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Ostprignitz-Ruppin Zwischen Grauen und Gelächter
Lokales Ostprignitz-Ruppin Zwischen Grauen und Gelächter
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00:28 08.03.2018
Mark Benecke mit „Zauberstab“: Der Kriminalbiologe hat einen guten Draht zu seinen Zuhörern – der Stadtgarten war auch in diesem Jahr wieder voll. Quelle: Foto: Buddeke
Neuruppin

Das Sonntagabend-Thema heißt Serientäter: Kannibalen und Pädophile. Keine leichte Kost – selbst in Zeiten von Hannibal-Lecter-Filmen oder anderen nervenzerfetzenden Streifen des Genres. Ein Gutteil Voyeurismus und auch die Lust am Gruseln ist bei den Gästen mit Sicherheit dabei – dennoch ist es erstaunlich, wie spielend leicht der Kriminalbiologe und Forensiker Mark Benecke bundesweit und im Ausland die Säle füllt. Kaum zu zählen, wie oft er schon im Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten mit wechselnden Kriminalthemen wie „Insekten auf Leichen“, „Blutspuren“ oder „Hitlers Zähne“ aufgetreten ist: Es ist immer ausverkauft. Wenn man ihn einmal erlebt hat, weiß man auch warum.

Der Mann, den man auch Doktor Tod und Herr der Maden nennt, ist auf seinem Gebiet eine Koryphäe - selbst das FBI fordert ihn für kniffelige Fälle an. Gleichzeitig ist er ein Phänomen: Er sieht so gar nicht wie ein Wissenschaftler aus, verbindet jedoch auf enthusiastische Art ein schier unerschöpfliches Sachwissen mit Entertainer-Talent. Seine Vorträge wirken, als schüttle er sie hoppla-hopp mal eben aus dem Ärmel, schweift ab, kommt von Hölzchen auf Stöckchen und findet am Ende zum Kern zurück, nachdem er seine Zuhörer nahezu besoffen gequatscht hat.

In der Pause signiert der Biologe Haut und Bücher. Quelle: Regine Buddeke

Da sprudeln Fälle, Beispiele, Forschungsergebnisse und Details über Spuren, Mörder und Urteile aus ihm heraus, dass einem schwindlig werden kann. Fakten, die einem die Nackenhärchen in die Höhe treiben, erzählt er so unbekümmert, dass man meint, im Kindertheater zu sein. Frei nach Georg Kreisler, dem Meister des schwarzhumorigen Chansons: „Man nehme ein grausiges Ereignis und übertreibe es maßlos, auf dass es seinen Schrecken verliert und grotesk wird.“

Nicht anders funktioniert es bei Mark Benecke. Mit einer Ausnahme: Er übertreibt kein Stück. Es ist gruselig genug, wenn man erfährt, was für Fantasien ein Kannibale oder Kinderserienmörder beim Töten hat. Woher Benecke die weiß? Er hört ihnen zu, lässt er die Zuhörer wissen. Wo andere sagen: „Mit einem Monster rede ich nicht“, hört er zu. Nur dann könne man verstehen, was die Täter steuert – nur so könne man weitere Opfer vermeiden, erklärt er.

Einmal Schabenkuscheln: die Fauchschaben hat Mark Benecke jedes Jahr dabei. Quelle: Regine Buddeke

Ohnehin sei das, was als „normal“ oder „logisch“ bezeichnet werde, sehr subjektiv. Mark Benecke ist ein überzeugter Anhänger von Spuren und deren Erforschung mit kindlicher Neugier. Bei keinem seiner Vorträge wird er müde, das zu betonen. Die Welt ist voller Spuren, schon das kleinste Detail kann wichtig sein – man muss nur die Augen offenhalten und keine vorschnellen Annahmen treffen. Erst wenn etwas bewiesen ist, lässt er es gelten.

Mark Benecke eröffnet mit dem Fall des „Vater Denke“, einem kannibalistischen Serientäter, der vor hundert Jahren mindestens 42 Menschen umbrachte. Eines stellt Mark Benecke vorweg: Serientäter sind stets absolut unauffällig. Zeugen würden später immer denselben Satz sagen: „Beim Müll raustragen hat er immer gegrüßt.“ Was ebenso wichtig sei: sexuelle Vorlieben sind unverhandelbar. Man könne daran nichts ändern, ob es Homosexualität, Sadismus oder sonst was sei. Einige praktizierten ihre Lust dann heimlich, andere vermieden sie ganz.

Gruppenbild mit Doktor Made. Quelle: Regine Buddeke

„Viele Pädophile halten sich bewusst von Kindern fern“, berichtet Benecke, der mit etlichen gesprochen hat. Fast immer schämen sich die Betroffenen ihrer Neigung, wenn diese gesellschaftlich nicht akzeptiert wird. „Warum bin ich so?“ – die Frage hat er nur zu oft gehört. Mark Benecke versucht, den Zuhörern die Täterlogik zu erklären – ohne schwarz-weiß-gut-böse-Gerede. Er erzählt Fakten. Ob das Hosenträger aus Menschenhaut sind oder die Kerze im Keller, weil Kinder im Dunkeln Angst haben.

Er erzählt, dass der Kannibale von Rotenburg zwar genau wusste, was seine sexuellen Fantasien sind, sich über die Tötung seines Opfers – übrigens in gegenseitigem Einvernehmen – keine Gedanken gemacht hat. Er berichtet über die Kindheit von Jürgen Bartsch, der als Kirmesmörder im Ruhrpott Schlagzeilen machte, zitiert aus dessen Briefen.

Fotos mit Mark Benecke sind beliebt. Quelle: Regine Buddeke

Er versucht, Beweggründe zu verstehen, Muster zu erkennen. „Wenn man dem Bartsch damals zugehört und überprüft hätte, dass ein katholischer Priester Kinder missbraucht, hätte man tausenden Kindern dieses Schicksal ersparen können“, konstatiert er trocken. „Aber das mochte man damals nicht hören. So wie man sich heute nicht vorstellen kann, dass einer aus Liebe Kinder tötet.“ Hinsehen, zuhören – das sei wichtig. Im Falle eines japanischen Kannibalen habe das Zuhören zu einer Lösung geführt, erzählt er.

Frank Ißleib aus Neuruppin ist auch ein Wiederholungstäter, was die Vorträge Beneckes betrifft – er kommt jedes Jahr. „Weil seine Vorträge immer hochinteressant sind. Er weiß, wovon er redet. Und er redet gut“, sagt er. Es mache Spaß – obwohl die Themen eigentlich alles andere als lustig sind: „Man lacht wohl, um den geistigen Druck loszuwerden, den das Gehörte verursacht.“

Von Regine Buddeke

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