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Kult-Pfarrer verlässt Neustadt

Kirche Kult-Pfarrer verlässt Neustadt

In einer mit knapp 250 Gästen voll besetzten Köritzer Kirche wurde Pfarrer Wolf Fröhling am Sonntag verabschiedet. Was er in Neustadt erreichte und was ihm nach dem Wechsel nun in Zepernick-Schönow bevorsteht, erklärt der 45-Jährige im MAZ-Gespräch.

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Pfarrer Wolf Fröhling vor dem Gemeindehaus in der Schulstraße 3 in Neustadt-Köritz.

Quelle: Matthias Anke

Neustadt. In dieser Woche führt Pfarrer Wolf Fröhling in Neustadt seine letzten Amtshandlungen aus, bevor er die Region verlässt. Am Sonnabend ist sein letzter Arbeitstag.

MAZ: Herr Fröhling, Sie wurden nach über einem Jahrzehnt als Pfarrer nun am Sonntag beim Gottesdienst vom amtierenden Kyritz-Wusterhausener Superintendenten Alexander Bothe entpflichtet. Die Gäste ließen sich kaum zählen. Was war Ihr schönstes Geschenk?

Wolf Fröhling: Ein neuer Ständer für mein Keyboard, auf dem alle Kirchenältesten unterschrieben haben. Den alten hielt nur noch ein Fußballschal gerade so zusammen.

Sie hinterlassen wohl nicht einfach nur viele, sicherlich liebgewordene Kirchgänger, sondern vor allem auch als Interpret von Liedern und Texten beispielsweise von Otto Reutter oder Georg Kreisler eine Menge Fans. Wo müssen die denn hin, um Sie wieder zu erleben?

Fröhling: Zu „Schönet in Schönow“. Denn ohne mich endet in Kampehl ja die Kleinkunstreihe „Kalebuz-Kultur“. Die startete damals übrigens nur ein halbes Jahr nach meiner Ankunft hier, beginnend jeweils etwa am Geburtstag von Ritter Kalebuz im März und endend um des Ritters Todestag am 3. November.

Wobei Sie auch schon Mal einen Reutter-Text mit Beats von Coolio unterlegten und vor dem Kruzifix rappten! Was überraschte Sie denn jetzt selbst bei Ihrem Abschiedsgottesdienst am meisten?

Fröhling: Nico Müller, unser Gemeindekirchenratsvorsitzender in Köritz, der als Soldat in Afghanistan ist, schickte einen Videogruß auf CD via Feldpost. Das in der Kirche dann gezeigt zu bekommen, war eine Riesenüberraschung.

Was war mit seiner Anspielung auf Haie und Piranhas in der Schwenze gemeint und dass sie deutlich weniger geworden seien?

Fröhling: Es gibt gar keine mehr, rief ich dazwischen. Gemeint ist, dass es einst immer so war, dass der Fluss wie ein Riss durch die Kirchengemeinden Kampehl und Köritz auf der einen und Neustadt auf der anderen Seite ging, und auch in sich gab es Spaltungen. Heute aber tagen die Gemeindekirchenräte zusammen. Erst recht seit 2008, seitdem wir ein gemeinsamer Pfarrsprengel sind, besserte sich das.

Lag das nicht auch mit an Ihrer Frau Michaela?

Fröhling: Ich denke, ja. Wir teilten uns die Pfarrstelle schließlich und tauschten untereinander beziehungsweise vertraten uns während der Elternzeit, anders also als noch zu Zeiten der Pfarrer Freimark und Ritschel.

Wie viele Gemeindeglieder gibt es aktuell noch in den Orten?

Fröhling: I n Köritz sind es etwa 600, in Neustadt 300 und in Kampehl rund 50.

Ihre Frau ist schon vor genau einem Jahr verabschiedet worden und nun Seelsorgerin im Dominikus-Krankenhaus in Berlin-Hermsdorf. Sie werden 100-Prozent-Pfarrer im nicht unbedingt weit davon entfernten Zepernick. Was wollen Sie dort?

Fröhling: Die Gemeinden Zepernick und Schönow zusammenzuführen, wie es hier in Neustadt klappte, das ist mein Ziel. Obwohl ein Sprengel, tagen dort die Gemeindekirchenräte getrennt, es gibt keinen gemeinsamen Haushalt. Schönow wird kirchlich seit neun Jahren mitbetreut, seitdem dort der Pfarrer nach 36 Dienstjahren in den Ruhestand ging. Auch die beiden zuletzt noch amtierenden Pfarrer waren jeweils 30 Jahre lang dabei. So ist vieles einfach nur festgefahren. Es braucht also unbedingt frischen Wind. Zudem ist der demografische Wandel dort nicht angekommen, es gibt extremen Zuzug. Das ist damit alles ein bisschen anders als hier.

Bis auch Sie dann 30 Jahre dort verbracht haben.

Fröhling: Als Fußballfan denke ich mit jedem Spiel. Das lässt sich heute also noch nicht sagen. Zumindest bei Neustadt hatten wir uns von Anfang an auf zehn Jahre verständigt. Wir kamen ja als unbeschriebene Blätter. Nur dieses Mal sollte meine Frau die Richtung bestimmen. Wir nehmen mittlerweile schließlich drei Kinder mit. Bisher hieß es zudem immer, sie sei meinetwegen aus Westfalen nach Brandenburg gekommen, meinetwegen ins Oderbruch und nach Neuhardenberg, wo ich meine Entsendungsstelle hatte, und meinetwegen mit nach Neustadt.

Was passiert in der Übergangszeit bis zum November, bis Ihre Nachfolgerin Anja Grätz die Arbeit aufnimmt?

Fröhling: Der Zernitzer Pfarrer Jürgen Brückner und Lars Haake aus Sieversdorf werden sich für diese Vakanzzeit einbringen. Im August kommt mit Karsten Sohrt aus Kiel dann auch noch ein Ruheständler der sogenannten Zehntgemeinschaft als Unterstützung.

Was sind in diesen Tagen nun Ihre letzten Amtshandlungen?

Fröhling: Am Mittwoch ist Frauennachmittag, am Donnerstag Bibelstunde. Freitag muss ich in die Diakonie und für Sonnabend ist eine Beerdigung vorgesehen. Das ist dann aber wirklich mein hier allerletzer Arbeitstag, und es wäre übrigens auch der 93. Geburtstag von Georg Kreisler.

Wird es jemals wieder die Gelegenheit geben, Sie in der Region bei einem solchen Auftritt auch jenseits der Kanzel zu erleben?

Fröhling: Bestimmt! Musikalisch komme ich ansonsten spätestens am Sonnabend vor dem vierten Advent zurück, besser gesagt nach Kyritz. Dort bin ich beim Weihnachtsoratorium in der Stadtkirche der Alt-Solist.

Von Matthias Anke

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