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Kultur als Motor für ein ganzes Dorf

Buskow Kultur als Motor für ein ganzes Dorf

Der Grafiker, Drucker und Verleger Marc Johne will auf seinem Bodoni-Hof in Buskow bei Neuruppin nicht nur Bücher und anderes drucken, sondern auch eine Konzert- und Lesereihe ins Leben rufen. Kultur hält er für entscheidend für das Leben im Ort.

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Druckmaschinen stehen im alten Stall auf Marc Johnes Hof.

Quelle: Peter Geisler

Buskow. In den knallig orangefarbenen Regalen stapeln sich die Bücher bis unter die Decke. Dutzende Titel, das gesamte aktuelle Angebot der Edition Bodoni. Vier, fünf eigene Titel bringt der kleine Verlag in Buskow jedes Jahr heraus, dazu etliche Auftragsarbeiten. Im Moment bereiten sich Marc Johne und seine Kollegen auf die Leipziger Buchmesse vor, die vielleicht wichtigste Werbeveranstaltung im Jahr.

Johne ist Verlagschef, Grafiker, Drucker, Vereinssprecher und Museumsleiter in einem. Und jetzt auch noch Veranstaltungsmanager. Sein „Vielseithof“ an der Buskower Dorfstraße beherbergt nicht nur den Verlag Edition Bodoni. Im Bodoni-Museum, im alten Kuhstall wird unter der Ägide eines Vereins noch immer gedruckt, wie es früher üblich war: im Bleisatz mit beweglichen Lettern. Überall stehen alte Setz-, Druck- und Schneidemaschinen. Im Haus nebenan steht noch mehr Drucktechnik. Moderne computergesteuerte Anlagen, Schneideplotter, digitale Großformatdrucker. Vom Plakat bis zum Buck kann alles in Buskow gedruckt werden. Egal ob im Bleisatz oder per Computer.

Kultur soll den kleinen Ort beleben

Als hätte er noch nicht genug zu tun, wird Marc Johne jetzt auch noch Kulturveranstalter. „Kultur ist für mich ein Weg, mehr Leben ins Dorf zu bringen“, sagt er.

Das kleine Buskow wirkt etwas verschlafen. Viele Veranstaltungen gibt es nicht, schon gar nicht, seitdem das Dorf nicht einmal mehr einen Ortsvorsteher oder eine Ortsvorsteherin hat. Nachdem die frühere Ortschefin Beate Müller vor fast zwei Jahren fortgezogen ist, besteht der Ortsbeirat nur noch aus zwei Mitgliedern. Das Amt an der Spitze ist nach wie vor unbesetzt. Die Kirche von Buskow wird gerade saniert; auch dort sind Veranstaltungen seit Jahren rar.

Der alte Kuhstall ist Satzwerkstatt, Druckereimuseum und Konzertraum in einem

Der alte Kuhstall ist Satzwerkstatt, Druckereimuseum und Konzertraum in einem.

Quelle: Peter Geisler

Für Marc Johne ist Kultur unheimlich wichtig – für das Leben im Dorf und als Motor für gesellschaftliche Veränderung. Einzelne Konzerte haben er und seine Frau auf ihrem Hof in den vergangenen Jahren schon organisiert. Jetzt soll daraus eine feste Reihe werden, vielleicht werden es sogar mehrere.

Das Konzert mit Hans-Eckardt Wenzel im vergangenen Jahr war quasi der Auftakt dazu. Gut 250 Gäste kamen im September, um dem ostdeutschen Liedermacher, politischen Poeten und Komödianten zu lauschen.

„Ich kenne Wenzel schon seit mehr als zehn Jahren“, sagt Marc Johne. Den Künstler für Buskow zu begeistern war deshalb nicht allzu schwer. Und Hans-Eckardt Wenzel war begeistert. So sehr, dass er in diesem Jahr gleich mehrfach wieder nach Buskow kommt.

Fassbinders Blick auf die Bundesrepublik

Zum Beispiel am 20. April. Zusammen mit Grünen-Politikerin und Autorin Antje Vollmer will er das gemeinsame Buch „Hinter den Bildern die Welt“ vorstellen. Wenzel und Vollmer debattieren darin in einem Briefwechsel über den Blick des Regisseurs, Autors und Schauspielers Rainer Werner Fassbinder (1945 – 1982) auf die Bundesrepu­blik.

Seinen „Salon im Kuhstall“ will Marc Johne als eigene Marke ins Gespräch bringen. Lesungen, Konzerte, Tanz zwischen Druckmaschinen im alten, sanierten Stall des Buskower Hofes. Kultur wird es aber auch außerhalb des Stalls geben. Am 9. September etwa, wenn Hans-Eckardt Wenzel mit Band auf dem Hof ein Open-Air-Konzert geben wird. „Meine Idee ist es, Kultur von hier mit Kultur von außen zu verbinden“, sagt der Künstler und Unternehmer aus Buskow. „Von außen“ kommt in diesem Fall der Liedermacher Wenzel, „von hier“ stammen junge Musiker der Kreismusikschule, die Marc Johne für ein Konzert in Buskow zu gewinnen hofft.

In Buskow kann noch mit beweglichen Lettern im Bleisatz gedruckt werden

In Buskow kann noch mit beweglichen Lettern im Bleisatz gedruckt werden

Quelle: Peter Geisler

Doch nicht immer muss es Musik sein. Am 11. November steht etwa eine große Whisky- und Weinverkostung auf dem Programm – verbunden mit einer Krimilesung. Ohnehin sind Lesungen und Buchvorstellungen das ganze Jahr über immer mal wieder geplant.

Den kulturellen Höhepunkt des Jahres erwartet Marc Johne allerdings für November mit einem Filmprogramm. Hans-Eckardt Wenzel und Antje Vollmer setzen sich dabei mit dem Werk von Filmregisseurs Konrad Wolf (1925 – 1982) auseinander. Wenn alles klappt, wird dazu ein dritter prominenter Gast nach Buskow kommen: Angel Wagenstein. Der 94-Jährige hat das Drehbuch zu Konrad Wolfs Film „Sterne“ von 1959 geschrieben, einem Film, der sich mit der Verantwortung der Deutschen im Holocaust befasst. „Sterne“ spielt im Jahr 1943 in einem Dorf in Bulgarien, in dem ein deutscher Soldat sich in eine junge Jüdin verliebt, die während ihres Transportes nach Auschwitz in dem Ort Halt macht. Natürlich wird die hoch gelobte Defa-Produktion an diesem Abend in Buskow zu sehen sein. Angel Wagenstein lebt heute in Sofia. Marc Johne hofft, mit ihm über die Entstehung des Filmes sprechen zu können.

Er will „den Menschen einen alternativen Blick auf die Welt ermöglichen“. Für Marc Johne ist das ein Antrieb, bei allem, was er tut. Als Grafiker und Verleger ebenso wie als Veranstalter. Dazu gehört auch der Heine-Abend mit Musik und Lesung, der für den 9. Dezember geplant ist. RBB-Moderator Frank Schroeder spricht Texte von Heine, die Musik stammt vom Gitarristen Jens-Peter Kruse.

Das Programm ist im Internet auf www.bodoni.org nachzulesen.

Von Reyk Grunow

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