der Stimme.

Von Alexander Beckmann

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