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Kritik am Ordnungsamt

Wusterhausen Kritik am Ordnungsamt

Tierschützer widersprechen der Aufforderung des Wusterhausener Ordnungsamtes, die Fütterung verwilderter Hauskatzen zu unterlassen. Die Futterstellen seien nämlich die einzige praktikable Möglichkeit, Tiere einzufangen, um sie zu kastrieren. Und nur damit lasse sich die Population langfristig reduzieren.

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Verwilderte Hauskatzen vermehren sich prächtig.

Quelle: Madlen Wirtz

Wusterhausen. Das Wusterhausener Ordnungsamt hatte im Gespräch mit der MAZ kürzlich von der Fütterung verwilderter Hauskatzen abgeraten – unter anderem mit Verweis auf Haftungsfragen. Credo: Wer freilebende Katzen füttert, gelte als deren Halter.

Bei einer Reihe von Tierfreunden nicht nur in Wusterhausen löste das Widerspruch aus. So zweifelt Ilona Paschen im Namen des Tierschutzvereins Tapsi Gnadenhof Kolrep ausdrücklich an der Begründung für die Warnung. „Wo steht denn geschrieben, dass Katzen dem gehören, der sie füttert?“, will die Wusterhausenerin wissen. „Wir haben alles durchgeblättert und nichts gefunden.“

Keine rechtliche Handhabe

Tatsächlich gibt es in Deutschland keine Gesetze speziell zur Haltung von Katzen. Allerdings bekommen Gerichte regelmäßig mit den Haustieren zu tun – sei es in Sachen Mietrecht oder in Haftungsfragen. Im Internet finden sich lediglich Hinweise auf ein einziges Urteil zum Eigentum an herrenlosen Katzen. Das Landgericht Paderborn entschied in den 90er Jahren: „Wer eine zugelaufene Katze regelmäßig füttert und zeitweise beherbergt, gilt rechtlich als Halter des Tieres und haftet bei einem Unfall für durch das Tier verursachte Schäden.“ (Aktenzeichen 5 S 3/95)

In Wusterhausen geht es aber nicht um zugelaufene zahme Tiere, sondern um Futterstellen für verwilderte. Und in diesem Fall scheint die Rechtssprechung, wenn überhaupt, eher die Auffassung der Tierschützer zu stützen. Das sieht nur dann anders aus, wenn von Futterresten konkrete Gesundheitsgefahren ausgehen, weil beispielsweise Ratten angelockt werden.

Tierschützer setzen auf Kastration

Ilona Paschen hält den Hinweis des Ordnungsamtes auf jeden Fall für nicht bindend und vor allem für wenig hilfreich. Die Futterstellen seien nicht der Grund für die besorgniserregende Zahl verwilderter Katzen. Eher gelte das Gegenteil: „Wir als Tierschützer sind auf solche Fütterungen angewiesen.“ Denn es handele sich um die einzige praktikable Methode, die Tiere einzufangen, um sie zu kastrieren. „Wenn wir eine Katzenpopulation gemeldet bekommen, dann unterstützen wir die Fütterung sogar und bringen unsere Fallen dahin.“ Diesem Vorgehen der Tierschützer sei es überhaupt zu verdanken, dass die Katzenschwemme noch nicht überhand genommen habe, betont Ilona Paschen. Allein im vergangenen Jahr habe der Tierschutzverein in Wusterhausen, Kyritz und Neustadt mit dieser Methode 57 verwilderte Katzen (sowohl Männchen als auch Weibchen) eingefangen und mit Hilfe von Tierärzten an der weiteren Vermehrung gehindert. „Aus diesen Katzen hätten ansonsten bis heute über 500 werden können“, rechnet Ilona Paschen vor.

Kaum Unterstützung durch die Kommune

Der Verein leiste all dies allein mit ehrenamtlicher Arbeit und mit Hilfe von Spenden. „Dabei wäre das Aufgabe der Kommune.“ Im Grunde gebe es nur drei Wege, die Zahl der verwilderten Katzen zu reduzieren: sie zu töten (was sowohl tierschutzrechtlich als auch in der Durchführung problematisch ist), sie einzufangen und woandershin zu schaffen (wohin?) oder sie eben von der weiteren Vermehrung abzuhalten. „Für Alternativvorschläge sind wir jederzeit offen“, sagt die Tierschützerin. Ansonsten gelte: „Wir wünschen uns mehr Unterstützung. Taten müssen kommen.“

Von Alexander Beckmann

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