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Krankheit mit Humor in den Griff bekommen

Wittstock Krankheit mit Humor in den Griff bekommen

Statt stottern lieber singen und statt wegen einer Krankheit in Depressionen zu verfallen lieber die Misere mit Humor nehmen – das waren die Botschaften des Berliner Buchautors Peter Mannsdorff während seiner Lesung in Wittstock. Mit seinen Geschichten wollte er den Zuhörern Mut machen und sie zugleich zum Nachdenken anregen – was ihm auch gelang.

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Die Geschichten von Peter Mannsdorff (l.) regten zum Schmunzeln an.

Quelle: Christian Bark

Wittstock. Was wäre eigentlich, wenn Sie beim nächsten Gang zum Bäcker Ihre Bestellung einfach singend aufgeben würden und ihnen die Verkäuferin die Antwort „gerne“ in einer Arie zurückschmettert? Dann wären Sie vermutlich in der Fantasiestadt „Krewinkel“ gelandet, die Handlungsort in der Kurzgeschichte „Die singende Stadt“aus der Feder des Berliner Autors Peter Mannsdorff ist. Denn nur dort kann sich die sonst stotternde Susanne im Gesang plötzlich einwandfrei artikulieren. Dann heißt es auf dem Arbeitsamt nicht unfreundlich: „Der Nächste.“ Sondern es wird gesungen: „Woll’n se ’nen Kaffee oder Bier, geben se den Wisch mal mir.“

Ganz viel Humor und immer eine kleine Portion Ironie war aus Mannsdorffs Geschichten herauszuhören, die er am Dienstag in der Kontakt- und Beratungsstelle der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Wittstock vortrug. Bereits zum fünften Mal war der Berliner an die Dosse gereist. „Hier ist es so schön“, schwärmte er. Mannsdorff, der selbst psychisch erkrankt war, verarbeitet seine Gedanken und Ängste in der Literatur, wie er sagte. „Eigentlich wollte ich Lehrer werden“, berichtete er seinen Zuhörern. Doch gewisse Schlüsselereignisse hätten ihn zu stark seelisch belastet.

Da Mannsdorff selbst viele Behandlungen und Therapien durchlebt hatte, gab es am Dienstag auch Geschichten über Psychosen zu hören. So erklärte der 59-jährige die „Jesus-Psychose“, in deren Phasen sich Betroffene entweder offen als Sohn Gottes ausgeben und Leute auf der Straße segnen würden oder verkappt als Messias fühlten und ihre Wahrnehmung derart beeinträchtigt sei, dass sie alles als göttliches Zeichen deuten würden. „Spricht man zu Gott, ist das ein Gebet, hört man die Stimme Gottes, ist das häufig ein Anzeichen für eine Psychose“, zitierte Mannsdorff den Komiker Eckart von Hirschhausen.

Autor soll nächstes Jahr wieder in Wittstock lesen

Der Autor kam zudem immer wieder mit seinem Publikum ins Gespräch, sprach über eigene Erfahrungen und autobiografische Elemente in seinen Geschichten. Die Begegnung mit zwei Teenagern im Bus hatte Mannsdorff unter dem Titel „Ey Alter“ aufgeschrieben. Und so schwang auch eine gewisse Kritik an Gesellschaft und Politik mit.

„Ich glaube, mit der Machtlosigkeit gegenüber der Regierung kann man nur mit Humor fertig werden“, sagte Awo-Mitarbeiterin Kristin Köppen. Aus dem Publikum wurde hervorgehoben, dass man den Humor trotz aller Krankheiten und Rückschläge nicht verlieren dürfe.

„Genau deswegen haben wir Herrn Mannsdorff wieder eingeladen“, erklärte Awo-Mitarbeiterin Katrin Ulmer im MAZ-Gespräch. Denn nur betrübte Gesichter und tragische Geschichten hätten den Besuchern der Kontakt- und Beratungsstelle wenig Mut gemacht. Und Mut wollte der Berliner den Wittstockern machen, wie er mehrmals betonte.

Ulmer freut sich derweil auf Mannsdorffs nächsten Besuch im kommenden Jahr. „Dann findet die Lesung vielleicht vor einem größeren Publikum in einer anderen Einrichtung statt“, blickte sie in die Zukunft. Denn die Sozialpädagogin kann sich, wie sie sagte, bei der Veranstaltung eine Kooperation mit der Wittstocker Bibliothek gut vorstellen.

Von Christian Bark

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