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Ostprignitz-Ruppin Künstlerporträt Schamil Gimajew
Lokales Ostprignitz-Ruppin Künstlerporträt Schamil Gimajew
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08:13 13.01.2018
Schamil Gimajew und seine Frau Ute. Quelle: Cornelia Felsch
Rheinsberg

Mit leuchtend roten Haaren stürmte der kleine Schamil vor über 50 Jahren als tatarischer Kämpfer mit seinen Freunden durch die Straßen des Heimatortes Kasan. „Wir haben schießen gespielt, meine Mutter hat von morgens bis abends gearbeitet“, sagt der 63-jährige Künstler Schamil Gimajew. Im Laufe seines Lebens ist er friedlicher geworden. Wenn er nicht malt, sitzt er in einem gemütlichen Zimmer seines Rheinsberger Hauses und trinkt mit seiner Frau Tee. Besucher werden an den Tisch gebeten und wenn sie Glück haben, holt der Maler seine Bandola heraus und spielt alte Weisen aus seiner Heimat in modernen Arrangements. Auf dem Kopf trägt er eine kleine, aus vielen Farben gestickte Kappe.

An der Wand hängen kleinformatige Ölbilder. Sie zeigen Ansichten seiner Heimatstadt Kasan, einer Wolga-Metropole, 800 Kilometer östlich von Moskau. Dort besuchte Schamil Gimajew die Kunstfachschule, die er 1973 als Kunsterzieher verließ. Schon als Jugendlicher hatte er sich viele Grundlagen selbst erarbeitet, immer im Schlepptau seines Bruders, der ebenfalls die künstlerische Karriere einschlug.

Schamil Gimajew malte Skizzen in vielen Städten. Quelle: Cornelia Felsch

Schamil Gimajew zeichnete nach Gipsmodellen und in Anatomie- Sälen, wohlmeinende Lehrer bauten auch für ihn ein Stillleben auf, obwohl er noch gar nicht zu den eingeschriebenen Studenten gehörte. Nebenbei übte er sich in anderen Künsten wie Akrobatik und Pantomime.

Seine erste Bewerbung an der Leningrader Kunstakademie wurde abgelehnt, er musste zuvor den Armeedienst absolvieren. 1976 war es dann soweit, sein Traum ging in Erfüllung – er wurde am Repin-Institut der Akademie der Künste in Leningrad aufgenommen. Dort studierte er nun nicht nur die alten Meister, sondern lernte auch seine künftige Frau Ute aus Deutschland kennen, die heute unter anderem im Rheinsberger Schloss als Restauratorin tätig ist.

„Damals besuchten wir zusammen die Vorlesungen“, erzählt sie. „Im Fach Kunstgeschichte gab es Dia-Vorträge, das war furchtbar langweilig.“ Bereits während des Studiums wurde der erste Sohn geboren.

Ausschnitt aus der East-Side-Gallery. Quelle: Cornelia Felsch

Schamil Gimajew beherrscht das Handwerk der klassischen Malerei – Impressionismus und Expressionismus hinterlassen ihre Spuren in seinen Bildern. Das Farbenspiel und das Licht faszinieren ihn. Sind es zu Beginn einfache, ländliche, folkloristische Motive, so malt er später viele Stadtlandschaften und Porträts. Dabei geht es ihm weniger um das realistische Abbild, sondern viel mehr um das Wesen, die Stimmung und die Seele der Menschen. An der Wand hängt eine Kopie eines Gemäldes, das Rogier van der Weyden 1440 malte – „Der heilige Lukas porträtiert die Madonna“.

Seine Frau Ute hat Schamil Gimajew immer wieder gemalt und gezeichnet. Ein Bild im Stil der Renaissancemalerei zeigt sie als schwangere Frau. „Damals war unser erster Sohn unterwegs“, sagt sie. 1983 übersiedelt die Familie nach Berlin-Lichtenberg. „Wir zogen in die Rusche-Straße mit Blick auf das Stasigebäude“, erzählt Ute Gimajew. „Wir waren gerade eingezogen, da baute Schamil seine Staffelei am Fenster auf und malte die schöne Aussicht. Es dauerte nicht lange, da klingelten zwei Männer in Ledermänteln an der Tür.“

Er hat während des Studiums eine Bild von Rogier van der Weyden kopiert. Quelle: Cornelia Felsch

Schamil Gimajew lacht heute über diese Geschichten und sofort fallen ihm neue Anekdoten ein. Es sprudelt aus ihm heraus, so dass seine Frau kaum mit dem Übersetzen hinterher kommt. Er erzählt von seinem ersten selbst verdienten Westgeld und von einem Eckhaus in der Berliner Pfarrstraße, das er als Auftragswerk malen sollte. Der Käufer hat mit einer Flasche Baileys-Likör bezahlt.

Der Maler erinnert sich an das Pink-Floyd-Konzert, das sie damals vom Charité-Gebäude aus verfolgten, und an eine Ausstellung, die er in einer Kneipe hatte. Betrunkene haben dort zwei seiner Bilder mit einem Messer zerschnitten. „Ich war übrigens auch ein Maueropfer“, sagt er und schmunzelt. Sein Unfall mit der Leiter an der Mauer passierte allerdings nach der Wende, als er eines seiner größten Werke an der East-Side-Gallery schuf. Wandmalereien im Stil der Graffito-Kunst befinden sich an mehreren Berliner Häusern. Für diese Zwecke verwendet Gimajew dann auch schon mal Acrylfarbe, obwohl er sie als künstlerisches Malmedium nicht sehr schätzt.

Das Rheinsberger Kurt Tucholsky Literaturmuseum zeigt noch bis zum 11. Februar Bilder von Schamil Gimajew unter dem Titel „Zwischen-Zeiten“. Geöffnet ist das Museum dienstags bis sonntags von 10 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 16 Uhr.

Von Cornelia Felsch

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