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Kreis soll Milchbauern unterstützen

Neuruppin Kreis soll Milchbauern unterstützen

Wie viele Milchhalter in Ostprignitz-Ruppin aufgrund der Milchpreiskrise bereits aufgegeben haben, wie viele Schließungen von Tierhaltebetrieben anstehen, das ist nicht klar. Das Problem ist aber auch in der Region vorhanden – und kann nur mit Hilfe des Kreistags und der Kreisverwaltung gelöst werden, meinen Politiker und Landwirte.

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Kühe sind auch für den Landschaftserhalt wichtig.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Etwa 40 Milchbauernbetriebe in der Mark haben aufgrund der aktuellen Milchpreiskrise den Betrieb aufgegeben, sagt Sven Deter, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ostprignitz-Ruppin und Vize-Präsident des Landesbauernverbands Brandenburg. „Das bedeutet, dass hier etwa 10 000 Kühe weniger Milch geben.“ Und das ist noch nicht das Ende: 20 weitere von den etwa 400 noch bestehenden Betrieben werden voraussichtlich demnächst ihre Pforten schließen. „Damit könnten weitere 10 000 Kühe zur Disposition stehen. Das reißt schon ganz schöne Löcher bei der Versorgung“, so Deter.

Wie viel Milchbauern in der Region das Problem betrifft, kann er nicht genau sagen. Es seien aber nicht wenige. Auch der Landkreis kennt nicht die Anzahl derer, die aufgeben. „Ich habe vereinzelt Kenntnis davon“, sagt Simone Heiland, Leiterin des Landwirtschaftsamts. Denn nicht alle Schließungen werden gemeldet, und aktiv kümmert sich der Kreis nicht darum. „Erst wenn wir bei der nächsten Kontrolle vor verschlossenen Türen stehen, wissen wir Bescheid“, so Simone Heiland. „Ich gehe aber davon aus, dass noch weitere Milchbauern aufgeben werden.“

Die Preise für die Milchproduzenten ziehen zwar an. Das Problem bleibt. Zum einen deckt die Höhe des Erlöses noch lange nicht die Kosten der Tierhalter. Zum anderen sind laut der Linken-Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann die Ursachen längst nicht behoben: die „erpresserischen Strukturen“ auf dem Markt, bei denen große Konzerne den Landwirten um ihrer Gewinne Willen unwürdige Preise aufzwingen, und die Überproduktion. „Wenn ich höre, dass die Landwirte ihre Milch abliefern und erst im Nachhinein den Preis dafür mitgeteilt bekommen, dann ist das System grundverkehrt“, so Tackmann. „Ich bin seit 2005 im Bundestag und es ist die dritte schwere Milchkrise, die ich miterlebe.“ Ein Umdenken sei notwendig, auf Bundesebene – aber auch in der Region. „Ich finde, dass sich der Kreistag für das Thema brennend interessieren und einsetzen müsste.“ Schließlich bieten die Tierhaltebetriebe die meisten landwirtschaftlichen Arbeitsplätze vor Ort. Und auch die Landschaft würde verarmen, wenn die Tiere nicht mehr vorhanden sind. „Wer Grünland erhalten will, braucht nachhaltige Tierhaltung.“ Bisher sei der Kreis aber wenig an dem Thema interessiert.

Dieselbe Stoßrichtung schlägt Sven Deter ein. „Wir sind schon so ein tierarmes Gebiet.“ Wenn durch die Milchproblematik weitere Tiere verloren gehen, könnte es dramatische Auswirkungen haben. „Dann wird noch mehr Grünland in den Biogasanlagen vergoren.“ Auch die Kreisverwaltung, die derzeit den Landwirten gegenüber „strikt nach Vorschrift“ agiert, stehe dabei in der Verantwortung. „Es ist notwendig, dass der Kreis den Betriebszweig als denjenigen sieht, den er gern behalten will.“

Von Celina Aniol

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