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Küdow: Plausch beim Bäcker on Tour

Rollender Verkaufsstand Küdow: Plausch beim Bäcker on Tour

Seit über 25 Jahren fährt der rollende Verkaufsstand des Granseer Bäckers Klaus Türcke die Temnitztal-Orten an. Für die Treue zu den kleinen Dörfern, in denen es schon lange keine Läden mehr gibt, sind seine Kunden richtig dankbar. Nicht nur wegen der frischen Backwaren, sondern auch, weil er ihnen einen willkommenen Treffpunkt bietet.

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Ursula Rädiger (r.) und Erika Klotz freuen sich, wenn Olaf Börst mit dem rollenden Bäckerwagen bei ihnen in Küdow vorfährt.

Quelle: Celina Aniol

Küdow. „Sie waren doch gerade mit ihrer Mutter in Neuruppin, stimmt’s?“, fragt Ursula Rädiger, die gerade mal kurz und noch in Kittelschürze vor ihr Haus getreten ist, ihre Nachbarin. Den Einkaufskorb hat sie auf ihrem Rollator abgestellt. Wer weiß, vielleicht dauert das Schwätzchen doch etwas länger? Eine willkommene Abwechslung ist der Plausch beim Brötchenholen am rollenden Verkaufsstand für die 79-Jährige aus Küdow allemal. „Ja, und später muss ich noch einmal hin, zum Einkaufen“, antwortet Erika Klotz. „Immer diese Fahrerei. Vor allem jetzt mit der Baustelle in Dabergotz ist das wirklich kein Spaß.“ Sie nimmt ihr Brot von Olaf Börst entgegen, der sich auf die Theke gelehnt hat und jetzt auch ein paar Worte über die Dauerbelastung an der B 167 verliert. „Das nervt“, sagt der Verkäufer knapp, bevor er sich etwas länger über den Landesbetrieb auslässt, der mit dem Ausbau der Straße eigentlich im frühen Sommer fertig sein wollte, es aber nicht wird.

Seit der Wende kommt der Wagen nach Küdow

Dreimal die Woche fährt einer der drei rollenden Läden des Granseer Bäckers und Konditors Klaus Türcke die Temnitztal-Dörfer an – und das seit kurz nach der Wende. Seitdem ist auch Olaf Börst dabei. „Ich kenne die meisten meiner Kunden auch schon so lange“, sagt er. „Das fühlt sich gut an.“ Er weiß, dass sein Einsatz gerade jetzt wichtig ist. Zum einen, weil vor allem die älteren Menschen oder die Arbeitslosen auf dem flachen Land sonst kaum die Möglichkeit hätten, an frische Backwaren zu kommen. „Es gibt ja kaum noch Dorfläden“, sagt er. „Und auch kaum Orte in den Dörfern, wo man sich zum Schnacken trifft.“ Brot und Brötchen bringt er den Leuten; in Küdow hält er dafür an mindestens drei Stellen, damit die betagteren Kunden nicht so weit laufen müssen. „Und Kuchen für den Kaffeetisch“, ergänzt er.

Eine Nascherei nimmt Ursula Rädiger diesmal nicht mit. Sie hat noch etwas Kuchen vom Wochenende übrig. Für die frischen Brötchen ist sie aber richtig dankbar. „Zurzeit geht es noch“, sagt sie. Denn ihr Mann Eberhard fährt Auto. Wer weiß aber, wie lange noch mit seinen 82 Jahren, gibt sie zu bedenken. Den Konsum, den es bis Anfang der 90er Jahre in Küdow gab, vermisst sie sehr. „Da konnte man sich mit allem eindecken“, pflichtet ihr Erika Klotz bei. „Jetzt muss man zum Einkaufen immer nach Neuruppin, Fehrbellin oder Wusterhausen fahren. Und wer keinen zum Fahren hat, der ist schlecht dran.“ Frische Brötchen fürs Wochenende – ohne Olaf Börsts Bäckerei wäre das für die älteren Leute kaum drin.

Die Dorfbewohner wünschen sich einen Laden

Immerhin gibt es in Wildberg einen kleinen Laden. „Aber auch da muss man erst mal hinkommen“, stöhnt Ursula Rädiger. In Zeiten des immer überschaubareren Busangebots ist auch diese Fahrt ins übernächste Dorf eine Herausforderung. „Da darf man nichts vergessen“, sagt Ursula Rädiger. Klar helfen sich die Nachbarn untereinander aus. „Wir kennen das ja von früher“, wirft Erika Klotz ein. Aber immer auf jemanden angewiesen sein? Das findet ihre Nachbarin nicht gut. Noch etwas stört sie: Die Sachen, die sie beim obligaten Wocheneinkauf besorgt, bleiben nicht ewig frisch. „Wenn man die Wurst dreimal auf dem Tisch hatte, dann möchte man sie auch nicht mehr essen.“ Sie sehnt sich danach, die Waren in kleineren Mengen, dafür aber öfter kaufen zu können. „Und wenn so ein Laden bei uns im Dorf nur ein paar Stunden in der Woche offen hätte – das wäre trotzdem toll.“

Die Vorstellung, dass es sich für den Bäcker irgendwann vielleicht auch nicht mehr lohnen könnte, durch die Lande zu tingeln, finden die beiden Frauen „einfach nur schrecklich“. „Wenn er nicht da wäre, dann müssten wir die ganze Woche auch noch altes Brot essen“, sagt die Ältere. „Das mag man sich nicht vorstellen.“ Noch ist Olaf Börst aber da. Nun verabschiedet er sich aber mit einem breiten Lächeln und macht die Luke wieder zu. In Lüchfeld warten die nächsten Kunden auf sein Brot – und die kleine Klöngelegenheit.

Von Celina Aniol

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