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Konfirmanden besuchen Bestattungshaus

Wittstock Konfirmanden besuchen Bestattungshaus

Konfirmanden der 8. Klasse aus Wittstock setzen sich derzeit mit den Themen Sterben und Tod auseinander. Dabei gehen sie auch der Frage nach, wie ein Leben nach dem Tod aussieht. Beim Besuch im Bestattungshaus berichtete Tilo Brüsehafer aus seinem Alltag. Eine Beisetzung besteht nicht allein aus der Urne oder dem Sarg.

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Die Jugendlichen erfuhren, wie die Asche in eine Urne gelangt.

Quelle: Christamaria Ruch

Wittstock. Wie sieht das Leben nach dem Tod aus? Wie wünschen sich Jugendliche solch ein Leben? Mit diesen und weiteren Fragen setzen sich derzeit zwölf Jugendliche der 8. Klasse und Pfarrer Nikolai Jünger im Rahmen des Konfirmandenunterrichts in Wittstock auseinander.

„Seit Oktober beschäftigen wir uns damit und die Konfirmanden haben auch so genannte Jenseitskisten gebaut“, so Nikolai Jünger. Jeder konnte dabei seine Vorstellungen von der Zeit nach dem Tod gestalten. „Viel Glitzer und Watte sind dabei in den Kartons zu finden“, so Jünger.

Angst vor diesem Thema nehmen

Nun folgte ein Besuch im Bestattungshaus Brüsehafer in Wittstock. „Sterben und Tod bewegen uns alle“, so Jünger. Erstmals erzählte Tilo Brüsehafer Jugendlichen aus seinem Berufsalltag. „Dieses Thema berührt auch diese Altersgruppe“, so der Bestatter. „Ich möchte die Angst vor diesem Thema nehmen, denn das Sterben gehört zum Leben. Ich bin froh, wenn ich Menschen in einer Trauersituation helfen kann“, sagte Tilo Brüsehafer.

Vor dem Bestattungshaus stand eine Limousine bereit, mit der die Verstorbenen abgeholt werden. Charlotte, Franziska, Julie, Justina, Domenik, Jonas, Leo und die anderen Konfirmanden schauten dann in den geöffneten Kofferraum. „Hier steht ein Transportsarg, mit dem die Verstorbenen abgeholt werden“, sagte er. Dieser Sarg aus Plastik in Holzoptik wird aus hygienischen Gründen verwendet und nach jeder Fahrt desinfiziert. An Bord der Limousine sind auch so genannte Leichensäcke, die bei Unfallopfern zum Einsatz kommen.

Ganz praktische Fragen der Schüler

„Ein Sarg ist immer etwas Besonderes und muss zu jedem Verstorbenen passen“, lautet Brüsehafers Anspruch. Dabei zeigte er im Ausstellungsraum einige Modelle. „Es gibt in Deutschland eine Sargpflicht“, sagte der 47-Jährige. Auch wenn ein Toter eingeäschert und in einer Urne bestattet wird, wird er im Sarg verbrannt. „Kann man sich einen Sarg auch selber bauen?“, fragte Nikolai Jünger und dachte dabei an einen Konfirmanden, der sich viel mit Holz beschäftigt. „Nein, es gibt nur zertifizierte Särge“, sagte Tilo Brüsehafer. Charlotte wollte wissen, ob jeder Sarg auf die Körpergröße angepasst wird. Särge gibt es in Standard- oder Übergrößen, so Brüsehafer. Justina wusste, dass Bestattungen auch im Wald möglich sind.

Mehr als 3000 verschiedene Urnen stehen zur Auswahl. „Meine Lieblingsurne ist der Birkenstamm“, so Brüsehafer. Dann öffnete Trauerberaterin Monika Pehlgrim diese Urne und Brüsehafer klärte auf, wie die Asche dort platziert wird. Justina schätzte das Gewicht der Asche auf „weniger als 500 Gramm.“ Tatsächlich wiegt diese gut 2,5 Kilogramm. Gab es um 1990 nur zwei Prozent Urnenbestattungen, liegt diese Bestattungsform heute klar vorn. Bundesweit werden 64 Prozent der Verstorbenen als Urne bestattet. Neben den herkömmlichen Särgen sind mittlerweile auch Modelle mit Fotodekoren zu finden. Kerzen, Blumen oder Landschaften stehen als Motive zur Auswahl. Sargbeilagen in Form von Briefen, Fotos bis hin zu Reiterstiefeln oder Kuscheltieren sind ebenfalls heutzutage möglich.

Zehn Prozent aller Bestattungen am offenen Sarg

„Alles, was wir bisher gehört haben, gehört zu den Abschiedsritualen“, fasste Pfarrer Nikolai Jünger zusammen. Und: „Welche Erfahrungen haben Sie, einen Verstorbenen das letzte Mal zu sehen?“ Tilo Brüsehafer beobachtet, dass Angehörige dabei ihren Frieden finden können. „Bei zehn Prozent aller Bestattungen nehmen Familien am offenen Sarg Abschied“, sagte er. Tilo Brüsehafer erklärte dann, wie ein Sarg von innen ausgestattet ist und öffnete den Deckel eines Modells.

Der Besuch endete gemeinsam an einer Kaffeetafel. Monika Pehlgrim hatte die Tische mit Geschirr und Schmuck so gedeckt, wie es nach der Bestattung üblich ist. Auch der typische Blechkuchen stand bereit. „Wir möchten zeigen, dass sich dort die Angehörigen und Trauergemeinde bei Gesprächen an den Verstorbenen erinnern“, so Pehlgrim. „Für die Konfirmanden war das ein interessanter und spannender Nachmittag“, sagte Nikolai Jünger.

Von Christamaria Ruch

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