Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Ostprignitz-Ruppin Kulturhaus als Arschkrampen-Kneipe
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kulturhaus als Arschkrampen-Kneipe
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:58 16.12.2016
Oliver Kalkofe (l.) und Dietmar Wischmeyer als „die Arschkrampen“ Gürgen Ferkulat und Kurt Adolf Amadeus Krampmeier. Quelle: Christian Schmettow
Anzeige
Neuruppin

„Das ist schon sehr speziell“, sagt eine Frau beim Hinausgehen. So könnte man das auch nennen. Zwei Stunden lang ging es im voll besetzten Neuruppiner Kulturhaus Stadtgarten am Donnerstagabend um menschliche Ausscheidungen, von denen „Göbelmasse“ noch die harmloseste ist.

Der Satiriker Dietmar Wischmeyer („Der kleine Tierfreund“) war zwar schon oft solo in der Fontane­stadt, nie zuvor aber zusammen mit Oliver Kalkofe („Kalkofes Mattscheibe“, „Der Wixxer“). Was ein solches Zusammentreffen bedeutet, weiß, wer in den 90er-Jahren „Frühstyxradio“ gehört hat: „Arschkrampenzeit“. 1989 gingen die Hörspiele um den arbeitslosen, aber grobmotorisch hochbegabten Alkoholiker Kurt Adolf Amadeus Krampmeier und seinen unterwürfigen Saufkumpanen Gürgen Ferkulat erstmals auf Sendung bei Radio ffn, später auch beim RBB-Sender „Fritz“. Seitdem ist ein ganzes Universum kaputter Typen rund um die Arschkrampen entstanden.

Sexuelle Irrwege führen in den Zoo

Die Kneipengespräche bar jeder politischer oder sonstiger Korrektheit sind Kult – selten wird Ekliges in so elaborierter Sprache ausgedrückt und in immer neue Wortschöpfungen gekleidet. Das macht den Reiz der Arschkrampen aus: Der studierte Philosoph und Literaturwissenschaftler Dietmar Wischmeyer blitzt mit kleinen Lebensweisheiten immer wieder kurz durch den Nebel von Ausdünstungen, Exkrementen und sexuellen Verirrungen, die bis in den städtischen Zoo führen können. Der Zoo interessiert Kurt zwar einen Dreck, „aber ich hatte ’ner Omma im Bus das Portemonaie geklaut, da war die Dauerkarte drin“, sagt Kurt. Und die darf man nicht verfallen lassen.

Speziell: Reinheitsgebot für Ballerbrühe

Auch das deutsche Reinheitsgebot interpretieren die Arschkrampen auf ihre Weise. Ins Bier („Ballerbrühe“) gehören neben Hopfen, Malz, Hefe und Wasser auch Tzaziki (Kurt) und Erdbeerjoghurt (Gürgen). Das trinken sie in Neuruppin vor Publikum zu Dialogen wie:

„Ich war bei einer Veranstaltung der SPD.“ – „Was?“ – „Pils 50 Cent.“ – „Ach so.“ – „Jedenfalls sabbelte da so’ne alte Kreissäge rum.“ – „An­drea Nahles?“ – „Nein, ich glaub, es war ’ne Frau.“

Ein Hol- und Bringeservice für Bier

Es geht um Briefe vom „Arschmadenkombinat“ (Jobcenter), um „die Matratze vom Erich“ (Margot) und um „St. Kurts freiwillige Altenpflege“ – genauer gesagt, um einen Bier-Hol- und Bringservice. Und da nicht jede „Omma“ zwei Kisten Pils pro Tag alleine schafft, bieten Kurt und sein Kumpel da einen Zusatzservice an – ja, genau den. Schließlich ist Leergut „gefrorenes Kapital“ – das darf nicht zu lange rumstehen.

Spaltbares Material an der Bretterpenne

Wer die Arschkrampen regelmäßig im Radio gehört hat, erlebte am Donnerstag allerdings kaum neue Nummern aus der Schankwirtschaft „Bei Gertrud“ oder aus Kurts Schulzeit an der „Bretterpenne“. Auch dort geht es meist um Frauen, die „Rochen“ heißen, „Loch“, „Brett“, „Gabi“, „spaltbares Material“ oder auch mal „Stefan“. Dass Frauen es nicht nett finden, wenn zwei widerliche Scheißtypen so über sie reden, hat selbst Kurt an anderer Stelle einmal eingeräumt: „Ja schon. Aber wen interessiert die Meinung der Apfelsine über die Handelsklasse?“

Nach der Vorstellung bildete sich eine lange Schlange am Autogrammtisch.

Lesen Sie auch:

Interview mit Kalkofe und Wischmeyer >

Von Christian Schmettow

Um vorzeitig aus Mietverträgen für zwei Flüchtlingsheime zu kommen, die nicht mehr gebraucht werden, ist der Landkreis bereit, 1,7 Millionen Euro zu zahlen. Der Kreistag hat dieses Vorgehen im nichtöffentlichen Teil seiner Sitzung bereits abgesegnet. Kritik gibt es dennoch – und zwar von zwei Abgeordneten aus Rheinsberg.

18.12.2016

Die 130 Beschäftigten der Kakaofabrik Euromar in Fehrbellin müssen weiterhin um ihre Jobs bangen. Denn noch ruht die Produktion, noch hat der Insolvenzverwalter kein Geld besorgen können, damit der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Die Gewerkschaft NGG glaubt, dass das Management für die missliche Lage der Kakaofabrik verantwortlich ist.

15.12.2016

Fast 900 Parkplätze gibt es aktuell in und um das historische Zentrum der Dossestadt. Das Angebot reicht nach Auskunft der Wittstocker Stadtverwaltung völlig aus, zumal die meisten Plätze gebührenfrei sind. Im Zuge der zur Landesgartenschau 2019 erwarteten Touristen soll bis dahin jedoch eine Erweiterung der Parkflächen erfolgen – an einem zentralen Punkt vor den Stadttoren.

18.12.2016
Anzeige