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Kunst im Museum: Der Orient, wie er einst war

Neuruppin Kunst im Museum: Der Orient, wie er einst war

Der in Neuruppin geborene Künstler Wilhelm Gentz (1822 – 1890) gilt wohl als der größte deutsche Orientmaler im 19. Jahrhundert. Er wollte das Leben jenseits der Grenzen von Europa zeigen, wie es zu seiner Zeit wirklich war. Jetzt zeigt das Neuruppiner Museum eine neues, beeindruckendes Bild von ihm, eine Dauerleihgabe.

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Seit Dienstag ist das große Bild von Wilhelm Gentz im Neuruppiner Museum zu sehen.

Quelle: Peter Geisler

Neuruppin. Der Prediger zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Mit leicht erhobenen Händen steht er da und betet. Um ihn herum sitzen Menschen auf dem Boden oder stehen in Gruppen: Männer, Frauen, Kinder. Alle blicken ihn gebannt an. Die Szene spielt im Schatten einer Wüstendüne. Weit im Hintergrund beleuchten die Strahlen der niedrig stehenden Sonne einen Berg.

Ob die Szene am Abend spielt oder am Morgen bleibt dem Beobachter erst einmal verborgen. Was dagegen sofort ins Auge fällt, ist die Detailtreue, mit der der Maler die Menschen auf die Leinwand gebracht hat. Das Ölgemälde wirkt fast wie eine Fotografie. Authentisch und keinesfalls künstlich.

Gentz wollte das echte Leben zeigen, nicht die Exotik ferner Länder

„Das war eine Besonderheit von Wilhelm Gentz“, sagt Dorothea Leicht. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Neuruppiner Museums hat sich intensiv mit Gentz beschäftigt – dem wohl berühmtesten deutschen Orientmaler im 19. Jahrhundert. Seit Dienstag zeigt das Museum ein neues Werk von ihm – das größte, das Neuruppiner bisher ausstellen konnten und zugleich eine der letzten Arbeiten von Wilhelm Gentz.

Der „Prediger in der Wüste“ ist eine Dauerleihgabe. Eine Familie aus Recklinghausen hat das Bild dem Neuruppiner Museum als Ausstellungsobjekt auf unbestimmte Zeit überlassen. Seit 1961 hatte die Familie das Bild in privaten Besitz. Doch wegen seiner Größe braucht es viele Platz – zu viel für die privaten Eigentümer. Sie haben sich nach einem Ort umgesehen, an dem das Bild besser aufgehoben wäre und kamen schließlich auf das Neuruppin. „Wir waren seit Längerem im Gespräch“, sagt Carola Zimmermann vom Museum.

Das Museum hat eine der größten Gentz-Sammlungen

Das Neuruppiner Haus hat eine der größten Sammlungen von Gentz-Arbeiten. Wie viele es genau sind, können Dorothea Leicht und Carola Zimmermann nur ahnen. Die meisten Bilder sind Skizzen, viele wurden dem Museum von anderen Besitzern überlassen, vom Historischen Verein oder von Privateigentümern.

„Für das Museum ist das eine günstige Möglichkeit, solche Objekte zu zeigen“, sagt Kultur- und Sozialdezernent Thomas Fengler. Die Stadt als Träger des Museums hat kaum Geld, um solche Bilder zu kaufen. Leihgaben sind besonders willkommen – zumal von so prominenten Künstlern.

Von Neuruppin über Berlin, Paris und London nach Ägypten

Wilhelm Gentz wurde 1822 in Neuruppin geboren. In Berlin begann er eine Ausbildung im Atelier des Malers August von Kloeben, wechselte zur Akademie in Antwerpen, später nach Paris und London. Ab 1850 reiste er immer wieder in den Orient. Im Gegensatz zu andere Künstlern seiner Zeit wollte er nicht die Exotik der Welt außerhalb Europas zeigen, sondern das authentische Leben der Menschen.

Auch wenn der „Prediger in der Wüste“ wahrscheinlich eine Komposition ist, hat Gentz darin doch viele Motive verarbeitet, die er so aus seinem monatelangen Aufenthalten in Ägypten und anderen Ländern kannte. Das beeindruckende Gemälde ist 1888 entstanden, zwei Jahre vor Gentz’ Tod.

Von Reyk Grunow

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