Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 2 ° Schneeregen

Navigation:
Kulturhaus als Arschkrampen-Kneipe

Neuruppin Kulturhaus als Arschkrampen-Kneipe

Satire bar jeder politischen oder sonstigen Korrektheit ist das Markenzeichen von Dietmar Wischmeyer und Oliver Kalkofe – speziell, wenn sie als „Die Arschkrampen“ auftreten. Die beiden widerlichen alkoholabhängigen Ekeltypen Kurt und Gürgen waren am Donnerstag erstmals live in Neuruppin zu erleben.

Voriger Artikel
Landkreis schließt Flüchtlingsheime und zahlt
Nächster Artikel
Gefährliche Tierliebe – Ponys im Stall gefüttert

Oliver Kalkofe (l.) und Dietmar Wischmeyer als „die Arschkrampen“ Gürgen Ferkulat und Kurt Adolf Amadeus Krampmeier.

Quelle: Christian Schmettow

Neuruppin. „Das ist schon sehr speziell“, sagt eine Frau beim Hinausgehen. So könnte man das auch nennen. Zwei Stunden lang ging es im voll besetzten Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten am Donnerstagabend um menschliche Ausscheidungen, von denen „Göbelmasse“ noch die harmloseste ist.

Der Satiriker Dietmar Wischmeyer („Der kleine Tierfreund“) war zwar schon oft solo in der Fontane­stadt, nie zuvor aber zusammen mit Oliver Kalkofe („Kalkofes Mattscheibe“, „Der Wixxer“). Was ein solches Zusammentreffen bedeutet, weiß, wer in den 90er-Jahren „Frühstyxradio“ gehört hat: „Arschkrampenzeit“. 1989 gingen die Hörspiele um den arbeitslosen, aber grobmotorisch hochbegabten Alkoholiker Kurt Adolf Amadeus Krampmeier und seinen unterwürfigen Saufkumpanen Gürgen Ferkulat erstmals auf Sendung bei Radio ffn, später auch beim RBB-Sender „Fritz“. Seitdem ist ein ganzes Universum kaputter Typen rund um die Arschkrampen entstanden.

Sexuelle Irrwege führen in den Zoo

Die Kneipengespräche bar jeder politischer oder sonstiger Korrektheit sind Kult – selten wird Ekliges in so elaborierter Sprache ausgedrückt und in immer neue Wortschöpfungen gekleidet. Das macht den Reiz der Arschkrampen aus: Der studierte Philosoph und Literaturwissenschaftler Dietmar Wischmeyer blitzt mit kleinen Lebensweisheiten immer wieder kurz durch den Nebel von Ausdünstungen, Exkrementen und sexuellen Verirrungen, die bis in den städtischen Zoo führen können. Der Zoo interessiert Kurt zwar einen Dreck, „aber ich hatte ’ner Omma im Bus das Portemonaie geklaut, da war die Dauerkarte drin“, sagt Kurt. Und die darf man nicht verfallen lassen.

Speziell: Reinheitsgebot für Ballerbrühe

Auch das deutsche Reinheitsgebot interpretieren die Arschkrampen auf ihre Weise. Ins Bier („Ballerbrühe“) gehören neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser auch Tzaziki (Kurt) und Erdbeerjoghurt (Gürgen). Das trinken sie in Neuruppin vor Publikum zu Dialogen wie:

„Ich war bei einer Veranstaltung der SPD.“ – „Was?“ – „Pils 50 Cent.“ – „Ach so.“ – „Jedenfalls sabbelte da so’ne alte Kreissäge rum.“ – „An­drea Nahles?“ – „Nein, ich glaub, es war ’ne Frau.“

Ein Hol- und Bringeservice für Bier

Es geht um Briefe vom „Arschmadenkombinat“ (Jobcenter), um „die Matratze vom Erich“ (Margot) und um „St. Kurts freiwillige Altenpflege“ – genauer gesagt, um einen Bier-Hol- und Bringservice. Und da nicht jede „Omma“ zwei Kisten Pils pro Tag alleine schafft, bieten Kurt und sein Kumpel da einen Zusatzservice an – ja, genau den. Schließlich ist Leergut „gefrorenes Kapital“ – das darf nicht zu lange rumstehen.

Spaltbares Material an der Bretterpenne

Wer die Arschkrampen regelmäßig im Radio gehört hat, erlebte am Donnerstag allerdings kaum neue Nummern aus der Schankwirtschaft „Bei Gertrud“ oder aus Kurts Schulzeit an der „Bretterpenne“. Auch dort geht es meist um Frauen, die „Rochen“ heißen, „Loch“, „Brett“, „Gabi“, „spaltbares Material“ oder auch mal „Stefan“. Dass Frauen es nicht nett finden, wenn zwei widerliche Scheißtypen so über sie reden, hat selbst Kurt an anderer Stelle einmal eingeräumt: „Ja schon. Aber wen interessiert die Meinung der Apfelsine über die Handelsklasse?“

Nach der Vorstellung bildete sich eine lange Schlange am Autogrammtisch.

Lesen Sie auch:

Interview mit Kalkofe und Wischmeyer >

Von Christian Schmettow

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Ostprignitz-Ruppin
123c76c4-dff8-11e7-a15f-f363db308704
Fontanestadt Neuruppin „damals und heute“

Neuruppin ist die Kreisstadt des Landkreises Ostprignitz-Ruppn. Der Ort erhielt 1256 das Stadtrecht und ist bekannt als Geburtsstadt von Schriftsteller Theodor Fontane und Baumeister Karl Friedrich Schinkel.

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg