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Kyritz: 25 Jahre Partnerschaft mit Werne

Jubiläum Kyritz: 25 Jahre Partnerschaft mit Werne

Auf eine private Initiative geht die nun seit 25 Jahren bestehende Städtepartnerschaft zwischen Kyritz und Werne (Nordrhein-Westfalen) zurück. Unvergessen sind die Aufbauhilfe für die Verwaltung und die Bücherspenden, aber auch die Jugend- und Sportbegegnungen. Ein Rückblick.

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Geschäftsleute aus Werne veranstalteten einen Markttag in Kyritz.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Kyritz. Herbst 1989. Der eiserne Vorhang, der über Jahrzehnte Ost- und Westdeutschland getrennt hatte, ist brüchig geworden. Auch in Kyritz gehen die Menschen auf die Straße. Sie fordern Veränderungen, die über eine „andere DDR“ hinaus gehen. „Deutschland einig Vaterland“, Teil der schon lange nicht mehr gesungenen Nationalhymne, soll Wirklichkeit werden und wird Realität. Das Bedürfnis, aufeinander zuzugehen, manifestierte sich nicht nur in den unzähligen, nun möglichen Begegnungen von Freunden und Verwandten zwischen Oder und Mosel. Städte suchten sich Partner. 25 Jahre ist es jetzt her, dass Kyritz an der Knatter und Werne an der Lippe ihr Zusammengehen urkundlich verankerten.

Zu verdanken ist es einer privaten Initiative. Die Silvesternacht 1989/90 verbrachten der Kyritzer Klempnermeister Hans-Jürgen Bähr und Frau in der munteren Kleinstadt unweit von Unna. Bährs waren einer Einladung von Werner Tembaak gefolgt. Die Begegnung im Hause des damaligen CDU-Ratsherren diente nicht allein dazu, auf das neue Jahr anzustoßen. Es ging auch um Politik auf kommunaler Ebene. Wie wäre es, wenn sich beide Städte näher kämen, über die Verwaltungen, Vereine, Verbände die Menschen im Westfälischen und in der Ostprignitz zusammenführten? Am Neujahrsmorgen weihten Tembaak und Bähr Wernes Bürgermeister Wilhelm Lülf in ihre Ideen ein.

Klempnermeister wurde Botschafter in Sachen Städtepartnerschaft

Werne wollte bereits 1987 Kontakte zu einer Stadt in der DDR aufnehmen. Wernigerode sollte es sein. Daraus wurde nichts. Offizielle staatliche Stellen im kleineren Deutschland hatten etwas dagegen. Damit war das Vorhaben zwar aufgeschoben, aber nicht aufgehoben. Lülf, den alle nur Willi nennen, hatte sofort ein offenes Ohr für die Vorschläge. So wurde der Klempnermeister eine Art Botschafter im Kyritzer Rathaus in Sachen Städtepartnerschaft. Bürgermeister Jürgen Plagemann, 1988 mit SED-Mandat an die Rathausspitze gewählt, konnte sich zwei Jahre später an den Fingern einer Hand ausrechnen, dass bei der im Mai anstehenden Kommunalwahl ein anderer an seinem Schreibtisch sitzen würde. Dennoch tat er alles, um in einer schnelllebigen Zeit seinen Job so zu machen, dass es den aktuellen Gegebenheiten entsprach. Er trug das Ansinnen befürwortend den Stadtverordneten vor.

So kam es, dass sich im Februar 1990 eine Abordnung des Werner Rates mit Willi Lülf und Stadtdirektor Heinz Austermann ein Bild von der Noch-Kreisstadt Kyritz machten. Der Schnupperkurs ergab: Es passt. Dann ging alles schnell. Dem Ratsbeschluss und einem Festakt in Werne im März folgte im April der Vollzug der Partnerschaft in Kyritz. Jürgen Plagemann und Willi Lülf setzten ihre Unterschriften unter die Partnerschaftsurkunde. Sie sah Gespräche und Gedankenaustausch auf allen kommunalen Ebenen vor. Ausdrücklich genannt wurden auch Städtebau, Verkehrsentwicklung, Denkmalpflege und Sanierung, Umweltschutz, Tourismus, Kultur und Kunst.

