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Kronzeuge erhält Morddrohungen

Drogenprozess in Neuruppin Kronzeuge erhält Morddrohungen

Der Kronzeuge der Anklage im Drogenprozess gegen Frank G., einst einer der führenden Köpfe der Neuruppiner XY-Bande, erhält Morddrohungen. Gleichwohl konnte er am Donnerstag vor dem Landgericht Neuruppin aussagen – unter verschärften Sicherheitsbedingungen.

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Frank G. (l.) mit seiner Verteidigerin Marlen Block sowie der mitangeklagte Torsten S. aus Neuruppin.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen ist am Donnerstag am Landgericht Neuruppin der Prozess um den Handel mit Kokain gegen Frank G. (48) und seinen mutmaßlichen Komplizen Torsten S. (34) fortgesetzt worden. Grund für die peniblen Kontrollen am Eingang: Gegen den Kronzeugen der Anklage, Tommy M., soll es Morddrohungen geben. „Ich weiß, dass es einen Mordauftrag gibt“, sagte der 34-Jährige.

Wegen seiner Zusammenarbeit mit der Polizei und der Staatsanwaltschaft habe er von Kriminellen entsprechende Zeitungsartikel zugeschickt bekommen. Zudem hätten ihn Bekannte eindrücklich gewarnt. Auch die Ermittler scheinen überzeugt zu sein, dass an den Drohungen was dran sein könnte. Sie haben Tommy M. in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen. Seitdem wohnt er an einem geheim gehaltenen Ort. Gleichwohl konnte der 34-Jährige, der zuletzt in Sachsen lebte, am Donnerstag aussagen. Allerdings wurde er die gesamte Zeit von zwei Ermittlern des Landeskriminalamtes Brandenburg begleitet.

Besucher und deren Kleidung wurden penibel durchsucht

Besucher und deren Kleidung wurden penibel durchsucht.

Quelle: Peter Geisler

Tommy M. war der Auslöser für die Ermittlungen gegen Frank G., einst einer der führenden Köpfe der Neuruppiner XY-Bande. Er hat ihn im Sommer 2014 bei einer Geburtstagsfeier eines anderen ehemaligen Mitglieds der XY-Bande kennengelernt. Die meisten anderen Mitglieder des Führungszirkels der Bande kannte er bereits aus verschiedenen Gefängnissen, auch Olaf K. und Jürgen D. Denn Tommy M. verbüßte ab 2003 eine mehrjährige Haftstrafe wegen räuberischer Erpressung. Lediglich von dem nur „Franky“ genannten Angeklagten hatte er bis zu jener Geburtstagsfeier nur gehört. Doch bei der feucht-fröhlichen Party kamen sie ins Gespräch. Wenn er Kokain brauche, könne er sich an Frank G. wenden, habe der Gastgeber ihm erzählt, sagte Tommy M. Der jetzige Kronzeuge der Anklage hatte damals einen großen Bekanntenkreis in der kriminellen Szene von Sachsen – und bei den Hells Angels. Tommy M. glaubt, dass Frank G. und seine Hintermänner den Kokainhandel auf Sachsen ausweiten wollten. Schließlich habe Frank G. davon gesprochen, dass er selbst ein Fass mit 50 Kilo Koks gesehen habe, so der Zeuge.

Widersprüche bei gehandelten Mengen

Allerdings passt das nicht mit einer anderen Aussage von ihm zusammen. Denn Tommy M., der durch seine Zusammenarbeit mit den Ermittlern einer Haftstrafe bei einem anderen Delikt entgehen will, hatte bei der Anbahnung des Drogendeals mit Frank G. mehrfach den Eindruck, dass dieser eigentlich nur mit kleineren Mengen Kokain handelt. Um jedoch wirklich einer Freiheitsstrafe zu entgehen, hatte Tommy M. nach bis zu vier Kilo Koks bei Frank G. nachgefragt – zum Preis von 41 000 Euro je Kilo. Das Geschäft musste aber zunächst warten, da Tommy M. in Aachen in Untersuchungshaft war. Von dort aus wandte er sich an die Staatsanwaltschaft Neuruppin und bot an, einen „großen Drogenring“ auffliegen lassen zu können. Das Landeskriminalamt (LKA) zeigte Interesse. Tommy M., der in Aachen wegen versuchter räuberischer Erpressung einsaß, wurde im Februar aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Geschäft mit Frank G. fädelte Tommy M. danach in Abstimmung mit dem LKA ein. Allerdings konnte Frank G. Anfang März lediglich 500 Gramm Kokain besorgen und wurde bei der Übergabe in Berlin verhaftet. Der Prozess wird am 2. Oktober fortgesetzt.

Von Andreas Vogel

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