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Krisengespräch im Grünen

Wittstock Krisengespräch im Grünen

Bernd Haase, Chef der gleichnamigen Wittstocker Friedhofsgärtnerei, empfing Bundestagsabgeordnete Kirsten Tackmann, um sie für Probleme zu sensibilisieren. Dabei ging es vor allem Fragen rund um den Mindestlohn.

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Kirsten Tackmann (l., Die Linke) im Gespräch mit Firmeninhaber Bernd Haase (r.) aus Wittstock.

Quelle: Björn Wagener

Wittstock. „Wir stehen kurz vor der Schließung“, sagt Bernd Haase, der Inhaber der gleichnamigen Friedhofsgärtnerei in der Meyenburger Chaussee in Wittstock. Im Gespräch mit Kirsten Tackmann, der Bundestagsabgeordneten der Linken, die kürzlich den Betrieb besuchte, nimmt er kein Blatt vor den Mund und lässt auch keinen Zweifel am Ernst der Lage: „Wir stehen vor Problemen, die wir nur alle gemeinsam lösen können“, betont er und meint damit nicht nur seinen Betrieb, sondern die gesamte Branche und den Mittelstand.

Dabei ging es ihm vor allem um den Mindestlohn. „Ich habe mal versucht, ihn auf die Verkaufspreise umzulegen, aber das ist gar nicht machbar“, meint Haase. Gegenüber den extremen Niedrigpreisen in Supermärkten sei das unmöglich. Kirsten Tackmann plädierte dafür, dass der Mindestlohn so auskömmlich sein müsse, dass er die Betreffenden aus der Grundsicherung herausführt und warb für den Einkauf in regionalen Unternehmen. Andererseits müsse viel stärker darauf geachtet werden, dass Produkte nicht verbotenerweise unter dem sogenannten Einstandspreis verkauft werden, etwa um Kunden ins Haus zu locken. Der Einstandspreis ist der Preis, für den ein Erzeugnis vom Anbieter erworben wurde.

Ein massives Problem

Laut Kirsten Tackmann habe eine Anfrage an die Bundesregierung ergeben, dass bislang lediglich drei Verfahren bezüglich des Einstandspreises geführt worden seien – ergebnislos. Das habe zu der Schlussfolgerung geführt, dass es gar kein Problem gebe. „Aber wir haben ein massives Problem. Man schaut nur nicht genau genug hin“, sagte Kirsten Tackmann und kündigte an, den Finger auch weiterhin in die Wunde legen zu wollen. „Die Gewinne in der Wertschöpfungskette müssen besser und gerechter verteilt werden.“ Auf dem Weg von der Erzeugung bis zum Verkauf herrsche ein Ungleichgewicht zum Nachteil des Produzenten, der auch noch das Produktionsrisiko zu tragen habe.

Hinzu komme ein vermeidbarer Zeit- und damit Kostenaufwand für diverse Formalitäten im Betriebsalltag, die eigentlich nicht nötig seien oder doppelt erledigt werden müssten, so Haase.

Firmensterben befürchtet

Wenn politisch nicht endlich regulierend zugunsten kleinerer und mittlerer Betriebe eingegriffen werde, sieht der Unternehmer aufgrund des Mindestlohns ein Firmensterben, dass sich bei den Steuereinnahmen deutlich bemerkbar machen werde. Denn gerade Unternehmen des Mittelstandes zählten zu den größten Steuerzahlern. Verschärfend hinzu komme die Tatsache, dass die Gartenbaubranche fast ausschließlich eine ältere Klientel anspreche. Jüngere Menschen unter 30 interessierten sich kaum noch dafür. „Von ihnen erreichen wir vielleicht ein oder zwei Prozent.“ Auch in der Kritik: Die aus Haases Sicht zu komplizierte Förderpolitik, die es schwer mache, an Geld für Investitionen und Projekte zu kommen.

Begleitet wurde Kirsten Tackmann bei ihrem Rundgang durch die Gärtnerei von Andreas Jende, dem Geschäftsführer des Gartenbauverbandes Berlin Brandenburg, sowie den Parteifreunden Andreas Bergmann und Andrew Förster. Gerade Letzterer ist der Meinung, dass Bernd Haase zu schwarz sieht. Sich stärker vernetzen, Kooperationen bilden, antizyklisch arbeiten lauten die Stichworte, die er als Lösungsansätze in die Waagschale wirft.

Von Björn Wagener

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