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Künstlerporträt Bernd Weimar

Neuruppin Künstlerporträt Bernd Weimar

Bernd Weimar ist keiner, der sich lebenslang auf einen Stil festlegen lässt. Er hat sich mit Holzschnitten und Malerei beschäftigt, ein paar Jahre mit der Feder gezeichnet und Holz- sowie Stahlskulpturen geschaffen, die er gerne korrodieren lässt. Er schuf ebenso diverse Lichtobjekte. Derzeit hat sich der Neuruppiner Künstler der Fotografie verschrieben.

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Bernd Weimar mit zweien seiner Skulpturen..

Quelle: Regine Buddeke

Neuruppin. Alles hat seine Zeit. Ein Satz, wie er treffender nicht sein könnte für das Schaffen von Bernd Weimar. „Ich bin ein Schubmensch – das wissen die Leute“, sagt der Wahl-Neuruppiner über die verschiedenen Schaffensphasen, in denen er sich mit sehr unterschiedlichen Techniken auseinandersetzt. Und diese dann bis ins letzte ausreizt. „Wenn ich eine Technik für mich entdeckt habe, brenne ich dafür“, so der 73-Jährige. „Und wenn ich sie ausgereizt habe, kommt etwas Neues. Ich kann nicht erklären, warum das so ist.“ Genauso wenig wie er verstehen kann, dass andere Künstler mehrere Techniken nebeneinander ausüben können.

Begonnen hat es bei Bernd Weimar Ende der siebziger Jahre: er beschäftigte sich mit Malerei und Holzschnitten, die ihn – ausnahmsweise zeitgleich – faszinierten. Die beiden Stile ergänzten einander – schon durch ihre weitgehend expressive Ästhetik sowie die weitgehend dezente Farbigkeit. Der Holzschnitt musste Anfang der 1990er Jahre Federzeichnungen weichen, deren reduzierte, expressive Strichführung weiterhin Weimars Markenzeichen blieb. Farbe und Pinsel tauschte er gegen schweres Gerät und widmete sich fortan der Metallbildhauerei: ranke Figuren aus Stahl, teils zweidimensional und manchmal reliefartig. „Ich bekenne, dass das nicht wirklich Plastik ist“, so der gebürtige Thüringer. „Aber schon immer hat mich der grafische Aspekt mehr gereizt als Farbe oder Raum.“

In den Achtziger Jahren hat Bernd Weimar viel gemalt

In den Achtziger Jahren hat Bernd Weimar viel gemalt.

Quelle: Regine Buddeke

Später bog er seine Figuren auch auf und ließ sie räumlicher wirken. So etwa auch bei seinem Liebling – dem „Paar“. An den beiden Hohlfiguren, die aus in- und gegeneinander verdrehten Metallblechen zusammengesetzt sind, hat er ein halbes Jahr gearbeitet. „Ich habe geschweißt und geschliffen ohne Ende“, sagt er. Er will gar nicht wissen, wie viel Feinstaub er in dieser Zeit geschluckt hat. Auch eine Holz-Phase hat Weimar durchlaufen – hier entstanden viele Köpfe, aber auch die Serie der „Tornower Elfen“. Viele seiner Werke sind übrigens Zyklen – das brachte die intensive Beschäftigung in einem Zeitfenster schon mit sich.

Ab etwa 2005 folgten reine Metallgrafiken, bevor sich Bernd Weimar den Lichtobjekten zuwandte. Seine Leuchtkörper – man darf sie nicht einfach Lampen nennen – bestehen aus Pergament und Papier, Filz und Holz, aus gebogenen Metallstäben, Drahtgaze und Stahlblech, das er teils in mühevoller Kleinarbeit über und über mit dem Bohrer perforiert hat, damit das Licht zauberische Effekte an die Wand wirft. Auch hier offenbart sich seine Liebe zum grafischen Effekt

Weimar hat viel über Design gelernt: Das habe er früher belächelt. Jetzt sieht er es als eine sehr anspruchsvolle Seite in der Kunst. „Die Form will gestaltet sein – das ist harte Arbeit.“

Lichtobjekte von Bernd Weimar

Lichtobjekte von Bernd Weimar.

