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Kornspeicher Neumühle wagt den Jazz

Junge Klänge: das studentische Duo Sophia und Olga Kornspeicher Neumühle wagt den Jazz

Sonntags ist wenig los? Kornspeicher-Betreiber und Konzert-Organisator Manfred Neumann hat beschlossen, das zu ändern. Für die Premiere seiner geplanten Sonntagskonzertreihe hat er sich ein junges Jazz-Duo von der Leipziger Musikhochschule eingeladen. Sophia und Olga verzauberten die 100 Gäste mit einem Programm der besonderen Art.

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Olga Reznichenko (l.) und Sophia Bicking.

Quelle: Regine Buddeke

Alt Ruppin. „Wir wollten das einfach mal probieren“, sagt Manfred Neumann. Im Januar habe der Terminkalender so leer ausgesehen – also habe er sich entschlossen, die Lücke mit einem Sonntagnachmittagskonzert zu füllen. „Wir dachten an Kleinkunst – das hat aber nichts mit der Qualität zu tun“, verspricht der Inhaber des Kornspeichers in Neumühle den immerhin 100 Gästen. Das Duo Sophia und Olga sei ihm empfohlen worden; Entgegen seiner sonstigen Praxis, die Bands schon live erlebt zu haben, habe er sich in diesem Fall auf das verlassen, was er im Internet von den beiden Musikstudentinnen gehört habe. „Ihr kriegt wie immer was Gutes geboten“, so Neumann.

„Es ist hier sehr schön. Und voll“, sagt Sängerin Sophia Bicking, bevor sie mit „I mean you“ von Thelonious Monk eröffnet. Sofort ist klar, wo der Abend hinsteuert. Es geht um Jazz. Nicht von ungefähr, Bicking studiert im letzten Studienjahr Jazz- und Popgesang in Leipzig, ihre Kommilitonin Olga Reznichenko ebenso – nur dass sie den Jazz in den Fingern hat. Beide haben sich schon 2012 zum Duo zusammengetan. Ihr Repertoire besteht aus Jazz-Standards und bearbeiteten Popsongs. Irgendwann schrieben sie auch eigene Titel, die auf ihrer EP zu finden sind.

Der Stil zwingt den Zuhörer zum In-sich-gehen

„Ich finde einen schönen Titel, werfe den Olga hin und sage: Lass uns den mal verwurschteln“, erklärt Sophia die Art der beiden, Musik zu machen. Herauskommen ist ein ganz eigner Stil – kleine Perlen, die sich nicht auf die seichte Tour anbiedern, sondern zum In-sich-gehen zwingen. Das klingt mal klar und kühl, mal verspielt-verträumt, zart oder kraftvoll. Nichts Weichgespültes – alles wird hübsch gegen den Strich synkopiert. Dazu spielt Olga auf der fili­granen Klaviatur der Einsamkeit. Beide scheuen keine Brüche, das macht den Sound besonders: Selbst das, was sonst als Dissonanz gilt, ergibt hier Sinn, bringt Emotion ins Spiel. Etwa die Eigenkomposition, bei der Sophia die Horrorvision von Vögeln, die in Windmühlenflügel geraten, verarbeitet hat. Gesungenes Staccato illustriert den Fakt ein wenig surreal, dazwischen haucht die Windmühle ihren Sirenengesang. Jazz – Kenner wissen es – ist alles andere als einfach zu singen. Das Klavier erzählt seine eigene Version dazu.

Die Zuhörer lassen sich auf das Jazz-Experiment ein. „Ich habe ein paar Mal den Rhythmus verloren“, bekennt Anne Syrbe in der Pause. „Aber erstaunlicherweise passte am Ende alles wieder zusammen“, sagt sie. Es sei keine Musik zum nebenher hören, bestätigen andere Gäste.

Die beiden Frauen wollen groß rauskommen

Warum Jazz? Das wurde Sophia in der Pause gefragt. Sie wuchs mit Jazz auf – ihr Vater ist Musiker, so berichtet sie. Auch sei es keineswegs so, dass das Genre bei der Jugend aussterbe. In Leipzig etwa gebe es eine wachsende Jazzszene. Dass Olga und Sophia zusammenbleiben, steht schon fest. Momentan suchen sie noch nach der passenden Begleitung für ihre geplante LP. Mit der wollen sie bekannt werden, sich eine Fangemeinde aufbauen. Dass sie Englisch singt, sei dem Umstand geschuldet, dass viele der Vorlagen englische Songs seien – etwa die von Rihanna oder Massive Attack. „Außerdem lässt sich Deutsch viel schwerer singen“, sagt sie und lächelt verschmitzt. Das Experiment scheint gelungen – am Ende möchten die Gäste gern noch eine Zugabe hören.

Von Regine Buddeke

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