Die Delegationen beider Städte im Jahr 1990 vor dem Kyritzer Kulturhaus, nachdem die Partnerschaft dort besiegelt worden war

Die Delegationen beider Städte im Jahr 1990 vor dem Kyritzer Kulturhaus, nachdem die Partnerschaft dort besiegelt worden war.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Mit der Umsetzung wird unverzüglich begonnen. Ab Juni leistet die Werner Verwaltung die versprochene Aufbauhilfe. Immer zwei Mitarbeiter aus allen wichtigen Bereichen arbeiten für je zwei Wochen in Kyritz. Die Unterstützung wird dankend angenommen, auch von Margrit Fulde (parteilos), die im Mai für Jürgen Plagemann ins Rathaus gewählte Bürgermeisterin, eine gelernte Krankenschwester. Es wird Büromaterial auf den Weg gebracht. 1991 bildet Werne Kyritzer Verwaltungsnachwuchs aus.

Zehn Prozent der freiwilligen Leistungen im Etat, 117 000 Euro, gelangen als Spende in die Partnerstadt. 1992 werden 25 000 Bücher für die Bibliothek gespendet. Jugend- und Sportbegegnungen laufen an. In den nächsten Jahren kommt Kyritz im Netz der Partnerstädte von Werne an. Das polnische Walcz und Bailleul in Frankreich werden auch Kyritzer Städtepartner. In Kyritz entsteht nach dem Muster von Werne ein Internationaler Club (ICK), der Kontakte zu den Verbündeten hält. Die Lokalredaktion der „Märkischen Volksstimme“ und der „Ruhr-Nachrichten“ gestalten Sonderausgaben, die gleichlautend erscheinen. Die Beispiele ließen sich fortführen.

Werne spendierte einen  Transporter für die Kyritzer Feuerwehr

Werne spendierte einen Transporter für die Kyritzer Feuerwehr.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Privates Engagement, das mit Hans-Jürgen Bähr vor 25 Jahren begann, fand bis heute viele Kopien. Als Vater der internationalen Verbindungen und Verfechter des Zusammengehens mit Kyritz ist auf jeden Fall Willi Lülf zu erwähnen. Der CDU-Mann war 1990 ehrenamtlicher Bürgermeister von Werne. Hauptamtlich agierte Stadtdirektor Heinz Austermann. Mittlerweile gilt auch in NRW ein ähnliches Verwaltungsmodell wie in Brandenburg mit einem hauptamtlichen Stadtoberhaupt. Im Zuge der Umstellung konnte Werne Kyritzer Erfahrungen nutzen. Eindeutig in eine Richtung ging hingegen jene Hilfe, die Wernes Buchhändler Jürgen Zimmermann leistete. Schon vor der Un­terzeichnung des Vertrages versorgte er die Bibliothek Kyritz mit Regalen und Bänden der unterschiedlichsten Genres für kleine und große Leser. Es gab wenigstens ein Dutzend weitere Fahrten. Zimmermann kam stets mit einem Auto voller Lesestoff.

In Kyritz waren es Menschen wie Wolfgang Zander, heute Vorsitzender des ICK, Regina Richter, das Ehepaar Plagemann, Marion Neumann, Mario Neubauer, Sabine Ciaciuch, Karsten Levecke, Peter Bittermann, Raik Grützmacher, Vertreter von Rot-Weiß Kyritz und anderer Vereine, die sich im Sinne der Partnerschaft einbrachten. Nach einer Festveranstaltung in Werne liefert nun das Kyritzer Stadtfest vom 2. bis 4. Oktober den Rahmen für ein Pendant an der Knatter.

Von Wolfgang Hörmann

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