Quelle: Regine Buddeke

Seit einigen Jahren nun hat sich Bernd Weimar auf die Fotografie geworfen. „Meine Familie ist lichttechnisch versorgt“, scherzt er. „Also musste etwas anderes kommen.“ Er fährt herum – in der Region, aber auch nach Venedig – läuft stundenlang herum und sucht das Besondere in dem, was er sieht. Gern auch in Schwarz-Weiß – da geht wieder der Grafiker mit ihm durch. Die Fotos stellt er in Bildbänden zusammen – um die 200 sind in den vergangenen zehn Jahren entstanden. Meist gibt es nur ein Exemplar von jedem. In einem hat er Brandenburger Köpfe versammelt – jahrelang ist er durch die Region gereist. Und ist dabei immer wieder auf Köpfe gestoßen. Die haben ihn ja auch schon in seiner Bildhauerphase interessiert. So suchte er auf Friedhöfen, in Kirchen und im alltäglichen Stadtbild. Und fand auch Erstaunliches. „Gerade bei Taufbecken bin ich oft auf ähnliche Köpfe gestoßen. Die Werkstätten scheinen damals auch schon in Serie gearbeitet zu haben.“ Ihn reizen teils unscheinbare Dinge, den Auslöser zu betätigen: es gibt einen Zyklus über Schaufensterpuppen, den er innerhalb weniger Minuten „schoss“, als seine Frau gerade die Regale eines Kaufhauses durchsuchte. Oder das Buch „Der weiße Stuhl“: Einzige Protagonisten waren besagter Stuhl und die untere Hälfte einer antiken Puppe, die ihm im Kornspeicher Neumühle vor die Linse kamen.

Puzzle

Puzzle: an diesem Lichtobjekt hat Weimar lange gebaut.

Quelle: Regine Buddeke

Nebenher erfreut es den Künstler, seine Skulpturen altern zu sehen. „Ich werde ja selber auch älter“, sagt er und zwinkert. Er forciert den Prozess sogar ganz bewusst, indem er die Figuren ins Freie stellt – zum Rosten. „Rost ist nicht gleich Rost“, sagt er. Die feuchte Ostseeluft etwa – drei Jahre durften sich Freunde dort eines seiner Werke in den Garten stellen – bringe ganz andere Spuren zutage als der märkische Wind. „So eine Patina bekommt man künstlich überhaupt nicht hin“, schwärmt Weimar und streicht liebevoll über die korrodierten Strukturen der „Zwangsexil“-Plastik.

Viele seiner Werke hat Bernd Weimar in Neuruppin schon ausgestellt und die Kunstszene damit enorm bereichert: im Neuruppiner Stadtpalais, wo er auch lebt und arbeitet. Aber auch in der Galerie am Bollwerk. Oder – ganz früher, 1978 – im Speisesaal der damaligen Elektrophysikalischen Werke (EPW), in denen er lange Chef der Erwachsenenbildung war. Gelernt hat Bernd Weimar einst nicht Kunst – sondern Maschinenschlosser, später studierte er Mathematik und Physik auf Lehramt. Um mehr Zeit für seine Kunst zu haben, wechselte Bernd Weimar 1986 an die Neuruppiner Volkshochschule, wo er Abiturklassen unterrichtete. „Dann habe ich sehr viel Zeit in meine Kunst investiert“, sagt er rückblickend.

Besonders gern denkt er an seine Ausstellung mit dem Rheinsberger Keramiker Karl Fulle zurück, den er sehr schätzt. „Er gehört deutschlandweit zu den besten seines Fachs“, sagt Weimar. Es sei ihm eine Ehre gewesen, als Fulle ihn gefragt habe, ob er nicht die leeren Wände füllen wolle, die zwischen seinen Keramik-Kunstwerken frei blieben. Weimar fotografierte diese daraufhin – in seiner ganz eigenen Sehweise. „Ich bin ja kein gelernter Fotograf. Ich will die Dinge aus meinem eigenen Blickwinkel zeigen“, sagt er. Er hat nun schon zwei Fulle-Bände im Schrank. Und Fulle-Tassen in seiner Vitrine – neben Exemplaren von Ursula Zänker, Siggi Artes, Martin Möhwald und anderen Keramikern. „Wir sammeln“, bekennt er. „Ich bin durchaus offen für die Kunst meiner Kollegen“, erklärt Bernd Weimar, dessen Wohnzimmer schon einer kleinen Galerie gleicht – überall kann man zwischen seinen eigenen Bildern, Skulpturen und Lichtobjekten auch Werke regionaler Künstler sehen.

Bildausschnitt

Bildausschnitt: Die Technik, Tusche zu spachteln, hat er selbst kreiert.

Quelle: Regine Buddeke

Selten einmal gibt Weimar seinen Werken Namen. „Ich will Bilder nicht erklären.“ Es seien optische Angebote, die den Betrachter einladen. „Dann kann jeder etwas anderes entdecken. Ich will den Leuten nicht vorschreiben, was sie zu sehen haben. Sie sollen ruhig selber denken.“ Ohnehin sei Freiraum in der Kunst das Wesentliche. „Ein Bild muss etwas beschreiben, was man mit Worten nicht ausdrücken kann“ – so Bernd Weimars Devise, der noch viele Pläne hat.

Die kleine Skulptur „Gehäuse für einen Heiligen“, die er irgendwann einmal auf sein Grab stellen lassen wollte, sei jedenfalls, so sagt er, laut Friedhofsordnung nicht erlaubt. Aber er sei ja auch kein Heiliger und hoffe, noch viel Zeit für seine Kunst zu haben. „Es gibt so viel Neues, das ich noch nicht ausprobiert habe“, sagt Bernd Weimar und lächelt verschmitzt.

Von Regine Buddeke

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