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Kunst als Sprache der Seele

Gumtow Kunst als Sprache der Seele

In der Gumtower Galerie 5 sind derzeit Bilder von Ekaterina und Margarita Uskova ausgestellt. Es sind zwei Schwestern, deren Lebenswege bislang recht verzweigt verliefen. Auch die Kunst der beiden unterscheidet sich deutlich voneinander.

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Ekaterina (l.) und Margarita Uskova.

Quelle: Renate Zunke

Gumtow. Neue Ausstellung in der Galerie 5, Schmiede Zempel, in Gumtow: Wieder sind es zwei Schwestern, die ihre Werke präsentieren. Nach den Bildern von Beate Witt und Dana Doris Bellmann öffneten Karin und Eckhard Zempel ihr „Kunst-Wohnzimmer“ jetzt für die Schwestern Ekaterina und Margarita Uskova.

Während die 34-jährige Ekaterina in Hamburg lebt, ist die zwei Jahre jüngere Schwester Margarita im spanischen Barcelona zuhause. Die Lebensreise der Geschwister kann bereits einige Stationen aufweisen. 1982 und 1983 in Samara in Russland geboren, zogen die sieben und neun Jahre alten Mädchen nach der Scheidung der Eltern mit Mutter Marita zur deutschstämmigen Großmutter (mütterlicherseits) nach Kasachstan. Drei Jahre später wanderte die Familie nach Deutschland aus.

Stationen zweier Künstlerinnen: Russland, Hamburg, Irland, Barcelona

Erste Station war Bad Oldesloe bei Hamburg. Der Anfang war schwierig. „Ich wusste immer, ich muss so schnell wie möglich die deutsche Sprache beherrschen“, sagt Margarita, die Jüngere. Sie machte das Abitur, danach ihren Masterabschluss „International Management“ mit Schwerpunkt auf Finanz- und Rechnungswesen. Seit dem Jahr 2012 arbeitete sie als Consultant für Strategie- und Organisationsentwicklung in Hamburg, beriet internationale Konzerne und mittelständische Unternehmen. Nun lebt sie in Barcelona, wo sie das Büro des Hamburger Unternehmens leitet. Seit 2011 hat sie drei Fachbücher zum Thema „Strategisches Finanzmanagement“ veröffentlicht. Kunst spielt in ihrem Leben eine wichtige Rolle.

Margarita Uskova mag es, mit Strukturen zu arbeiten

Margarita Uskova mag es, mit Strukturen zu arbeiten. Ihr Material reicht vom Isolierschaum bis hin zu Kaffeebohnen

Quelle: Renate Zunke

Ihre ältere Schwester Ekaterina bekennt: „Ich war immer der kleine Rebell“. Sie besuchte die Realschule und sagt: „Lernen war nicht so mein Ding. Ich war meistens mit anderen Dingen beschäftigt“. Aber sie hat dann doch noch das Abitur gemacht. Ihre Zeit als Au-pair-Mädchen in Irland endete der Liebe wegen schon nach zwei Wochen. Danach machte sie ein Praktikum in einer Blindenschule, in der Mutter Marita Arbeit gefunden hatte. Sie war in Russland als Lehrerin tätig gewesen. Zuerst wurde ihr Abschluss in Deutschland nicht anerkannt. Für Tochter Ekaterina hat das Praktikum die Weichen gestellt: „Die Arbeit mit den behinderten Kindern ist wunderbar“, stellte sie fest. Deshalb entschied sie sich, „Blinden- und Schwerhörpädagogik“ zu studieren, mit Schwerpunkt auf Technik, Arbeitslehre und Hauswirtschaft. Zurzeit absolviert sie in Hamburg ihre Referendarzeit. Wohin das Leben sie führen wird, weiß sie noch nicht. Sie fühlt sich „wie ein Bäumchen, das entwurzelt wurde und nie wieder Wurzeln geschlagen hat“. Ekaterina erklärt: „Meine Reise geht irgendwann weiter, denn Veränderung ist das einzig Beständige im Leben.“ Was vor ihr liegt, will sie mit viel Offenheit begegnen.

Doch ihre Collagen, in Gumtow zu sehen, sind eine Reise in die Vergangenheit. „Wie ein Puzzle zusammengesetzt, sind sie ein Tagebuch, das meine Seele schrieb“, meint die junge Frau. Sie klebt Ausgeschnittenes auf Presspappe, arbeitet mit Nagellack und Schablonen, sprüht zum Beispiel auch mal Farbe durch eine Knoblauchpresse, die sie vorher auseinandergenommen hat. Es ist ein Schaffensprozess, von dessen Ergebnis sich die Künstlerin überraschen lässt. Erst im Nachhinein erkennt sie, was da aus dem Unterbewussten zutage tritt. „Das Kind bekämpft die Dämonen und beginnt aufzuräumen. Die Collagen werden heller und friedlicher“, erklärt Ekaterina.

Ekaterina Uskova ist auf Collagen fixiert

Ekaterina Uskova ist auf Collagen fixiert. Ihre Werke wirken dadurch oft sehr bunt.

Quelle: Renate Zunke

Auch für Schwester Margarita ist Kunst die Sprache der Seele. Sie sagt: „Meine abstrakten Bilder nenne ich oft das Echo meiner Seele“. Wenn sie malt, dann denkt sie nicht. Sie fühlt. „Und diese Gefühle werden auf der Leinwand sichtbar“, beschreibt Margarita ihre Arbeitsweise. Zwischen ihren Kunstwerken und denen der Schwester liegen dennoch Welten – was Technik und Ergebnis betrifft. Margarita mag es, mit Strukturen zu arbeiten. Ohne je einen Malkurs besucht zu haben, kreiert sie ihre Bilder und findet die eigene Handschrift. Sie arbeitet mit Strukturpaste, auch Isolierschaum, benutzt Kaffeebohnen oder Zimt.

Groß ist die Kiste mit Materialien. Davon lässt sie sich inspirieren. Manche ihrer Bilder sind in der Dusche entstanden. Hier lässt die Künstlerin Acrylfarben über das Bild laufen. Alkohol dazu ergibt eine bestimmte Wirkung. Und den Föhn zum Trocknen der Bilder nahm Margarita zuerst nur, weil sie ungeduldig war. Jetzt weiß sie, dass das Föhnen einen besonderen Effekt erzielt und benutzt es ganz bewusst. Sowieso setzt sie Geräte ein, die sie gerade zur Hand hat, so zum Beispiel auch einen Duschabzieher. Ihre Werke lassen sich keinem bestimmten Stil zuordnen. Sie zu interpretieren, das überlässt Margarita dem Betrachter.

Besichtigung bis 11. November möglich

Die Bilder der Schwestern Ekaterina und Margarita Uskova sind noch bis zum Freitag, 11. November, in der Galerie 5 in Gumtow, Berliner Straße 18 (alte Schmiede) ausgestellt. Die Galerie befindet sich – wie der Name erahnen lässt – an der B 5.

Kunstinteressierte können einfach an der Tür klingeln, wenn sie die Ausstellung besichtigen möchten. Sofern Eckhard und Karin Zempel zu Hause sind, öffnen sie Besuchern gerne ihr Domizil.

Sich für Besichtigungen vorab anzumelden, ist allerdings sicherer und möglich unter Zempels Galerie-Rufnummer:
Tel.  033977/ 12 99 20.

Von Renate Zunke

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