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Ostprignitz-Ruppin Künstlerin Sigi Anders experimentiert gern
Lokales Ostprignitz-Ruppin Künstlerin Sigi Anders experimentiert gern
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14:24 21.07.2017
Sigi Anders bearbeitet ihre Eisendrucke. Quelle: Dagmar Simons
Rohrlack

Für Sigi Anders ist Rohrlack „ein ganz besonderes Dorf“. Das hat es der Künstlerin so angetan, dass sie Anfang dieses Jahres ganz dorthin gezogen ist, in ein Dachatelier mit freiem Blick in die märkische Landschaft und auf die Pferde des benachbarten Hofes.

50 Jahre hat sie in Berlin gelebt und gearbeitet. Vor 23 Jahren sprachen sie zwei Berlinerinnen an, die in Rohrlack – dort, wo heute die Bäckerei ist – ein alternatives Kreativ-Projekt aufziehen wollten. „Ich war total begeistert“, erinnert sich die kleine, quirlige Malerin.

Das Vorhaben kam nicht zustande, doch zu der Zeit baute der Architekt Eckhard Feddersen im Zuge seines Wohnprojektes für behinderte Menschen in Rohrlack die ehemalige Schmiede aus. „Ich habe ihn gefragt, ob er mir das Dach als Atelierwohnung ausbaut.“ Das tat er. Nun ist es Siggi Anders’ Reich, in dem sie sich künstlerisch verwirklicht. Mit Leib und Seele, wie sie sagt. „Ich habe meinen Traumjob gefunden.“ Dazu kam sie allerdings auf Umwegen.

Farbe macht den Ast zum Kunstwerk. Quelle: Dagmar Simons

Eigentlich wollte die gebürtige Westfälin Tänzerin werden. „Ich stand immer auf Spitzen.“ Doch ihr wurde gesagt, dazu sei sie zu klein. Auch gemalt hat sie schon als Kind. Für ihre Mutter war das allerdings eine brotlose Kunst. Nach dem Motto „Kind, lern erst mal etwas Vernünftiges“, machte Sigi Anders eine Ausbildung zur Stenokontoristin und Sekretärin. „Das war nicht meins“, sagt sie. Eine Zeit lang fuhr sie zweigleisig, arbeitete im Büro und gab Malkurse. Irgendwann merkte sie, dass ihr alles zu viel wurde. Sie gab den Bürojob auf, hielt sich mit Malkursen über Wasser. „Da musste ich ganz schön strampeln.“ So sehr, dass ihr kaum mehr Zeit zum Malen blieb. Das ist und bleibt ihre Leidenschaft, wie die vielen Werke in ihrem Atelier zeigen.

Eisenteile dürfen auf das Papier rosten. Quelle: Dagmar Simons

Nachdem sie 1995 ihr Atelier in Rohrlack eröffnet hatte, absolvierte sie ein vierjähriges Gaststudium an der Hochschule der Künste in Berlin. „Mein Schwerpunkt ist die experimentelle Malerei“, sagt sie. Die lebt sie in unterschiedlichen Formen aus. Zurzeit stellt sie bevorzugt Eisendrucke her. Dazu sammelt sie Eisenteile, die rosten oder bereits verrostet sind, legt sie auf Papier und wässert sie. Die Oxidation geht dann in das Papier über, die Künstlerin geht dann in diese chemische Reaktion mit Farbe hinein. Das ist nur eine von vielen Ideen, die sie künstlerisch umsetzt. Ein neues Projekt sind ihre begehbaren Bilder. Dabei gehen Leute mit ihren Schuhen über Papier, Sigi Anders arbeitet anschließend die Profilstrukturen heraus.

Einige Jahre hatte sie das Schuh-Projekt. Sie malte Schuhe aller Größen und Formen an: Ballerinas, Sportschuhe, Sandalen, High Heels, alle bekamen ein neues farbenfrohes Aussehen. Manchmal trägt sie ein Paar dieser Schuhe, ansonsten schmücken die Kunstwerke ihr Atelier und die Treppe zu ihrem Heim. „Ich male gerne alles an“, sagt sie. Wenn keine Schuhe, dann auch mal Holz.

Blick ins Atelier. Quelle: Dagmar Simons

Ihre künstlerische Vielseitigkeit zeigt sich in Bildern wie dem Zyklus „Die rote Erde“. Dort hat sie mit selbst gefärbtem Flüssigwachs und Graphit gearbeitet. Aus alten Bienenrahmen hat sie Objekte gestaltet. Die hat sie vor 15 Jahren geschenkt bekommen, lagen dann aber zehn Jahre herum. „Dann hatte ich die zündende Idee.“ Sie hat daraus eine Art Bilderrahmen hergestellt, in deren Mitte das Wabengeflecht mit einem Objekt aus Draht zu sehen ist.

Ihre „geflügelte Nachtwächterin“, wie sie die große Figur mitten im Raum nennt,hat sie aus Resten zusammen geklebt und bemalt. Einmal im Jahr trifft sich Sigi Anders mit anderen Künstlerinnen in Dänemark. Dort entstand ihr Zyklus „Die Schreitende“, ein abstraktes Werk. „Manchmal hilft der Titel denjenigen, die nicht so eine Vorstellungskraft haben“, sagt die Künstlerin. In diesem Jahr entstand der Zyklus „Neue Wege gehen“. Zehn Jahre lang nahm sie in Polen an der Internationalen Freilichtmalerei teil, für sie ein ganz besonderes Erlebnis. Sie war überwältigt von der Herzlichkeit und dem Miteinander, das trotz Sprachbarrieren gut funktionierte.

Schuh-Tick mal anders. Quelle: Dagmar Simons

Regelmäßig gibt sie Kurse im Kunstzentrum Tegel-Süd, das sich mit etwa 40 anderen Ateliers an der langen Nacht der Ateliers beteiligt. Einmal im Jahr bietet sie eine Malwoche in Vichel an und das bereits seit fünf Jahren.

Eine große Collage fällt besonders ins Auge. „Die Vielfalt meines Lebens“ hat sie die Radierungen und Zeichnungen auf einer Fläche genannt. Reich und bunt: So empfindet Sigi Anders ihren bisherigen Weg. „Ich habe viele Glücksmomente. Das heißt nicht, dass ich keine Tiefs habe“, sagt sie.

Momentan quillt sie über vor Ideen. Nicht ahnend, was auf sie zukommt, hat sie vor Jahren einen Zyklus nach der Ballade von Theodor Fontane „Die Brücke am Tay“ geschaffen. Jetzt wurde sie wie andere Künstler auch für eine Mitarbeit beim Fontanejahr 2019 angesprochen.

Ihre Arbeit passt haar­genau. „Das war bei der Erstellung nicht geplant“, sagt sie. Wie so vieles bei ihr nicht geplant ist, sondern aus dem Inneren entsteht, das sich beim Malen und Gestalten mit den unterschiedlichsten Materialien mit der äußeren Welt verbindet.

Von Dagmar Simons

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