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Kunst, die aus der Seele kommt

Mödlich Kunst, die aus der Seele kommt

Bernd Streiter lebt seinen Lebenstraum - als Zeichner, Illustrator, Bildhauer und Maler in Mödlich. Schon als vier Jahre altes Kind faszinierte ihn die Malerei, und er verfolgte hartnäckig sein Ziel, so etwas auch zu können. Heute ist er ein deutschlandweit anerkannter Künstler, der auch vor der Arbeit an großen Metallplastiken keine Scheu hat.

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Damit fing vor 50 Jahren alles an: Den damals Vierjährigen faszinierte, wie der Vater den Wandbehang malte.

Mödlich. Im Jahr 1966 irgendwo in einer Perleberger Plattenbauten-Wohnung: Ein Mann malt eine Szene an einen Wandbehang für die Wohnung. Das Bild zeigt einen Bauern, der sich nach einer heruntergefallenen Getreideähre bückt. Sein vierjähriger Sohn steht dabei und schaut zu. Er ist von dem, was sich da tut, derart gefangen, dass er nicht einmal merkt, wie sein Körper sein Recht fordert. Aber eines weiß er ab diesem Tag: „Das hier ist meins!“

Heute, 50 Jahre später, hängt besagtes Deko-Stück noch immer an der Wand, aber diese gehört zu einem Haus in Mödlich. Dort lebt Bernd Streiter seit knapp 20 Jahren. „Es ist alles eingetroffen, wonach ich gesucht und gestrebt habe“, sagt der – längst deutschlandweit bekannte – Künstler.

Wohnen mit Blick auf den Fluss

Dazu gehört nicht nur, direkt an der Elbe mit dem Blick auf den Fluss zu wohnen, „was ich mir auch immer gewünscht habe“. Dazu gehört in erster Linie, dass aus dem kindlichen Kunstbewunderer ein vollblütiger Zeichner, Illustrator, Bildhauer und Maler geworden ist. Und nicht etwa einer, der dem gerade herrschenden Mainstream blind folgt, sondern einer, der nur das, abbildet, was er als künstlerisch wahr empfindet. „Der Zeitgeist kann mir den Buckel runterrutschen. Ich folge meiner Begeisterung, dem Licht meines Weges.“ heißt es auf seiner Internetseite.

Begeisterung, Intuition und ein meisterhaftes Können erschufen bisher ein Œuvre, welches von Radierungen und Glasmalereien über Skulpturen und Illustrationen bis hin zu Handzeichnungen reicht. Zu finden sind darin unter anderem Prignitzer Landschaftsradierungen, Illustrationen zu Benn- und Trakl-Lyrik sowie zu Kinderbüchern und Zeichnungen zum „Ackermann von Böhmen“, einem bereits um 1400 geschriebenen Text. Den bronzenen, eisernen und hölzernen Plastiken, die manchmal ganz versteckt, manchmal auch auf öffentlichen Plätzen in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt zu finden sind, ist eines gemeinsam: Sie sind nicht nur naturalistisch, sondern auch formvollendet menschlich. Hier findet der Humor ihres Schöpfers seinen unverkennbaren Ausdruck.

Regine Hildebrand aus Bronze in Bad Saarow

Wer das Glück hat, den Meister in seiner privaten Werkstatt zu besuchen, fühlt sich wie in einer Galerie: Auf Schränken stehen die Charakterköpfe von Helmut Kohl und Helmut Schmidt, und auch Regine Hildebrandt, längst in einer Bronzeplastik vor der Bad Saarower Schwangerenklinik verewigt, grüßt von der Wand.

In einem anderen Zimmer hängen die bestechend ausdrucksvollen Originale zu „Herr von Ribbeck zu Ribbeck im Havelland“, und kleine Plastiken, die man längst „in groß“ gesehen hat, komplettieren das künstlerische Umfeld des gebürtigen Havelbergers.

Zum Lehrer war er nicht geboren

Dabei war Bernd Streiters Lebensweg nicht gerade eben: „Weil es gar keinen Zweck hatte, sich als junger Spund für die Grafik zu bewerben – die nehmen einen eh nicht!“, widmete er sich ab 1984 dem Studium Kunsterziehung/Deutsch an der Berliner Humboldt-Universität. Doch im 4. Studienjahr brach der damals 26-Jährige ab: „Ich wusste, dass ich nicht zum Lehrer geboren war“. „Doch was nun? Ich wusste es nicht!“ Ein Freund, der damals bereits an der Leipziger Hochschule für Grafik und Buchkunst studierte, riet ihm, „Rolf Kuhrt – dem Professor und damaligen Leiter der Fachklasse für Malerei und Grafik – mal eine Mappe mit Arbeiten vorbeizubringen“. Die Mappe kam. Eine Woche später hatte Bernd Streiter seine Zulassung in der Tasche – als Einsteiger für das 3. Studienjahr.

Als Künstler auf der Plattenburg

Nach dem mit großem Erfolg abgeschlossenen Examen ließ sich der junge Künstler auf der Plattenburg nieder, „die mir viel Kraft und Inspirationen gegeben hat“. Dort entstand auch der eiserne „Charon“, nach der griechischen Mythologie ein Fährmann, der die Toten für einen Obolus über den Acheron bringt. Der Fährmann hat seinen endgültigen Platz auf dem Mödlicher Deich gefunden. Irgendwo in der Nähe hat auch der Künstler seinen Platz gefunden, unermüdlich seine gewichtigen zwei- und dreidimensionalen Figuren erschaffend. Für die großen Plastiken benutzt er sein Atelier in Lenzen. „Mein gegenwärtiges Projekt sind Zeichnungen zu einem Buch der Berliner Regisseurin und Autorin Dörte Grimm, das vom Pritzwalker Räuber Heine Clemens handelt“, sagt er.

Der Tod ist gewiss, die Stunde kennt man nicht

Und dann sind noch mehr Originale an den Wänden zu sehen, obwohl „nur“ aus Kreide, fast zum Greifen lebendig, die auf subtile Art heiter-gemütvoll-originell wirken und dennoch zum Nachdenken anregen: ein mehr als lebensgroßer bunter Hahn aus Mödlichen Gefilden, eine am „Tag des Zornes“ über einem Küchentuch schwebende Flunder und ein beeindruckendes Schwein mit einer darunter überaus passenden lateinischen Weisheit in ebensolchen Lettern: Mors certa, hora incerta (Der Tod ist sicher, die Stunde ist unsicher).

„Kunst kommt nicht aus der Kunst heraus, wie es heute so gern gelehrt wird“, sagt Bernd Streiter zuletzt. „Kunst kommt aus der Seele heraus, und das spürt der Betrachter genau!“

Von Kerstin Beck

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