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Kriegerdenkmal gibt Anstoß für Diskussionen

Königsberg Kriegerdenkmal gibt Anstoß für Diskussionen

18 Soldaten aus Königsberg fielen im Ersten Weltkrieg. Ein Gedenkstein erinnert seit 1933 an diese Männer. Doch lange war das Mahnmal zerstört und verwittert. Nun gibt Steinrestauratorin Paula Kopius den Gefallenen ihre Identität zurück. Im Zuge dieser Arbeit entwickelte sich der Gedenkstein auch zum Stein des Anstoßes für Diskussionen.

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Jörg Krüger, Heinz Kremp und Paula Kropius (v.l.) setzen am Gedenkstein Puzzleteile der Ortsgeschichte zusammen.

Quelle: Christamaria Ruch

Königsberg. Über mangelnde Aufmerksamkeit konnte sich Paula Kropius in den vergangenen Wochen nicht beklagen. Die Steinrestauratorin gibt dem Kriegerdenkmal in ihrem Heimatort Königsberg seit Sommer seine Identität zurück. Sie restauriert dieses Mahnmal, das an die 18 Gefallenen aus Königsberg im Ersten Weltkrieg erinnert. Immer wieder setzte die Restaurierung Gespräche im Dorf in Gang.

Damit ist dieser Gedenkstein von 1933 auch ein Anstoß für Diskussionen. Auch wenn der Zahn der Zeit schon Jahrzehnte an dem Sandstein nagte, stehen über die Ursache dieser Schäden unterschiedliche Ansichten im Raum. „In den 1950er bis 1960er Jahren wurden das Denkmal und die Namenszüge zerstört“, sagte der Königsberger Heinz Kremp vor zwei Wochen gegenüber der MAZ. Diese Auffassung teilt auch Elisabeth Lau; sie stammt ebenfalls aus dem Dorf.

Vor der Restaurierung

Vor der Restaurierung: Die Lücken am Denkmal sind deutlich sichtbar.

Quelle: Christamaria Ruch

Andere Einwohner teilten diese Meinung nicht, wie Heinz Kremp sagt. Doch er bleibt dabei: „Von den alten Einwohnern, die über 80 Jahre sind, weiß ich aus Erzählungen, dass sie diesen Stein schon immer irgendwie in kaputtem Zustand kannten. Es sollte in den 1950er Jahren keine Heldenglorifizierung geben. Die Namen wurden deshalb unleserlich gemacht“, so der 67-jährige Heinz Kremp.

Außerdem verschwanden Ende der 1950er Jahre der auf dem Stein hervorstehende Reichsadler sowie der kleine Adler auf der Steinspitze, weiß Paula Kropius aus Gesprächen mit Einwohnern. Nun wandte sich Jörg Krüger an die MAZ und bringt ein weiteres Puzzleteil rund um das Mahnmal ins Spiel. Er ist 59 Jahre, stammt ebenfalls aus Königsberg und besuchte von 1965 bis 1975 die Schule im Ort. „Es gab immer einzelne Objekte wie hier den Hügel am Gedenkstein, die jede Klasse gepflegt hat und dann eine Prämie von der Gemeinde für die Klassenkasse erhielt“, sagt er. Krüger erinnert sich an die unleserlichen Namen auf dem Kriegerdenkmal: „Die Farbe war an vielen Stellen weg.“ Mit so genannter Nitrofarbe in Schwarz malte Jörg Krüger als Schüler die Namen nach. Als er die sechste Klasse besuchte, „beauftragte der damalige Bürgermeister den Schuldirektor und dieser mich, dass ich die Namen wieder unleserlich machen soll“, sagt er.

Disziplinarische Maßnahmen gegen den ehemaligen Schüler

Jörg Krügers Auffassung nach war dieser Schritt damit begründet, dass seine Mutter Lehrerin und Mitglied der Einheitspartei war. „Deshalb passte es nicht in das DDR-Bild, dass ich auf diesem Denkmal Namen nachgeschrieben habe“, sagt er. „Aber ich habe mich geweigert, diese Weisung auszuführen. Dann gab es disziplinarische Maßnahmen gegen mich“, sagt er. Und: „Der Hausmeister unserer Schule vollendete dann diesen Auftrag und zerstörte mit einem Schulgartenspaten die Namenszüge.“ Bürgermeister, Schuldirektor und Hausmeister sind verstorben, teilt Jörg Krüger mit.

„Zuerst bin ich davon ausgegangen, dass der Stein nur verwittert ist und nicht beschädigt wurde“, sagt Restauratorin Paula Kropius. Sie spürte in den vergangenen Wochen, dass „einige alte Wunden im Dorf im Zuge dieser Restaurierung aufgebrochen sind.“ Dennoch freut sie sich, dass darüber gesprochen und etwas in Gang gesetzt wird. Mit Jörg ­Krüger ist sie sich einig, dass das Denkmal zu Königsberg gehört. Der Stein sei schlicht und einfach und angemessen für die Mahnung an die Kriegsgefahr“, sagen beide.

Alle Namen mit Silikonharzfarbe nachgemalt

Jetzt stehen nur noch wenige Restarbeiten am Stein aus. Fast alle Namen hat Paula Kropius bereits mit Silikonharzfarbe nachgemalt. Dabei fährt sie mit dem Pinsel jede Vertiefung der Buchstaben zweimal nach. Ursprünglich gab es zwei verschiedene Farbschichten in Schwarz und Weiß. Der Ortsbeirat in Königsberg entschied, dass die ­Namen in Anthrazit gemalt werden. „Es gibt auch Stimmen im Ort, denen diese Farbigkeit nicht so gefällt“, sagt sie.

In den nächsten Tagen wird Paula Kropius noch mit grauen Pigmenten und Acrylatdispersion die einheitliche graue Farbigkeit am Stein wiederherstellen.

Von Christamaria Ruch

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