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Kreisstadtfrage: Zur Not steht Platzeck bereit

Neuruppin Kreisstadtfrage: Zur Not steht Platzeck bereit

Im Streit zwischen Perleberg und Neuruppin über den Sitz der künftigen Kreisstadt nach der geplanten Fusion von Prignitz und Ostprignitz-Ruppin würde Brandenburgs einstiger Ministerpräsident Matthias Platzeck zur Not als Moderator einspringen. Das hat der SPD-Politiker am Mittwochabend in Neuruppin erklärt. Allerdings wäre ihm ein anderer Weg lieber.

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Matthias Platzeck beim Kaminbargespräch in Neuruppin.

Quelle: Andreas Vogel

Neuruppin. Bei den großen Tarifkonflikten bei der Deutschen Bahn und der Lufthansa hat sich Brandenburgs einstiger Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) schon als Schlichter bewährt. Könnte er nun nicht auch bei dem Streit um den künftigen Sitz der Kreisstadt in dem geplanten Großkreis Prignitz-Ruppin zwischen den beiden Landräten in Perleberg und Neuruppin vermitteln?

Platzeck: Beide Seiten sollten zurückstecken

Völlig ausgeschlossen hat der SPD-Politiker, der am Mittwochabend zu Gast beim 26. Kaminbargespräch der Wirtschaftsjunioren im Neuruppiner Resort Mark Brandenburg war, das nicht. Allerdings stellte Platzeck klar, dass er lediglich für den „äußersten Notfall“ als Moderator bereitstünde. „Ich würde mir wünschen, dass die Frage auf normalen Wege geklärt werden kann.“ Für Platzeck gehört dazu, dass beide Seiten etwas zurückstecken. Es müsse für jeden noch Luft zum Atmen bleiben – und keiner dürfe als Sieger oder Verlierer dastehen. Soll heißen, es dürfe nach der Entscheidung weder Perleberg noch Neuruppin untergehen. „Ich glaube immer an Aufgabenteilung“, so Platzeck. Dazu gehöre aber, dass man erst einmal zusammen auf den Tisch lege, was in den beiden Regionen in den nächsten 30 Jahren bewältigt werden müsse. Die Frage, wo am Ende der Landrat mit seinem Stab von etwa 25 Mitarbeitern sitzen werde, sei dann vielleicht auch gar nicht mehr so wichtig, wie es derzeit erscheine. „Die Zukunft für Neuruppin wird so oder so gut“, glaubt Platzeck.

Sorgen wegen der schlechten Beziehungen zu Russland

Er ist ein Mann der „lauwarmen Kompromisse“, wie er selbst sagt. „Man muss die Liebe zum Kompromiss wieder entdecken.“ Denn nur der Kompromiss mache das Leben möglich. Mit dieser Einstellung hat er auch beim Lösen der Tarifkonflikte bei der Bahn und der Lufthansa helfen können. Nun ist sein diplomatisches Geschick vor allem als Vorstand des Deutsch-Russischen Forums gefragt, einem Verein, der seit Jahren die deutsch-russischen Beziehungen fördert. Diese stehen jedoch vor einem Scherbenhaufen. „Wir entfernen uns Jahr für Jahr mehr von Russland“, sagte Platzeck. Diese Entwicklung wurmt ihn. Habe doch schon der SPD-Politiker Egon Bahr festgestellt, dass der Schlüssel zum Frieden in Europa in Russland liegt. Platzeck plädiert deshalb dafür, dass sich die Beziehungen zu Russland nicht weiter verschlechtern sollten – ohne die Annexion der Krim gutzuheißen. Stattdessen sollten sich Deutschland und Russland erst einmal um die vielen anderen Probleme kümmern, die zu lösen seien, wie der internationale Terror, der Flüchtlingszug, der Konflikt mit Nordkorea.

Ein Wunsch: Die AfD soll nicht drittstärkste Kraft werden

Zu denken gibt Platzeck zudem, dass in der westlichen Welt vielfach mit zweierlei Maß gemessen wird. An die Massaker der Nazis in Oradour (Frankreich) und Lidice (Tschechien) werde zurecht jedes Jahr erinnert, so der Politiker. Aber es kaum bekannt, dass es auf russischer Seite 629 Dörfer gebe, die ein ähnliches Schicksal erlitten hätten.

Für die Bundestagswahl wünscht sich Platzeck, dass nicht die AfD die drittstärkste Kraft im Bundestag wird. Deren geistige Vorväter hätten Deutschland in die Katastrophe geführt.

Von Andreas Vogel

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