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Ostprignitz-Ruppin Konzert mit Historieninstrument
Lokales Ostprignitz-Ruppin Konzert mit Historieninstrument
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00:17 19.07.2017
Der Spiegelsaal funkelt so wie die Stimmen der Sänger: Bastian Levacher, Ethel Merhaut, Christoph Pfaller und Nadia Steinhardt (v. r.). Quelle: Regine Buddeke
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Rheinsberg

Cembalo, Clavichord, Spinett: es gibt viele historische Instrumente, bei denen Saiten über Tasten zum Klingen gebracht werden – gehämmert oder gezupft. Heutige Instrumente werden schlicht als Klavier, Pianoforte oder Flügel bezeichnet. Dabei haben sie alle ihre besonderen Eigenarten. Ein eher seltenes Instrument ist der Tangentenflügel: eine Zwischenform. „Es vereint die Vorzüge des obertonreichen Cembalos mit der Modulationsfähigkeit des Hammerklaviers. Davon wurden nicht sehr viele gebaut“, erklärt der Pianist Olav Kröger den rund 60 Zuhörern, die am Freitagabend in den Spiegelsaal des Rheinsberger Schlosses gekommen sind, um dem historischen Instrument zu lauschen. Und nicht nur jenem, sondern auch den vier ausgewählten Sängern, die den Abend zu einem ganz besonderen Ereignis machen.

„Geister und Naturgestalten“ – so ist das Konzert überschrieben. Und in der Tat sind die Lieder sorgsam ausgewählt: passend zum Instrument – Tangentenflügel wurden gegen Ende des 18. Jahrhunderts gebaut und waren beliebtes Instrument für die Empfindsamkeit der Sturm-und Drang-Zeit bis hin zur Frühromantik – wurden Lieder gesungen, die sich um Nacht und Nachtigallen, um Erlkönig und Elfenkönigin drehen. Die Bandbreite geht von schaurig-düster, süß-melancholisch bis gruselig-skurril. Texte von Goethe, Storm und Mörike. Aber auch Morgenstern und Weinert werden von Musik von Grieg, Berg, Bartholdy, Schumann und Schubert unterlegt. Auch OlavKröger hat einige der ausgewählten Texte vertont, die von Ethel Merhaut, Nadia Steinhardt, Christoph Pfaller und Bastian Levacher mit viel emotionaler Tiefe und geschmeidiger Stimme mal prickelnde Gänsehaut verursachen, mal tief ins Herz gehen. Carolin Masur oblag die Gesamtleitung des Konzertes.

Der Spiegelsaal mit seinen goldenen Ornamenten, den glänzenden Spiegeln, in denen sich facettenreich das Licht der Kronleuchterkristalle bricht, ist per se schon ein Juwel eines Konzert-Ortes. Dazu kam, dass in den Fenstern rot die Sonne unterging. Mehr Romantik geht kaum. Das virtuose Spiel Krögers und der beeindruckende Vortrag der Sänger machte die prächtige Kulisse dann vollends zu einem Kleinod. Es beginnt mit einem Elfenlied, gefolgt von deren Königin. Der Erlkönig – in einer seltenen Vertonung – lässt das Blut gefrieren, dann wird es düster: „Lichte Nacht“, „Die Nacht“, „Um Mitternacht“, „In der Nacht“, „Nachtgesang“. Kaum glaubt man, dass so viel Düsternis noch getoppt werden kann. Indes: „Der Wanderer“ sei eines der deprimierendsten Lieder Schuberts, verrät Kröger und lässt Schwermut aus den Tasten strömen, bevor er mit Morgensterns Flügelflagel-gausterndem „Gruselett“ die Stimmung wieder ins komische wendet. Dann eine ungeplante Uraufführung – das freut Frank Matthus besonders, der als künstlerischer Direktor der Kammeroper alljährlich eine solche bringen will. „Leonore“ ist eine dramatische Ballade Gottfried August Bürgers, in der die Titelheldin statt auf ihren Wilhelm auf den kostümierten Tod hereinfällt und ihm stracks ins Grab folgt. Die Musik von Johann Rudolf Zumsteeg – Olav Kröger hat die Originalnoten aus dem Jahre 1795 ergattert und ausgestellt – ist ursprünglich für nur einen Sänger oder eine Sängerin konzipiert. Eine Mammutaufgabe – dauert das Stück doch eine halbe Stunde. „Es ist unvorstellbar, wie das damals funktioniert hat“, staunt Olav Kröger, der die originalen Noten in vier Auszügen den Sängern zur Verfügung gestellt hat. Erstmals ist die „Leonore“ also mit verteilten Rollen zu hören: ein Kleinod deutschsprachiger Sangeskunst. Olav Kröger läuft einmal mehr zur Hochform auf – so brillant gedrechselt, zierlich-ziseliert sind die Passagen. Der historische Klang des Instruments setzt noch eins drauf. Das Publikum ist angetan und spendet jubelnden Applaus für jeden der Akteure. Vor allem Olav Kröger, dem stillen Star des Abends, der fast im Hintergrund agierte, jedoch die meiste „Arbeit“ hatte. Am Ende scharten sich etliche Besucher um das Instrument und stellten Fragen über Fragen.

Von Regine Buddeke

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