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Kyritz vom Gasnetz abgeschnitten

Bauarbeiten an den Gasfernleitungen Kyritz vom Gasnetz abgeschnitten

Seit Mitte Juni modernisiert das Unternehmen Ontras Teile der Gasleitungstechnik in der Region um Kyritz. Dazu musste das System abgeschaltet werden. Da in der Region keine andere Leitung die Versorgung übernehmen kann, wird Erdgas seit gut einer Woche mit Tankwagen herangeschafft und am Stadtrand ins örtliche Netz eingespeist.

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Spätestens alle zwei Tage wurde so ein Tanklaster ans Kyritzer Gasnetz angeschlossen. Die Leitung ist übrigens nicht weiß, sondern dick bereift. Quelle: Alexander Beckmann

Kyritz. Wenn die Experten ihren Job gut gemacht haben, dann haben die Kyritzer nichts bemerkt: Seit gut einer Woche bekommen sie das Erdgas nicht per Pipeline in die Stadt, sondern per Tankwagen. Ralf Borschinsky ist sich aber ziemlich sicher, dass da kein Unterschied zu spüren ist. Borschinsky ist Pressesprecher von Ontras, dem Betreiber des Gasfernleitungsnetzes in den östlichen Bundesländern.

Seit Mitte Juni modernisiert das Unternehmen Teile der Leitungstechnik in der Region um Kyritz. An der Landesstraße Richtung Holzhausen weist eine Hunderte Quadratmeter große Baugrube darauf hin. Dort wird an einer unterirdischen sogenannten Armaturengruppe gearbeitet, einem großen Absperrschieber mit allem Drum und Dran. „Es ist immer die Frage, ob man modernisiert oder ganz ersetzt“, sagt Borschinsky. An diesem Standort habe man sich für Letzteres entschieden.

Über die Details weiß Projektleiter René Ronneburger Bescheid. Die „Ferngasleitung 76“ zwischen Ketzin und Pritzwalk, die an dieser Stelle Kyritz tangiert, stammt aus dem Jahr 1979. „Wir rechnen mit 60 Jahren Lebensdauer für so eine Leitung“, sagt Ronneburger. „Aber die Schieber muss man immer mal erneuern.“ Zum einen gebe es Verschleiß. Zum anderen änderten sich ab und an die technischen Vorschriften. Dem müsse man Rechnung tragen. Außerdem kämen ganz neue Aufgaben auf das Leitungsnetz zu. Stichwort: Energiewende. Gerade im Osten der Bundesrepublik werde viel Biogas produziert und inzwischen längst routinemäßig ins Netz eingespeist. Doch bringe das eben besondere technische Herausforderungen mit sich, die bei der Modernisierung der Anlagen berücksichtigt werden. „Wir sind der Fernleitungsbetreiber mit dem meisten Biogas im Netz“, betont der Ontras-Presseprecher. Hinzu komme in jüngster Zeit noch Wasserstoff, der mit Strom aus Windkraft- und Solaranlagen produziert wird.

Baugruppe wird aus dem Rohr herausgeschnitten

Alles in allem sind für dieses Jahr an der Leitung in Prignitz und Havelland elf Bauvorhaben geplant. Zwischen Kyritz und Holzhausen läuft es darauf hinaus, dass praktisch eine komplette Baugruppe aus dem Rohr herausgeschnitten und durch eine neue, vormontierte ersetzt wird.

Nahe Vehlow wird das Rohr überhaupt erst mit solch einer Vorrichtung ausgestattet. “Die wird nötig, weil die Edis hier eine Rückspeiseanlage für Biogas bauen will – wahrscheinlich im nächsten Jahr“, erklärt René Ronneburger.

Wäre noch Gas in der Leitung (normal ist ein Druck von bis zu 63 bar), ließen sich solche umfangreichen Montagen natürlich gar nicht ausführen. Die Leitung musste vorübergehend stillgelegt werden. Kyritz bleibt so lange von der Gasversorgung abgeschnitten.

Wenigstens im Prinzip. Wäre es wirklich so, hätten die Kyritzer das natürlich längst gemerkt. Das Leitungsunternehmen betreibt einen immensen Aufwand, damit es nicht so weit kommt. Da in der Region keine andere Leitung die Versorgung übernehmen kann, lässt Ontras das Gas seit gut einer Woche mit Tankwagen heranschaffen und am Stadtrand (Rehfelder Weg) ins örtliche Netz einspeisen.

Tanklaster kommt alle zwei Tage

Spätestens alle zwei Tage kommt ein großer Tanklaster mit einer Ladung direkt von einer der europäischen Erdgasverflüssigungsanlagen – beispielsweise aus dem russischen Kaliningrad. Bis zu 15 000 Kubikmeter täglich wurden auf diese Weise an die Verbraucher geliefert. Das Wetter spielt bei der Menge eine entscheidende Rolle: je tiefer die Temperatur, desto höher der Verbrauch.

Die Anforderungen an Technik und Sicherheit sind hoch. Stets stehen mindestens zwei Tankwagen an der Einspeisestelle bereit. Das verflüssigte Erdgas verlässt die Tanks mit einer Temperatur von minus 163 Grad Celsius und muss mit einer großen Heizanlage erst auf Zimmertemperatur erwärmt werden, bevor es in die Leitungen darf.

Am Mittwoch oder am Donnerstag will Ontras wieder die Gasfernleitung in Betrieb nehmen. Die vorübergehende Einspeisestelle am Rehfelder Weg wird demontiert. Dann haben die Tankwagen bis zu 250 000 Kubikmeter Ersatzgas nach Kyritz geliefert.

Bis Ende August sollen die letzten technischen Arbeiten an den neuen Armaturengruppen bei Holzhausen und Vehlow erledigt und die Baugruben verschwunden sein.

Von Alexander Beckmann

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