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Kunsthandwerk aus Gildenhall

Neuruppin Kunsthandwerk aus Gildenhall

„Als ob alle Tage Sonntag wäre“ – so lautet der Titel der Ausstellung über die Kunsthandwerkersiedlung in Gildenhall. Mit der Schaffung der Siedlungsgemeinschaft von Handwerkern, Künstlern und Architekten erfüllte sich der Bauunternehmer Georg Heyer 1921 einen Traum.

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Der Keramiker und Kurator Hendrik Schink führt Ministerin Kathrin Schneider und Arne Krohn durch die Ausstellung.

Quelle: Cornelia Felsch

Neuruppin. Schaffenskraft und Ausdauer sollten die Kunsthandwerker mitbringen, die sich auf den Weg nach Gildenhall machten. So stand es im Gründungsaufruf vom Januar 1921. Im Sommer desselben Jahres wurde mit dem Bau der ersten Häuser für die Kunsthandwerkersiedlung begonnen. 95 Jahre sind seitdem vergangen. Die Erinnerung an jene Zeit ist verblasst.

Die Freilandsiedlung Gildenhall war eine bedeutende Kunsthandwerker-Genossenschaft, die nach den Prinzipien des Deutschen Werkbundes und Bauhauses die Einheit von Handwerk und Kunsthandwerk anstrebte. Gegründet wurde sie 1921 vom Architekten Georg Heyer.

Reformprojekt in Gildenhall

Eine Ausstellung im Hort am See in Gildenhall soll nun das Reformprojekt wieder in das öffentliche Bewusstsein rücken. Etwa 120 Besucher kamen am Sonnabend zur Eröffnung der Schau, die ein Projekt im Rahmen des Themenjahres Kulturland Brandenburg ist, das in diesem Jahr das Handwerk – zwischen Gestern und Übermorgen - thematisiert.

Hendruk Schink zeigt an einem Foto, wie das Atelier Borsigs aussah

Hendruk Schink zeigt an einem Foto, wie das Atelier Borsigs aussah.

Quelle: Cornelia Felsch

„Etwa zwei Drittel der Brandenburger leben in Städten“, sagte die Ministerin für Infrastruktur und Landesplanung des Landes Brandenburg, Kathrin Schneider zur Begrüßung. „Es ist wichtig, sich zu wissen, wo man herkommt und in welchen Traditionen man lebt, um sich über die Kultur in seiner Stadt bewusst zu sein.“ Die Ausstellung in den einstigen Atelierräume des Bildhauers Hans Lehmann-Borges wurde von Cornelia Lambriev-Soost und dem Keramiker Hendrik Schink kuratiert.

Siedlung Gildenhall soll saniert werden

„Im Allgemeinen wird Neuruppin immer mit der klassizistischen Altstadt in Verbindung gebracht“, sagte Neuruppins stellvertretender Bürgermeister Arne Krohn zur Eröffnung. „Dass es da noch etwas Besonderes gibt, wie die formidable Siedlung in Gildenhall ist es schon wert, an die Öffentlichkeit gebracht zu werden.“ Für den Bauderzernenten und Vizebürgermeister sind die Ideen und Visionen der damaligen Kunsthandwerker keineswegs verstaubt, sondern hochaktuell. „Wir haben ja noch viele Jahre vor uns. Wenn wir mit der Sanierung der Altstadt durch sind, ist Gildenhall eine lohnende Aufgabe.“

Ausstellung und Führungen

Die Ausstellung im Gildenhaller Hortgebäude, am Hermsdorfer Weg 1, ist bis zum 28. August, mittwochs bis sonntags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Am 31. Juli und am 28. August führt Hendrik Schink eine Radtour auf den Spuren der Gildenhaller Kunsthandwerker an. Start ist um 14 Uhr am Museum.

Ein Spaziergang durch Gildenhall beginnt am 7. August um 11 Uhr in der Blumenstraße. Am 14. August beginnt um 10 Uhr eine Führung am Neuruppiner Museum.

Am 27. Juli beginnt im Neuruppiner Museum um 15 Uhr eine Führung.

Das Gebäude, in dem jetzt bis Ende August die kunsthandwerklichen Arbeiten gezeigt werden, wurde 1923 nach einem Entwurf des Architekten Max Eckardt errichtet und fünf Jahre später durch ein Ausstellungs- und Bürogebäude nach dem Entwurf von Adolf Meyer ergänzt. Später wurde es nochmals umgebaut, die großen Atelierfenster gibt es nicht mehr. „Ich würde mir wünschen, dass sie wieder rekonstruiert werden“, sagte Hendrik Schink in seinem Fachvortrag zur Kunsthanwerkersiedlung und bekam dafür viel Beifall.

Mit Werken von Else Mögelin und Suse Hoffmann-Gildenhall

„Es ist, als ob alle Tage Sonntag wäre“, so lautet der Titel der Ausstellung. Mit diesem Satz beantwortete einst die Bildweberin Else Mögelin die Frage des damaligen Bauhausleiters Walter Gropius, wie es denn nun wäre mit der freien Arbeit am Webstuhl. Else Mögelin gehörte ebenso wie die Handweberin Henni Jaensch, der Keramiker Richard Mutz, der Metallbildhauer Hans Wissel, der Kunstschmied Siegfried Prütz, der Tischler Walter Voigt, der Fotograf Curt Warnke und die Malerin Suse Hoffmann- Gildenhall zu den Gildenhaller Kunsthandwerkern. Die Besucher können ein kunstgeschmiedetes Gitter von Siegfried Prütz bewundern, eine kupferne Kakteengießkanne von Emil Funk oder gedrechselte Holzeierbecher von Eberhard Schrammen. Ein Bastweb-Teppich von Else Mögelin war schon zu morbide, um ihn zu transportieren oder gar aufzuhängen. Er wurde im Maßstab 1:1 gescannt und gedruckt. Das Ergebnis hat selbst die Kuratoren beeindruckt. Zeitgenössische Tondokumente, die von Jugendkunstschülern eingesprochen wurden, erzählen per Knopfdruck über Kopfhörer von den Lebenserinnerungen der Gildenhaller Künstler.

Von Cornelia Felsch

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