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Kyritz: Am Bahnhof beginnt das Willkommen

Flüchtlinge Kyritz: Am Bahnhof beginnt das Willkommen

Elke Krüger, die früher als Lehrerin gearbeitet hat, kümmert sich nun als Sozialbetreuerin in Kyritz um Flüchtlinge. Am Bahnhof nimmt sie die Neuankömmlinge in Empfang. Für 64 Asylsuchende ist sie in der Stadt Ansprechpartnerin. Ein Syrer hilft ihr als Dolmetscher.

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Ahmad Alsayed (r.) arbeitete in Syrien als Lehrer. Mit seinem Bruder Nour Aldin lebt er nun in Kyritz. Beide wollen so schnell wie möglich die deutsche Sprache beherrschen.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Kyritz. „Ahmad ist eine große Hilfe für mich.“ Elke Krüger verbucht die Ankunft des Mannes aus Syrien im November als positive Überraschung in ihrem Arbeitsalltag. Der schlanke Ahmad Alsayed passt gut in die Gruppe der Landsleute, mit der er sich eine Wohnung in der Kyritzer Straße der Jugend teilt. Dabei ist er älter als die meisten hier. Der 25-Jährige unterrichtete in seiner Heimat Schüler im Fach Englisch. Weil sich Elke Krüger in dieser Fremdsprache ebenfalls verständigen kann, wurde Ahmad ihr Dolmetscher. Der Syrer spricht dazu schon etwas Deutsch. Mit Bruder Nour Aldin büffelt er auch nach dem Unterricht am Vormittag Vokabeln und Grammatik.

Das Büro von Elke Krüger befindet sich im selben Aufgang. Da bietet sich an, dass die 59-Jährige öfter mal nach der „Jugendbrigade“ guckt. Dort nimmt man jeden Kontakt dankbar an, auch dann, wenn hin und wieder klargemacht wird, wie das Zusammenleben hierzulande klappt. „Für die Jungens ist ja alles neu. Sie müssen sich was sagen lassen. Und tun das auch“, sagt die frühere Lehrerin für Sport und Geschichte, „meistens jedenfalls“. Es ist wohl ihre mütterliche, ruhige, aber bestimmte Art, mit der die Frau aus Vehlow die Ankömmlinge anspricht. „Egal, woher sie kommen und welche Sprache sie sprechen, ich versuche schon beim ersten Gespräch, dass es locker zugeht. Lachen ist erwünscht.“

Seit dem 1. Oktober besitzt Kyritz eine Sozialbetreuerin im Bereich Asyl, angestellt bei den Ruppiner Kliniken. Als Elke Krüger die Aufgabe übernahm, ahnte sie, wusste sie, worauf es ankommt. Schließlich betreute sie in den 90er Jahren in Unterkünften am Rehfelder Weg schon einmal Asylsuchende, damals Menschen, die vor dem Bosnienkrieg geflohen waren. Jetzt bilden Flüchtlinge aus Syrien und Afghanistan das Gros. Mit Menschen aus Tschetschenien, dem Irak und Iran sowie aus Pakistan haben sie ein zeitweiliges Zuhause in Wohnungen der Kyritzer Wohnungsbaugesellschaft gefunden. „Bisher sind es neun Unterkünfte, weitere sollen aber hinzukommen“, sagt die Betreuerin.

Die Alfara-Brüder gehören ebenfalls zur Wohngemeinschaft

Die Alfara-Brüder gehören ebenfalls zur Wohngemeinschaft.

Quelle: Wolfgang Hörmann

Wenn es so weit ist, lassen Zuweisungen nicht mehr lange auf sich warten. „Ich erfahre davon spätestens einen Tag vorher. Größere Gruppen kommen mit dem Bus, einzelne Personen oder Familien mit dem Zug aus Richtung Neustadt.“ Elke Krüger fährt zu jeder Ankunft zum Bahnhof, um sie abzuholen. Manchmal melden die Zugbegleiter per Telefon die Asylbewerber an. Mittlerweile kennt man sich, die „Herbergsmutter“ und das fahrende Personal. Bis zum vergangenen Donnerstagabend waren 64 Asylsuchende angekommen. Dabei ist die Gruppe, die in Karnzow lebt, nicht mitgezählt.

„Ich habe hier viel mit alleinstehenden Männern zu tun. Es gab noch keinen, der sich mir gegenüber irgendwie vorbei benommen hat. Alle sind freundlich. Von manchen weiß ich, dass sie in Deutschland bleiben möchten, andere wollen zurück“, sagt Elke Krüger. Sie ist das Mädchen für alles. Erwachsene müssen zu den Deutschkursen, Kinder in Schule oder Kita, alle irgendwann mal zum Arzt, am liebsten in Begleitung. Und dann sind da die „administrativen Aufgaben“, Telefonate, Bestellungen, Kontaktpflege mit unterschiedlichen Verwaltungsstellen. Zwischendurch stehen immer mal wieder „Hausbesuche“ bei ihren Schützlingen an. Sie brauchen mal mehr und mal weniger Unterstützung.

„Dolmetscher“ Ahmad eher weniger, scheint es. Er tut alles, um sich möglichst schnell in seinem Gastland zurechtzufinden. Nach den skandalösen Vorfällen am Silvestertag in Köln hat er jetzt einen Brief geschrieben, mit Computerhilfe auf Deutsch. Er bittet darin, die Übergriffe nicht zu verallgemeinern. Der letzte Satz seines Textes lautet: „Im Namen der Menschlichkeit und des Friedens bitte ich Sie, zu verstehen, dass – wenn es einige dumme kriminelle Flüchtlinge gibt – es nicht bedeutet, dass alle Flüchtlinge wie jene Kriminellen sind.“

Bett, Schrank, Stuhl

Die Neuankömmlinge müssen an ihrem Asylort entweder eine Aufenthaltsgestattung oder eine Bescheinigung über den Antrag auf Asyl vorweisen.

Die Unterbringung erfolgt in Kyritz in Wohnungen, die die Ruppiner Kliniken von der Wohnungsbaugesellschaft angemietet haben. „Dieser Wohnverbund bietet weniger Konfliktpotenzial als Massenunterkünfte“, sagt Sozialbetreuerin Elke Krüger.

Die Ausstattung der Wohnungen ist einfach. Sie besteht pro Person aus Bett, Schrank, Stuhl, Bettwäsche, Deckbett, Kopfkissen, Geschirrsatz plus Besteck, einigen Töpfen und einem Kühlschrank. Bei größerer Personenzahl können es auch mehrere Kühlschränke sein.

Mit zahlreichen Sachspenden von Einheimischen ist dieses Angebot schon erweitert worden. Benötigt werden hauptsächlich Teppiche (auch als Schallschutz in Neubauten) und alles, was zum Küchenzubehör zu zählen ist. Derzeit ist der Aufbau eines Sammelpunktes in Arbeit.

Verbreitet ist vielfach die Annahme, dass Asylbewerber bei Einreise mit Handys ausgestattet werden. „Das stimmt nicht“, so Sozialarbeiterin Krüger. „Sie bringen Handys mit. Wie üblich bestehen Verträge mit Anbietern. Die Nutzer zahlen, was es kostet. Das gilt natürlich auch für Fahrten mit Bus oder Bahn, zum Beispiel zum Erstaufnahmelager Eisenhüttenstadt oder nach Neuruppin.“

Von Wolfgang Hörmann

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