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Kyritz erinnert an Bassewitz

630 Jahre danach Kyritz erinnert an Bassewitz

Mit einem Gottesdienst, einer Theateraufführung von Schülern, mit Musik, Leckerbissen und historischen Kostümen feierten die Kyritzer am Montag den Bassewitztag. Der lokale Feiertag erinnert an 1381, als sich die Bürger erfolgreich gegen einen mecklenburgischen Ritter zur Wehr setzten.

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In der Kirche spielten am Montag Fünftklässler die recht gewalttätige Legende nach.

Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Bei so einer Gelegenheit hat in Kyritz sogar der Nachtwächter einen großen Auftritt: „Von Mecklenburg zog der Bassewitz aus. Ihr Bürger, schützet Herd und Haus!“, schmetterte Werner John von der „Historischen Gesellschaft zu Kyritz“ am Montagabend in die mit hunderten Menschen besetzte Marienkirche. Anlass für den Auflauf war der Bassewitztag und der wird in der Stadt angeblich nun schon seit 635 Jahren gefeiert.

Die Geschichte dahinter ist nicht ganz einfach. Historische Belege sind rar. Der Überlieferung nach zog Anfang des Jahres 1381 der mecklenburgische Adlige Kurt von Bassewitz mit Truppen vor die Stadtmauern. Mal ist von einem schlichten Raubzug die Rede, mal von Streitigkeiten wegen ausstehender Steuerzahlungen. Jedenfalls leisteten die Kyritzer Widerstand und zwar erfolgreich. Bassewitz musste am 4. März (im Kirchenkalender der Montag nach Invocavit, dem ersten Sonntag der Fastenzeit) unverrichteter Dinge abziehen.

Doppelte Geschichte

1381 überfällt der mecklenburgische Ritter Kurt von Bassewitz der Überlieferung nach Kyritz. Den Bürgern gelingt es, sich zu verteidigen. Am 4. März (damals der Montag nach Invocavit) zieht Bassewitz ab. Die Stadt feiert den Tag bis heute.

1411 wird Kyritz erneut belagert – laut Legende wieder vom Ritter Bassewitz. Wieder gelingt der Stadt und ihren Bürgern ein Sieg. Basse­witz wird gefangen und hingerichtet. Die damaligen Geschehnisse bieten seit Jahrhunderten Stoff für Geschichten und Theateraufführungen.

Als halbwegs verbürgt gilt, dass die Zeiten unsicher waren. 1383 brannte Wilsnack nieder – offenbar ebenfalls in Folge eines Überfalls aus Richtung Mecklenburg. Hostien, die den Brand angeblich unbeschadet überstanden, begründeten damals die Wilsnacker Wallfahrtsgeschichte.

Die Kyritzer waren auf ihren Sieg jedenfalls mächtig stolz und sahen „Gottes Hilfe“ auf ihrer Seite. Jährliche Dankgottesdienste immer am Montag nach Invocavit, sollten von da an das Ereignis im Gedächtnis halten.

Allerdings war die Geschichte für die Kyritzer nicht ausgestanden. 30 Jahre später soll Kurt von Bassewitz sein Glück noch einmal versucht haben. Zwei Wochen lang habe er im Juli 1411 die Stadt belagert, heißt es. Beim Versuch, die Stadtmauer zu untergraben, wurde er der Legende zufolge gefangen genommen und schließlich mit dem eigenen Schwert hingerichtet.

Das ist die Geschichte, die in Kyritz bis heute mit allerlei Ausschmückungen auch in Schauspielen erzählt wird. Am diesjährigen Bassewitztag waren es zum wiederholten Male Grundschüler, die ihre ganz eigene Version präsentierten. Sogar ein Professor und seine Zeitmaschine spielten eine Rolle. Ansonsten aber folgte die Handlung einem seit Jahrzehnten bewährten Muster: Bassewitz gräbt einen Tunnel in die Stadt. Ein Häftling des städtischen Gefängnisses hört den Lärm der Schachtung und alarmiert den Rat. Als Bassewitz und seine Schergen irrtümlich auf dem Markt statt in der Kirche ans Tageslicht brechen, werden sie erwartet. Marktweiber überschütten die Raubritter mit heißem Brei. Es regnet auch Pflastersteine. Der Anführer Kurt von Bassewitz wird gefangen genommen und kurz darauf hingerichtet.

Bei eisigem Wind waren die Feuer am Montagabend sehr willkommen

Bei eisigem Wind waren die Feuer am Montagabend sehr willkommen

Quelle: Alexander Beckmann

Diese Fassung geht wohl auf das 1790 veröffentlichte Schauspiel „Kurt von Bassewitz oder das gerettete Kyritz“ von Johann Gottfried Hagemeister zurück. Der vermischte den Montag nach Invocavit 1381 allerdings kurzerhand mit den Ereignissen von 1411. Im Vorwort schrieb er: „Im Andenken dieser Begebenheit verordnete man ein jährliches Lobefest; Senat und Volk verfügten sich aus der Kirche in Prozession zu Rathause – wo des Basse­witz Schwerdt und Kleidung aufbewahrt wurden – und der Bürgermeister machte einen patriotischen Messerschnitt in das Gewand. Die Zeremonie unterblieb in der Folge; aber der Montag nach Invocavit wird bis jetzt in Kyritz gottesdienstlich gefeiert, auch ein verrosteter schwedischer Degen und ein altdeutscher Rock von Seidenzeug, jedem, der sie sehen mag, vom Rathsdiener – um ein Billiges – vorgezeigt.“

Die „Kyritzer Knattermimen“ hatten ihren eigenen Bassewitz zum Fest mitgebracht

Die „Kyritzer Knattermimen“ hatten ihren eigenen Bassewitz zum Fest mitgebracht. Der guckte nur ein bisschen grimmiger als der des Schülertheaters.

Quelle: Alexander Beckmann

Das erwähnte Schwert wird noch heute im Rathaus ausgestellt. Dort findet sich mit der alten Ratsbibel auch ein weiteres Zeugnis. Handschriftlich sind in dem Buch Überfälle im Jahr 1381 und zu einem späteren Datum vermerkt. Doch die Einträge stammen vermutlich aus dem 17. Jahrhundert und erwähnen auch den Namen Bassewitz nicht.

Dessen ungeachtet ist die Legende den Kyritzern mindestens einmal im Jahr eine Feier wert. Neben dem Theaterstück gab es dazu am vergangenen Montag einen Gottesdienst und etwas Kurzweil vor der Kirche: historische Kostüme mit der „Historischen Gesellschaft zu Kyritz“ und den „Kyritzer Knattermimen“, Musik, Lagerfeuer, kleine Vorführungen von Kindern und Mengen der traditionellen Hedwecken: süße Brötchen, die seit Jahrhunderten zu dem Anlass verteilt worden sein sollen. Die örtliche Bäckerei Armster hatte sie eigens zu dem Anlass gebacken.

Von Alexander Beckmann

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