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Kreativ, feinfühlig, oft auch weiblich

Ganzer Kreativ, feinfühlig, oft auch weiblich

Es gibt immer mehr private Fotografen in der Region. Den hauptberuflichen Meistern machen so einige mit ihrem Hobby schon das Leben schwer. Denn sie werden zunehmend etwa für Hochzeitsfotos und andere Familienerinnerungen gefragt. Auch Laura Hegermann aus Ganzer kann sich vor Aufträgen kaum retten. Trotz Nebenerwerb soll es aber auch ihr großes Hobby bleiben.

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Selbstportrait? Nein. Laura Hegermann ließ nur zu, was die meisten Fotografen stets sehr ungern mit sich machen lassen: fotografiert werden.

Quelle: Matthias Anke

Ganzer. Im Grundschulalter fängt es heute an. Auch in Seniorenwohnparks setzt sich die Technik zunehmend durch. Und mittlerweile gibt es kaum noch jemanden, der keinen Fotoapparat in seiner Tasche mit sich führt. Handys sei dank. Doch auch Spiegelreflexkameras sind immer leistungsfähiger geworden – und auch erschwinglicher. Niemals zuvor hat es so viele Hobbyfotografen gegeben. Sie tauschen sich in sozialen Netzwerken aus, Instagram und Facebook sind ganz vorne dabei. Und für so manchen Fotograf und so manche Fotografin fällt im Nebenerwerb sogar noch etwas dabei ab. „Dass das aber mal so weit kommt, damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt beispielsweise Laura Hegermann.

Tierfotografie ist besonders gefragt

Tierfotografie ist besonders gefragt. Einige haben sich darauf spezialisiert. Laura Hergermann aber will den Mensch nicht aus dem Fokus verlieren.

Quelle: Laura Hegermann

Die 20-Jährige aus dem Wusterhausener Dorf Ganzer machte ihr Abitur in Kyritz und absolviert derzeit eine Ausbildung zur Hörgeräteakustikerin in Berlin. Für ihr großes Hobby, die Fotografie von Menschen und Tieren, bleibt ihr oft nur das Wochenende. Job und Hobby aber haben eine Parallele: die Oma. „Sie hatte oft Probleme mit Hörgeräten, dann hatte ich mich darum gekümmert. Über ein Praktikum kam ich zur Ausbildung“, erzählt Laura Hegermann. Und Oma und Opa waren es auch, die zu ihren ersten Fotomodellen gehörten. „Fotos sind natürlich auch immer gute Geschenke. Ich habe schon so einige Fotobücher erstellt“, sagt die junge Ganzerin, die analoge Fotografie nur noch vom Hören kennt.

Seit einem Jahr fotografiert Laura Hegermann nur noch manuell

„Aufgewachsen bin ich mit der Digitalkamera, und als dann die Konfirmation anstand, sollte es nur noch mit der Spiegelreflex weitergehen.“ Heute ist es eine Sony Alpha 58, mit der sie fotografiert, und zwar nur noch manuell. Die Automatikeinstellung sei zur Ausnahme geworden. Und nicht nur das: Nach immer mehr Fotoaufträgen hat sie sich jetzt auch ein kleines Studio in Ganzer eingerichtet samt Stativen, Leuchten und allerhand Requisiten und sogar einen kleinen Kostümfundus zusammengestellt.

Ungewöhnliche Perspektiven machen oft ein gutes Bild aus

Ungewöhnliche Perspektiven machen oft ein gutes Bild aus. Diese Dame liegt in einer Badewanne.

Quelle: Laura Hegermann

„Heute vor einem Jahr habe ich mich getraut und habe mein Unternehmen Laura Hegermann Fotografie gegründet. In diesem Jahr habe ich viele Höhen und Tiefen erlebt und bin dennoch für jedes Shooting dankbar. Es war ein unglaubliches Jahr. Danke an alle, die mich ständig dabei unterstützen. Was würde ich nur ohne euch machen. Auf das 2. Jahr und noch viele weitere!“ Das schrieb sie erst Anfang dieses Monats auf ihrer Seite bei Facebook. Dort trifft man sich in Gruppen, gibt sich gegenseitig Hinweise, lobt und kritisiert sich. „In einer meiner Gruppen sind wir alle nur Frauen“, sagt sie. Woran das liegt, lasse sich kaum erklären. „Vielleicht sind wir Frauen einfach nur kreativer, feinfühliger, das ist bei der Fotografie ja wichtig.“

Schwarze Schafe, die Geld am Finanzamt vorbei machen

Haben sich mit den Zeiten die Zeichen geändert? Als Fotograf noch ein Beruf war, der erlernt werden musste und es auch noch Meisterausbildungen gab, waren Männer dominierend – wie eben in so vielen Berufszweigen abseits Krankenhäusern, Schreibstuben oder Kindergärten. Doch es gibt auch sie noch: die Fotografenmeister. Und die sind über die neue, junge und oft eben weibliche Konkurrenz wenig erfreut.

Sven Boddin aus Neuruppin gehört dazu: „Da wird viel über den Preis gemacht, und ich weiß nicht, wie man da gegensteuern kann“, sagt er. Dass neben ihm stehend Eltern Klassenfotos machen, mancher seine Babyfotos nur noch privat für sich macht, das störe ihn nicht. „Wenn es gewerblich wird, dann stört mich das aber“, sagt Boddin. Denn er unterstellt, dass so manches „schwarze Schaf“ dabei ist, Geld am Finanzamt vorbeifließt, wohingegen er mit seinen Geschäften so einige Auflagen zu erfüllen habe.

Und: „Es gibt auch Fälle, die nach hinten losgehen. Vor einer Weile hatte sich jemand Hochzeitsbilder machen lassen und nur den günstigen Preis gesehen. Am Ende war das so schlecht, dass wir alles nachstellen und neu fotografieren mussten.“

Dass es mitunter teurere Angebote gibt als bei den angestammten Fotografen, davon wisse Fotografenmeister Konstantin Normann aus Kyritz: „Viele Leute gucken ja nicht mal mehr. Die denken, das ist ein Fotograf mit Geschäft, der kann ja nur teuer sein.“ Was ihn aber vielmehr umtreibe, sei „die Untätigkeit der Handwerkskammer“, wie Normann behauptet: „Um Fotograf zu sein, braucht man schon lange nicht nur keinen Meister mehr, sondern gar keine Ausbildung. Auch daher machen das so viele. Und gerade deshalb müsste die Kammer unsere Rechte besser vertreten und die Steuerfahndung zu intensiveren Kontrollen mobilisieren.“

Die Bildnachbearbeitung am PC macht heutzutage vieles möglich

Die Bildnachbearbeitung am PC macht heutzutage vieles möglich.

Quelle: Laura Hegermann

Laura Hegermann aus Ganzer kann solche Bedenken nachvollziehen. Grundsätzlich aber gelte das Motto: Konkurrenz belebt das Geschäft. „Und wer sich wundert, wenn ihm die Kunden wegbleiben, der muss sich Gedanken machen, etwas einfallen lassen, eben nicht nur so fotografieren wie vor 30 Jahren schon.“

Ansonsten lege jedenfalls auch sie großen Wert drauf, dass alles mit rechten Dingen zugeht. Das müsse sie ohnehin, da sie öffentlich für sich wirbt. Und: „Ich möchte mich bei alledem aber auch nicht so sehr von der Fotografie vereinnahmen lassen, dass ich nur noch für andere durch die Linse schaue. An erster Stelle soll es immer mein Hobby bleiben“, sagt die angehende Hörgeräteakustikerin.

Von Matthias Anke

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