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Kyritz: Malen ist für Uwe König Lebenselixier

Ein Leben für die Kunst Kyritz: Malen ist für Uwe König Lebenselixier

Spät erst, mit 20 Jahren, entschied sich Uwe König künstlerisch aktiv zu werden. Anfangs arbeitete der Kyritzer ausschließlich mit der Spraydose, doch schon bald auch mit Acryl- und Ölfarben auf Leinwänden. Mit seinen Werken verarbeitet der 36-Jährige sein bisheriges Leben und schöpft zugleich neue Kraft daraus für die Zukunft.

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Die Wände von Uwe Königs Atelier sind so farbenfroh, wie viele seine Bilder.

Quelle: André Reichel

Kyritz. Leicht ist das Atelier von Uwe König nicht zu finden. In einer alten Baracke hinter dem Eiskeller hat sich der Kyritzer für seine künstlerischen Aktivitäten einen Raum gemietet. Ein endlos lang erscheinender Flur führt in sein Allerheiligstes, das „Atelier 27“.

Uwe König arbeitet gerade an seinen allerneuesten Werken, eine aus insgesamt fünf Bildern bestehende Reihe. „Einen scheiß kann ich fliegen!“, ist der zugegeben etwas gewöhnungsbedürftige Arbeitstitel dazu. Auf alten Schranktüren, Brettchen und Tischplatten verarbeitet der 36-jährige sein bisheriges Leben, in dem längst nicht alles glatt gegangen ist.

1000 Gedanken kreisen im Kopf des Künstlers, suchen sich Bahnen und finden schließlich Platz auf den Leinwänden und anderen Malunterlagen. Gedankenversunken arbeitet Uwe König an der Seiltänzerin, dem fünften Bild seiner neuen Reihe. Als einen Drahtseilakt sieht der Künstler auch sein ganzes Leben. Nach einigen Pinselstrichen wendet sich Uwe König Bild Nummer vier zu, auf dem ein auf einem Bett sitzendes und ins Leere blickendes Mädchen zu sehen ist. Ein Bär sitzt hinter dem Mädchen, legt seine Tatze auf ihre Schulter und blickt dabei in Richtung des Betrachters. Die Geschichte hinter diesem Bild ist eine von gescheiterten Lebenswegen. „Dabei habe ich an meine Freunde gedacht, die ich verloren habe“, berichtet Uwe König.

Bunte Farben für ein buntes Leben

Bunte Farben für ein buntes Leben. Uwe König malt mit Öl, Acryl und Sprayerfarben.

Quelle: André Reichel

Nun wendet sich der Kyritzer wiederum der Seiltänzerin zu, die nun Schritt für Schritt immer mehr Gestalt annimmt. Lackstifte, Spraydosen und feine Pinsel finden dabei Verwendung. Pausen, in denen frisch aufgetragene Farbschichten erst einmal trocknen müssen, nutzt Uwe König, um seine Gedanken zu sortieren, steckt sich eine Zigarette an und holt ein paar ältere Bilder hervor, an denen er demnächst auch noch weiterarbeiten möchte. Im geistigen Auge sieht Uwe König bereits die fertigen Bilder und schwärmt: „Diese liebe ich ganz besonders.“ Das über sechs Meter lange Triptychon, das jahrelang im Flur zum Atelier hing, war ihm auch ins Herz gewachsen, doch als ein estländisches Paar an seiner Tür klopfte, um es zu erwerben, gab er sein Werk schließlich doch aus den Händen. „Man muss ja auch Platz für Neues schaffen“, sagt Uwe König.

Schon als Achtjähriger entdeckte Uwe König seine kreative Ader und begann, hin und wieder zu malen. Doch der Kyritzer war auch von Fußball begeistert und ein talentierter Spieler von Kindesbeinen an. Als Uwe König mit 20 Jahren Graffitisprayer kennenlernte, hängte er seine Fußballschuhe endgültig an den Nagel und wandte sich fortan der Kunst zu. Selbst mit der Spraydose zu arbeiten, faszinierte Uwe König sehr. Unzählige Trafohäuser nutzte er dafür als Leinwand. Bald begann König in Öl und Acryl zu malen, experimentierte mit Techniken und Stilelementen. Besonders die ostdeutschen Künstler inspirieren ihn, verrät Uwe König. Doch festgelegt hat sich der Autodidakt stilistisch bis heute ganz bewusst nicht.

Konzentrierte Arbeit

Konzentrierte Arbeit.

Quelle: André Reichel

Seine allerersten Bilder malte der gelernte Maurer noch in der elterlichen Küche. Dann ging Uwe König nach Hamburg, machte dort sein Abitur nach, studierte und wurde schließlich Ingenieur. In Hamburg lernte König nach eigener Aussage die Kunst erst richtig kennen, besuchte dort Ausstellungen und Museen. Als Uwe König 2007 wieder nach Kyritz zurückkehrte, mietete er sich in seinem heutigen Atelier ein und lebte fortan nur noch für die Kunst. Seine erste Ausstellung folgte ein Jahr später. Weitere Ausstellungen folgten, wie etwa 2011 im Kampehler Schloss und 2013 im Potsdamer Landtagsgebäude. Besonders gut leben konnte Uwe König von seiner Kunst nie so richtig, verrät er. Doch darauf kommt es ihm auch nicht an. „Ich will mich verwirklichen und mit der Kunst zu mir selbst finden“, sagt Uwe König. So viel Zeit für seine künstlerische Arbeit, wie in jenen Jahren seit seiner Rückkehr aus Hamburg hat Uwe König nun nicht mehr. Seit einigen Wochen arbeitet der 36-Jährige in einer Fahrzeugbaufirma als Schweißer.

Ein Bild aus der Vergangenheit

Ein Bild aus der Vergangenheit: So wurde „Eis geerntet“.

Quelle: André Reichel

Das Geld, das der Künstler mit seinen Bildern verdiente, reichte für den bescheidenen Kyritzer allein zwar aus, doch mittlerweile denkt Uwe König an Familiengründung. „Da bin ich realistisch. Hier auf dem Lande könnte man mit Kunst wohl nicht so leicht eine Familie ernähren und in eine Großstadt zieht es mich nicht mehr“, sagte Uwe König. An seiner kreativen Arbeit im Atelier hält der Kyritzer weiterhin fest: „Das ist mein Lebenselixier.“ Wenn seine aktuellen Bilder fertig sind, will Uwe König als nächstes großformatige Bilder anfertigen und diese später ausstellen. Auch für Auftragsarbeiten aller Art will sich der Kyritzer weiter Zeit nehmen.

Von André Reichel

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