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Kostproben ostdeutscher Satire serviert

Wusterhausen Kostproben ostdeutscher Satire serviert

Ein Schäferstündchen zum Ablachen: Zum Tag der Bibliotheken gab es am Sonnabend in Wusterhausen ostdeutsche Satire nonstop. Der Schauspieler Alexander G. Schäfer servierte Kostproben ostdeutscher Satire wie von Renate Holland-Moritz, Lothar Kusche, Hansgeorg Stengel, John Stave und Joachim Petersdorf.

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Alexander G. Schäfer reist mit mehreren Programmen durch Deutschland.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wusterhausen. Typisches Gespräch in einem DDR-Fleischerladen: Die Kundin fragt: „Ham se Rouladen?“, die Verkäuferin macht es kurz: „Nee“. „Und Filet von Schwein?“ „Ham wa och nich“. „Und Lachsschinken?“ „Is nich da.“ Die Kundin geht. Die Verkäuferin wendet sich dem Fleischermeister zu und sinniert „Wat die sich so denkt?“. Und der antwortet anerkennend: „Aber ein gutes Gedächtnis hatte sie.“

Darüber konnte man tatsächlich in der längst vergangenen Republik lachen. Und nicht nur da. Das zeigte sich am Samstagabend im Alten Laden des Herbst’schen Hauses. Hier präsentierten der Kulturverein und die Gemeindebibliothek eine Lesung, bei der auch schon mal Tränen flossen. Als Auslöser war Alexander G. Schäfer an die Dosse gekommen. Der Schauspieler servierte Kostproben ostdeutscher Satire wie von Renate Holland-Moritz, Lothar Kusche, Hansgeorg Stengel, John Stave und Joachim Petersdorf. Das waren zum einen Witze à la Fleischertheke, zum anderen Klassiker aus dem „Eulenspiegel“, jenem Heimatblatt der kritischen Aufschreiber, das heute auf dem Zeitschriftenmarkt eher ein Nischendasein fristet, in der demokratischen Republik jedoch zur Bückware gehörte.

Für Applaus bleibt keine Zeit

Die Witze, Kalauer und Volksweisheiten prasseln pausenlos auf das Publikum der Lesestunde in Wusterhausen nieder. Für Applaus bleibt keine Zeit in diesem Stakkato des Lachmuskel-Experten, zum Schmunzeln und herzhaften Lachen reicht sie aus. Allerdings bleibt dieses Lachen ab und zu auch schon mal im Hals stecken. Das passiert immer dann nämlich, wenn es politisch wird, zum Beispiel der Mann am Tisch ganz vorn eine Frage stellt, die scheinbar auch viele Mitmenschen bewegt. „Wer ist das bloß, der sich die politischen Witze ausdenkt? Wo sitzt der denn?“ Antwort: „Wo er sitzt, wissen wir nicht, nur dass er sitzt“. Oder: „Werden politische Witze honoriert?“ „Ja, mit einem Jahr aufwärts.“

Erinnerung an seinen Vater Gerd E. Schäfer

Alexander G. Schäfer schauspielert seinen Vortrag. Je länger die Lesung dauert, desto besser kommt er in Form, vor allem, wenn er sich durch die Texte berlinert. Immer dann wenn er die Stimme anhebt und die Phonzahl steigt, erkennt der gelernte DDR-Bürger, aus welchem „Stall“ Alexander kommt. Dann erinnert er sehr an seinen Vater Gerd E. Schäfer, den 2001 verstorbenen genialen Mimen, den Maxe Baumann aus vielen Schwänken des Adlershofer Fernsehens und Kabarettisten aus der „Distel“. Ein Höhepunkt des Abends mit seinem Stammhalter sind zweifellos die Interpretationen zweier Arbeiten von Jochen Petersdorf. Bei „Absetzung eines Königs“ nimmt der den Umgang des volkseigenen Handels mit dem „geneigten Kunden“ aufs Korn. In einer Zeit der Mangelwirtschaft bot sich da journalistisch ein weites Feld.

„Picknick im Wald“ ist schlechthin köstlich. Petersdorf beschreibt hier etwas klamottig den Spleen eines Berliner Raucher-Paares, das seine Wohnung dringend renovieren muss. Via Tapete klebt der Hausherr einen Wald in den Flur mit Rehkitz neben der Tür zum Klo, Tannenspray und einer kurzfristig inszenierten Treibjagd samt Topfdeckelgedöns, die bei einer Party mit Freunden völlig aus dem Ruder läuft.

Teil der Veranstaltungen zum „Tag der Bibliotheken“

Die Lesung am Sonnabend war Teil der Veranstaltungen zum „Tag der Bibliotheken“, unterstützt vom örtlichen Kulturverein, der die Finanzierung übernommen hatte und dessen Mitglieder ebenfalls ein Picknick beisteuerten. Leider ging sie für die Zuhörer viel zu schnell zu Ende. Alexander G. Schäfer hatte da noch eine stürmische Fahrt vor sich.

Dennoch nahm er sich zuvor Zeit für persönliche Gespräche und zum Signieren eines Buches, das er über seinen Vater geschrieben hat. Dann musste er zur nächsten Lesung nach Flensburg aufbrechen. Dort brauchte es sicherlich mehr Erklärungen, wenn wie in Wusterhausen als Motto verkündet wurde: „Wir haben auch gelacht“.

Von Wolfgang Hörmann

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