Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Pfeifkonzert für Minister in Neuruppin
Lokales Ostprignitz-Ruppin Pfeifkonzert für Minister in Neuruppin
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:34 01.09.2015
Finger weg von OPR! Mit dieser Forderung empfingen gut 500 Menschen den Innenminister vor der Pfarrkirche.  Quelle: Peter Geisler
Anzeige
Neuruppin

Mit einem gellenden Pfeifkonzert von mehr als 500 Leuten sind am Dienstagnachmittag Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) und Finanzminister Christian Görke (Linke) vor der Neuruppiner Pfarrkirche empfangen worden. Grund: Die zwei Minister präsentierten in dem einstigen Gotteshaus, das voll besetzt war, den Entwurf für die geplante Kreisgebietsreform. Das Papier sieht die Aufteilung von Ostprignitz-Ruppin vor, damit künftig alle neuen Gebilde im Land Anschluss an den Speckgürtel haben. Der Altkreis Neuruppin würde Oberhavel zugeschlagen, die Bereiche Kyritz und Wittstock sowie die Prignitz dem Havelland.

Zwar versicherten Schröter und Görke, dass man erst am Anfang der Debatte stehe und der Landtag erst in eineinhalb bis zwei Jahren entscheiden werde, wie die neuen Kreise nach der Reform aussehen werden. Doch Unternehmer wie Ulrich Kaatzsch aus Nietwerder befürchten das Schlimmste. „Eine Spaltung von Ostprignitz-Ruppin würde den Verlust von mindestens 3000 gut bezahlten Arbeitsplätzen bedeuten.“ Kaatzsch verwies allein auf die Sparkasse Ostprignitz-Ruppin und die Ruppiner Kliniken. Denn Oberhavel hat keine eigene Sparkasse und ist stattdessen Miteigentümer der Mittelbrandenburgischen Sparkasse (MBS).

Zur Galerie
Innenminister Schröter wirbt in der Neuruppiner Kulturkirche für die geplante Kreisgebietsreform. Vor der Veranstaltung protestierten Einwohner des Kreises gegen die Pläne Schröters.

Die Befürchtungen von Kaatzsch konnte Schröter nicht nachvollziehen. Immerhin sei die MBS die erfolgreichste Sparkasse in Ostdeutschland. Die Sparkasse OPR könnte sich dort schon jetzt angliedern, wenn sie es wollte – worauf in der Pfarrkirche ebenfalls laute Pfiffe erklangen. Denn unter den neugierigen Besuchern waren rund 100 Angestellte der Sparkasse, die wegen der geplanten Kreisgebietsreform um ihren Job fürchten. Die Sparkasse OPR könnte zwar theoretisch auch nach einer Fusion mit Oberhavel eigenständig bleiben, aber darüber würde der neue Kreistag in Oranienburg befinden – und dort wären die Politiker aus dem Altkreis Neuruppin in der Minderheit.

>>> Das ist die Kreisgebietsreform: Alle wichtigen Informationen

Bereits am Montag ist Minister Schröter ausgepfiffen worden. In Brandenburg an der Havel sprach er über die viel kritisierte Reform und wurde dort ebenfalls von mehreren hunderte Menschen mit Buh-Rufen und Pfiffen empfangen.

Görke lobt Bemühungen um Fusion mit der Prignitz

Finanzminister Görke lobte, dass Ostprignitz-Ruppin und die Prignitz bereits die Möglichkeiten einer Fusion prüfen. Dass zwei Landkreise dies tun, sei einmalig in Brandenburg, so Görke. Ob das aber nach Abschluss der Debatte über die Kreisgebietsreform in einem Jahr auch berücksichtigt wird, ist offen. Darüber werde der Landtag entscheiden, so Görke. Die Argumente, die dafür sprechen, würden aber berücksichtigt, versicherten beide Minister. Görke deutete zudem an, dass nicht alle neuen Gebilde zwangsläufig einen Anschluss an den Speckgürtel haben müssten. Innenminister Schröter wäre das lieber. Er verwies auf Oberhavel: Dort finanziere der berlinnahe Süden die Gemeinden im finanzschwachen Norden des Landkreises.

Was halten Sie von der Kreisgebietsreform?

Das Land Brandenburg will seine Landkreise neu ordnen, drei der vier kreisfreien Städte im Land werden wohl ihren Status verlieren und eingemeindet. Die Städte kritisieren die Reform als „Stärkung der Schwachen“. Das Land verteidigt sie als nötige Reform, damit das Land zukunftsfähig bleibt.

Ergebnis ansehen
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.
Was halten Sie von der Kreisgebietsreform?
So haben unsere Leser abgestimmt
Diese Online-Umfrage ist nicht repräsentativ.

Von Andreas Vogel

Mehr zum Thema
Brandenburg Diskussion ist offiziell eröffnet worden - Kreisgebietsreform: Möge das Reden beginnen

Es ist wohl eine der wichtigsten Reformen Brandenburgs in den kommenden Jahren: Die ersten Umrisse für die Kreisgebietsreform sind bekannt. Demnach könnte sich die Zahl der Brandenburger Landkreis halbieren. Jetzt ist die Diskussion darüber eröffnet worden – offiziell. Und nicht nur die Parteien sollen diskutieren.

19.06.2015
Prignitz Schulleiterin aus Pritzwalk warnt vor Folgen der Kreisgebietsreform - "Weitere Wege wären nicht mehr zumutbar"

Bei den Schulämtern gab es schon eine Neuordnung. Doch welche Folgen hätte nun die Zusammenlegung der Landkreise für das Bildungssystem in Brandenburg? Gisa Michaelis, Leiterin der Pritzwalker Oberschule, spricht im MAZ-Interview über doppelte Fahrtwege, wenig Personal und fehlende Busverbindungen.

20.04.2015
Brandenburg MAZ-Kommentar zur Kreisgebietsreform - Startgeld für die Reform ist wichtig und richtig

Die Brandenburger Landesregierung nimmt die geplante Kreisreform in Angriff: Am Dienstag berät das Kabinett über eine geplante Reduzierung der Landkreise und den Statusverlust der kreisfreien Städte. MAZ-Redakteur Volkmar Krause meint, dass die Reform Geld kosten muss, sonst gelingt sie nicht. Es gibt nämlich ein abschreckendes Beispiel.

19.05.2015
Ostprignitz-Ruppin Landeplatz soll wirtschaftlicher werden - Kyritzer Flugplatz bald privat?

Die Stadt Kyritz will bei der Hochschule Wildau ein Konzept erarbeiten lassen, wie der städtische Verkehrslandeplatz Kyritz-Heinrichsfelde künftig wirtschaftlicher betrieben werden kann. Vieles deutet dabei schon jetzt auf eine Privatisierung hin.

04.09.2015
Ostprignitz-Ruppin Erfolg bei der Motocross-Weltmeisterschaft - Dreetzer rollen das Feld von hinten auf

Die Simson-Fahrer aus Dreetz machen ihr Dorf bundesweit bekannt. Bei einer ungewöhnlichen Weltmeisterschaft in Thüringen holte ein Gespann des MC Dreetz jetzt Bronze in die Region. Das Ziel bleibt Gold.

04.09.2015

Anwohner Gerd Schulz nimmt die Belastungen durch Lastkraftwagen und Traktoren in Dahlhausen nicht länger hin. Sein Haus hat bereits Risse. Gerade jetzt in der Erntezeit ist es besonders schlimm. Er hat sich wiederholt in der Gemeindeverwaltung beklagt. Abgeordnete kümmern sich.

04.09.2015
Anzeige