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Kyritz: Pro und Kontra zur Bodenreform

Reform in Ostdeutschland vor 70 Jahren Kyritz: Pro und Kontra zur Bodenreform

Die Stadt Kyritz und die evangelische Kirche hatten am Mittwoch an die Verkündung der Bodenreform vor 70 Jahren erinnert – mit Gedenkveranstaltungen, Vorträgen und Ausstellungen. Dabei war auch die Generalsuperintendentin Heilgard Asmus. Der Historiker Andreas Noetzel stellte seine Studie zur Bodenreform vor. Sie ist umstritten.

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Die Andacht am Bodenreformdenkmal besuchten auch mehrere Klassen des Kyritzer Gymnasiums.

Quelle: Sandra Bels

Kyritz. „Ich finde, es ist heute hier ein falsches Bild für diejenigen entstanden, die keine Ahnung haben, was damals geschah.“ Das war die Meinung einer Kyritzer Gymnasiastin, die am Mittwochabend die Veranstaltung der Stadt Kyritz und der evangelischen Kirche anlässlich des 70. Jahrestages der Bodenreform besucht hatte. Die Schülerin sagte, sie habe den Eindruck, dass die Bodenreform in den Beiträgen verherrlicht wurde, und war damit nicht die Einzige, die das so empfunden hatte. Auch der Kyritzer Alfons Zeh als Vertriebener sah das ähnlich.

Das bedauerte der Historiker Rainer Potratz. Er ist beim Land Brandenburg zuständig für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur und kümmert sich speziell um die historische Forschung und um Gedenkstätten. Am Bodenreformdenkmal hatte er vor der Diskussion im Kulturhaus einen Vortrag über die sowjetischen Vorgaben und Motive der Bodenreform gehalten. „Ich habe versucht, den demokratischen Charakter der Bodenreform infrage zu stellen“, sagte er der Schülerin. Er bedauerte es, falls das bei den Zuhörern nicht so angekommen sei.

Die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke dankt dem Historiker Andreas Noetzel für die Studie zur Bodenreform

Die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke dankt dem Historiker Andreas Noetzel für die Studie zur Bodenreform.

Quelle: Sandra Bels

Auch der Historiker Andreas Noetzel, der von den Stadtverordneten beauftragt worden war, eine wissenschaftliche Studie über die Bodenreform zu erarbeiten am Beispiel der Region Kyritz, zeigte sich überrascht darüber, dass ein falscher Eindruck entstanden war. An seinem Vortrag war unter anderem kritisiert worden, dass er zu wenig auf das Leid der Menschen eingegangen sei. „Es gibt verschiedene Beispiele in meiner Studie, die das Leid aufzeigen“, sagte Noetzel. Sie alle zu erläutern, hätte aber zu lange gedauert. Die Studie gibt es für fünf Euro zu kaufen.

Andreas Noetzel hatte sie vorgestellt und dabei unter anderem versucht zu beantworten, warum die Verkündung gerade in Kyritz stattfand. Das hatte laut Noetzels Recherchen zwei Gründe. Zum einen sei der Kreis Ostprignitz mit Kyritz als Kreisstadt schon damals ein Zentrum der Landwirtschaft gewesen. Zum anderen hätten alle notwendigen Unterlagen in Berlin-Karlshorst beim kreislichen Ernährungsamt vorgelegen. Vor Noetzels Ausführungen sahen die Interessenten, zu denen mehrere Klassen des Kyritzer Gymnasiums gehörten, die RBB-Reportage „Rin inne Kartoffeln, raus ausse Kartoffeln“ über die Familie von Dallwitz aus Tornow. Der Film ist 20 Jahre alt und beschäftigt sich mit den Folgen der Reform für das ganze Dorf.

Vor der Diskussionsrunde im Kulturhaus hatten die Stadt und die evangelische Kirchengemeinde als Veranstalter zum Bodenreformdenkmal geladen. Dort hielten die Generalsuperintendentin Heilgard Asmus und der Kyritzer Pfarrer Sascha Gebauer eine Andacht. Dazu spielten die Bläser der Kyritzer Kantorei unter der Leitung von Michael Schulze mehrere Stücke. Anschließend hatte Rainer Potratz den Ablauf der Bodenreform skizziert, wie er seine Ausführungen überschrieb. Zu erfahren war dabei unter anderem, dass auch es in der britischen Besatzungszone Ansätze für eine Art Bodenreform gegeben haben soll, jedoch sollten dort Landeigentümer nicht ohne Entschädigung enteignet werden, so Potratz.

Die Schau zur Bodenreform wird künftig in den Räumen des Kyritzer Heimatvereins zu sehen sein

Die Schau zur Bodenreform wird künftig in den Räumen des Kyritzer Heimatvereins zu sehen sein.

Quelle: Sandra Bels

Am Ende der Veranstaltung wurde im Kulturhaus die Ausstellung eröffnet, die der Kyritzer Heimatverein nach der Durchsicht von mehr als 2000 alten Akten und den Gesprächen mit Zeitzeugen über die Bodenreform gemeinsam mit Kyritzer Gymnasiasten zusammengestellt hatte. „Es ist der Versuch einer Bestandsaufnahme dessen, was damals in Kyritz geschehen ist“, sagte Dorte Schmeissner, die Vorsitzende des Heimatvereins. Für ihre Mühe dankte die Kyritzer Bürgermeisterin Nora Görke. Sie teilte mit, dass der Aufbau der Stele vor dem früheren „Schwarzen Adler“, heute Rossmann, wo Wilhelm Pieck die Bodenreform am 2. September 1945 verkündet hatte, von Anfang an nicht für den Jahrestag vorgesehen war. Der von Noetzel vorgeschlagene Text werde jetzt erneut mit den Fraktionen diskutiert. Einen Termin gibt es noch nicht. Die Fraktion Die Linke hatte den Text laut Noetzel unter anderem kritisiert, weil er für sie aus einem falschen Blickwinkel formuliert und Kyritz nicht richtig gewürdigt worden war. Ob die neue Fassung als Beschlussvorlage noch in die Septembersitzung der Stadtverordneten eingebracht werden kann, ließ die Bürgermeisterin offen. Sie rechnet damit, dass die Stele erst im kommenden Jahr aufgestellt wird. Zu Noetzels Studie sagt sie: „Es ist unser Beitrag zum 70. Jahrestag.“

Von Sandra Bels

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