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Krisensitzung zum Biber

Neustadt Krisensitzung zum Biber

Zum dritten Mal kamen gestern in Neustadt Kommunen, Amtsverwaltung, betroffene Anlieger und Experten zu einem Krisengespräch wegen der Biberschäden im Luch zwischen Sieversdorf und Zernitz-Lohm zusammen. Ein Lösung fand sich immer noch nicht. Alles hängt am Geld.

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Landwirt Henning Hartmann (r.) braucht den gesperrten Goldbecker Weg dringend für Transporte. Sein Kollege Uwe Rutter (l.) ärgert sich über illegale Schleichwege auf seinem Acker.

Quelle: Alexander Beckmann

Neustadt. Auch bei ihrer dritten Zusammenkunft wegen der Biberschäden im Luch zwischen Sieversdorf und Zernitz-Lohm fanden die Vertreter von Kommunen und der Amtsverwaltung sowie die hinzugeladenen Experten am Donnerstag in Neustadt keine Lösung.

Amtsdirektor Dieter Fuchs gab einen kurzen Überblick über die Situation. Demnach wurden in den Grabenböschungen am Goldbecker Weg bislang 114 Eingänge zu Biberbauten registriert, am Bohlweg kurz vor der Schwarzwasser-Brücke 33 Eingänge. „Es sind im Unterbau tatsächlich große Aushöhlungen zu erkennen. Da müssen mehrere Kubikmeter aufgefüllt werden“, berichtete Dieter Fuchs. „In Neuendorf am Kahlschlag zeichnet sich ebenfalls eine Gefährdung der Straße ab.“

Der Goldbecker Weg ist wegen der Löcher inzwischen seit Monaten gesperrt. Das macht vor allem den Landwirten schwer zu schaffen. Sie müssen ihre Ernte über große Umwege transportieren.

Henning Hartmann von der Agrargenossenschaft Sieversdorf drängte am Donnerstag zur Eile: „Das ist ein Schadnager, nichts anderes.“ Doch bevor die weitere Unterminierung des Weges nicht unterbunden ist, wollen die Kommunen kein Geld in weitere Wegereparaturen stecken.

Den Biber zu vertreiben, indem man das Wasser aus den Gräben lässt, hat sich als wenig praktikabel erwiesen: So weit ist der Pegel einfach nicht zu senken. Und eine Bejagung – wenn sie denn erlaubt wäre – sieht Jürgen Rinno vom Kreisjagdverband skeptisch: „Wir als Jäger könnten sicherlich Biber erlegen, aber das löst das Problem nicht. Es kämen immer wieder Tiere von außen nach. Die Bedingungen sind so, dass sich der Biber sehr gut vermehrt.“ Was bleibt, ist der Einbau von Sperren, die die Biber daran hindern, unter den Fahrbahnen zu graben.

„Wir haben eine Studie in Auftrag gegeben, wie sich die Böschungen sichern lassen“, sagte Gernot Elftmann vom Wasser- und Bodenverband „Dosse-Jäglitz“. Zwei Varianten seien für den Goldbecker Weg vorgeschlagen worden. Eine wäre die komplette Erneuerung der Grabenböschung mit dem Einbau von Schutzgittern auf 900 Metern Länge. „Das wären dann Kosten von gut 50 000 Euro“, so Elftmann. Die Hälfte davon würde laut Biberverordnung wohl das Land übernehmen. Den Rest müsste der Verband den Anliegerkommunen in Rechnung stellen. Und die Straße wäre immer noch nicht repariert.

Die Gemeinden favorisieren Variante 2: den Einbau von senkrechten Schutzgittern im Straßenbankett. Zum einen wäre dies knapp 10 000 Euro billiger, zum anderen müsste dafür die vorhandene, begrünte Böschung nicht komplett abgeräumt werden. Und schließlich ließe sich beim Bau schon mal ausmachen, wo nun wirklich überall Biberbauten bis unter die Fahrbahn führen. Vielleicht käme man ja doch mit punktuellen Reparaturen davon.

Auch Landwirt Henning Hartmann bevorzugt diese Methode: „Diese Variante würde ich von unserem Betrieb aus mit 10 000 Euro bezuschussen. Wir sind an einer schnellen Lösung interessiert.“

Doch die Sache hat einen Haken: Die betroffenen Kommunen sehen sich schlicht nicht in der Lage, die verbleibenden Kosten von rund 34 000 Euro zu übernehmen. Ihre Haushalte geben die Summe nicht her, zumal von Land nicht mit Unterstützung zu rechnen ist. Die Biberverordnung sieht lediglich vor, dass die Hälfte der Biberschäden an Gräben und Böschungen erstattet wird. Von Straßen oder auch nur ihrem Randbereich ist keine Rede.

In der Runde am Donnerstag war man sich einig, dass es sich dabei um ein klares Versäumnis der Landespolitik handelt: Der Biber werde geschützt, doch die Folgen blieben an wenigen Betroffenen hängen. Deshalb hatte man auch Vertreter der Landtagsparteien und die zuständige Biberbeauftragte des Landes eingeladen. „Es ist schade, dass niemand gekommen ist“, sagte Amtsdirektor Dieter Fuchs.

Die Bürgermeisterin von Zernitz-Lohm Sigrid Schumacher wurde deutlicher: „Wir kommen hier nicht weiter, weil die, die eventuell etwas ändern könnten, uns hängen lassen.“ Eine Änderung der Biberverordnung und die Bereitstellung von Mitteln zur Schadensregulierung seien überfällig. „Wir müssen unseren Abgeordneten mal auf die Füße treten.“

Von Alexander Beckmann

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