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Kyritz Rappen mit Fontanes Texten
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Rappen mit Fontanes Texten
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16:03 01.08.2018
Die Teilnehmer gestalten Rap-Songs mit Texten von Theodor Fontane. Quelle: Christian Bark
Bantikow

Vom berühmten märkischen Dichter und Schriftsteller Theodor Fontane hatten die meisten von ihnen bis vor wenigen Monaten noch nie etwas gehört. In dieser Woche wandeln die 33 Teilnehmer des Hip-Hop-Camps in Schloss Bantikow bei Kyritz jedoch voll auf den Spuren des vor 199 Jahren in Neuruppin geborenen Fontanes.

33 Teilnehmer gestalten beim Workshop eigene Songs, in die sie Textpassagen des Dichters Theodor Fontane einfließen lassen.

Viele der jungen Leute stammen nicht aus Deutschland. Sie sind vor Jahren oder Monaten nach Brandenburg gekommen, weil sie daheim vor Krieg, Verfolgung oder Armut geflohen waren. Im Musikprojekt „Estabien“ sollen sie in Brandenburg auch kulturell eine neue Heimat finden, indem sie Elemente ihrer und der hiesigen Kultur miteinander verbinden. „Fontanes aufgeklärter und sozialkritischer ’Wander-Geist’ passt hervorragend in unsere Zeit“, sagt Estabien-Betreuer Max Lingk.

Schon mal von Fontane gehört hat Alireza Jafari. Der 18-jährige Afghane wohnt in Hohen Neuendorf und geht dort zu Schule. Gemeinsam mit Bubacarr Bah hat er einen Song in englischer, deutscher und persischer Sprache geschrieben. Mit Max Lingk nehmen sie ihn in einem der drei mobilen Tonstudios auf und untersetzen ihn mit Beats.

Max Lingk (v. l.) schneidet die Gesangsstücke von Bubacarr und Alireza am PC zusammen.. Quelle: Christian Bark

„Es geht um Liebe und das Leben“, erklärt Bubacarr. Auch einige Textpassagen von Theodor Fontane sind in den Text eingeflossen. Den Dichter kannte der 17-jährige Bubacarr bis vor einigen Tagen noch nicht. Seit zwei Monaten lebt der Gambianer in der Erstaufnahmeeinrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Wittstock. Auf das Camp ist er durch eine Freundin aufmerksam geworden. „Das ist eine gute Abwechslung für mich“, sagt Bubacarr. In Wittstock warte er darauf, endlich zur Schule gehen zu können.

Auftritte in Berlin, Wustrau und Bantikow geplant

Weit besser mit Fontane kennen sich Aziz Rasooli und Shams Mohamadi aus. Die beiden Afghanen aus Rheinsberg gehören quasi zum festen Estabien-Team. „Fontane war ein großer Dichter, der zu fast jedem Thema etwas geschrieben hat“, sagt Aziz.

So nimmt Shams mit Workshop-Betreuer Tobias Thiele einen Song auf Persisch auf. Übersetzt heißt er „Mein Gott“ und ist mit Passagen aus Fontanes Gedicht „Die schönste Melodie“ versehen. Bis zum Ende des Workshops am Donnerstag können Shams und Aziz leider nicht bleiben. Für die beiden Afghanen beginnt die Ausbildung zum Hotelfachmann in Rheinsberg, wie sie sagen.

„Ziel ist es, dass jeder Teilnehmer mit einem Song, Text oder zumindest einem Thema nach Hause geht“, erklärt Falk-Arne Goßler. Der Berliner Rapper, der unter dem Namen „Fargo“ bekannt ist, betreut bereits das zweite Camp als Gesangs- und Textcoach. Obwohl der Workshop doch zielstrebig sein soll, ist laut Fargo „alles super entspannt“ in Bantikow.

Vier Camps in Bantikow bis 2019 geplant

Im November 2017fand das erste von insgesamt vier Hip-Hop-Camps in Bantikow statt. Das letzte soll Ostern 2019 stattfinden.

Neben Tonträgernund Youtube-Videos soll es eine Bühnenperformance geben. Die wird anlässlich des 200. Geburtstags Theodor Fontanes am 13. Mai 2019 erstmals im Brandenburg-Preußen-Museum Wustrau live zu sehen sein.

Sinn des Workshops ist neben der Performance nämlich auch der kulturelle Austausch zwischen Deutschen und Teilnehmern von überall her. Am Ende stehen ein Tonträger mit zwölf Songs, die Fontane-Passagen enthalten oder im Sinne des Dichters wären, Clips auf der Onlinevideoplattform Youtube sowie drei Auftritte anlässlich des 200. Geburtstags Theodor Fontanes im kommenden Jahr. „Am 13. Mai 2019 zeigen wir unsere Performance erstmals in Wustrau“, kündigt Max Lingk an. Weitere Auftritte seien in Bantikow und Berlin geplant.

Bei einem wäre auch gern Sever Metodiev dabei. Der 14-Jährige lebt in Bantikow, kommt ursprünglich aus der Türkei und hat ein Faible für den Hip-Hop, wie er sagt. „Das wäre schon was, vor einem großen Publikum zu performen“, sagt er.

Von Christian Bark

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