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Ostprignitz-Ruppin Kreativwerkstatt im Kellergeschoss
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kreativwerkstatt im Kellergeschoss
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02:15 01.05.2017
Angela Städeke (l.) vom Kyritzer Heimatverein am Freitag bei der Schlüsselübergabe an Anja Büchner vom Verein Ostprignitz-Jugend. Quelle: Matthias Anke
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Kyritz

Mehrere Fliegen wurden in Kyritz jetzt mit einer Klappe geschlagen, wie man so schön sagt. Zum einen deutet alles darauf hin, dass für die stadteigene Immobilie Schulze-Kersten-Straße 1, die sogenannte „Stasi-Villa“, endlich ein Käufer gefunden wurde. Nachdem eine Ausschreibung vor drei Jahren keine Interessenten lockte, die das Mindestgebot von 140 000 Euro machen wollten, gab es Anfang dieses Jahres einen erneuten Anlauf. Von einem Mindestgebot war keine Rede, wohl aber von einem Verkehrswert. Dieser lag laut eines Gutachtens nun nur noch bei 94 000 Euro. Wie die MAZ erfuhr, soll es jetzt etliche Interessenten gegeben haben, wohl mindestens ein gutes Dutzend.

Wer den Zuschlag bekommt, darüber befinden aber erst noch die Stadtverordneten bei ihrer nächsten Sitzung am 10. Mai – nichtöffentlich. Die Mitglieder des Hauptausschusses gaben jedenfalls schon eine Empfehlung ab, wie Jürgen Freier (CDU) als Ausschussvorsitzender bestätigte. Mehr dürfe dazu nicht gesagt werden mit Verweis auf die Nichtöffentlichkeit. Nach MAZ-Informationen handelt es sich bei dem Käufer aber wohl nicht um eine Institution, einen Verband oder dergleichen, sondern um eine Privatperson aus Kyritz, die wahrscheinlich eine Nutzung als Wohngebäude beabsichtigt.

Sinnvolle Weiternutzung des Kellergeschosses stand in Frage

Bisher jedoch wirkten in dem für Kyritz geschichtsträchtigen Gebäude verschiedene Einrichtungen unter einem Dach. Auch die Werkstatt des Vereins Ostprignitz-Jugend gehörte dazu. Diese musste nun Ende März ausziehen. Doch es gab eine glückliche Fügung bei der Suche nach neuen Räumlichkeiten, mit der sich eine weitere „potenzielle Sorge“ erledigte: Das Kellergeschoss am Marktplatz, das bislang den Heimatverein samt Ausstellung beherbergte, wurde wegen dessen Umzug in den Neubau an der Bach-Straße dieser Tage frei. Die Frage nach einer sinnvollen Weiternutzung des Kellergeschosses wäre womöglich noch eine Weile unbeantwortet geblieben. Nun aber klärte sie sich schon jetzt, indem die Werkstatt des Vereins Ostprignitz-Jugend kurzerhand dort einziehen durfte. Die das Objekt verwaltende und vermietende kommunale Wohnungsbaugesellschaft regelte zwischenzeitlich alles Notwendige.

Am Freitag konnte Angela Städeke vom Heimatverein die Schlüssel endgültig weiterreichen. „Wir haben hier reichlich Platz, für unsere Arbeit jedenfalls ist er optimal“, freute sich Anja Büchner vom Jugend-Verein anlässlich der Übergabe. Die ersten Arbeitsplätze sind schon eingerichtet. Sechs Frauen sind laut Büchner in der Werkstatt tätig, zumeist als sogenannte MAE-Kraft, entlohnt also mit einer Mehraufwandsentschädigung. Einige Frauen beendeten ihre Maßnahme erst kürzlich, eine neue Runde startet nun.

Vom Babyladen zur Heimatstube zur Werkstatt

Eine Akkordarbeit sei es derzeit noch immer, Sitzkissen für Bänke zu nähen mit Blick auf das anstehende Stadt- und Hansefest und den dabei zahlreichen Open-Air-Veranstaltungen. Auch „Hunderte Meter Wimpelketten“ sowie Fähnchen standen schon auf dem Programm. Weiterhin werde aber auch an neuen Figuren und Tafeln für den Kyritzer Märchenwald an der Seestraße gearbeitet in dieser regelrechten Kreativwerkstatt.

Das unterm Straßenniveau liegende Geschoss am Marktplatz beherbergte einst normale Keller der Wohnhäuser, die dort Ende der 1980er Jahre entstanden waren anstelle der vorherigen Fachwerkbauten. Lange Zeit war dann ein Spielwarenladen beziehungsweise Babyausstatter darin untergebracht. Zu der Zeit erhielten die Räume auch den heute noch vorhandenen seitlichen Zugang.

Im Herbst 2002 wurde dann die Heimatstube ins Leben gerufen. Kurz darauf folgte die erste Ausstellung in Zusammenarbeit mit Apotheker Guntram Peter. Seither folgten zahlreiche weitere Ausstellungen zu geschichtlichen Themen und Persönlichkeiten der Stadt Kyritz und des alten Landkreises Ostprignitz.

Verkauf der „Stasi-Villa“

Die Stadt suchte bereits vor drei Jahren nach einem Käufer für die Schulze-Kersten-Straße 1. Damals galt ein Mindestpreis von 140 000 Euro.

Mit der neuen Ausschreibung gab es kein Mindestgebot mehr. Interessenten sollten sich aber weiterhin zur beabsichtigten Nutzung äußern.

Dass der Höchstbietende nicht automatisch den Zuschlag erhalten muss, wurde festgelegt. Es hieß: „Die Entscheidung der Stadt Kyritz, ob, wann, an wen und zu welchen Konditionen verkauft wird, ist frei bleibend.“

Von Matthias Anke

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