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Kyritz Skelett, Scherben, Keller: Das fanden Archäologen in Kyritz
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Skelett, Scherben, Keller: Das fanden Archäologen in Kyritz
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00:20 09.08.2018
Das Archäologenteam Hartmut Lettow und Roman Wadzazk (l.) dokumentierte alle Befunde, die es in der Prinzenstraße vorfand, sowohl auf Fotos und auch zeichnerisch. Quelle: André Reichel
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Kyritz

Die Arbeiten an den neuen Leitungen in der Kyritzer Prinzenstraße sind so gut wie abgeschlossen. Das Archäologenteam vor Ort konnte in dem Zeitraum seit Baubeginn im April viele Funde und Befunde machen und somit Fragen zur Stadtgeschichte klären. Seit Mitte vergangener Woche beginnt auch die neue Straße deutlich sichtbar Gestalt anzunehmen. Die ersten Borde sind gesetzt und die Gosse wird gepflastert.

Günter Paelow und Ralf Tangermann (l.) sind seit dem 1. August dabei, in der Prinzenstraße die Borde zu setzen und die Gosse zu pflastern. Quelle: André Reichel

Bereits mit dem allerersten Spatenstich im April stießen die Arbeiter auf Spuren der Kyritzer Vergangenheit. Immer mit dabei war das Archäologenteam rund um Grabungsleiter Olaf Brauer. Ihm zur Seite standen Hartmut Lettow und Roman Wadzazk. Direkt unter dem grauen Granitpflaster aus den 1930er Jahren kam das Kopfsteinpflaster aus dem 18. Jahrhundert zu Tage. „Diesen Befund gab es auch schon in der Bachstraße und in der Holzhausener Straße“, berichtet Hartmut Lettow. Dies jedoch war noch nicht so spannend für das Archäologenteam.

Leben vor mehr als 600 Jahren

Später jedoch konnten die Archäologen im Ostteil der Prinzen-Straße mehrere Wegehorizonte aus dem Mittelalter feststellen. In damaliger Zeit wurde viel Unrat und Müll auf der mit Hölzern und Bohlen befestigten Straße entsorgt, was dazu führte, dass die Straße irgendwann zur Schlamm- und Modderpiste verkam und erneuert oder einfach mit frischer Erde aufgefüllt wurde. So entstanden die Schichten, die nun freigelegt wurden und dass Leben in Kyritz vor mehr als 600 Jahren deutlich machen. „Abschnittsweise konnten wir hölzerne Unterzüge, wohl eines Bohlenweges, freilegen“, sagt Hartmut Lettow.

Noch tiefer in die Geschichte zurück reichen die urgeschichtlichen Gefäßscherben, die von den Archäologen am westlichen Ende der Straße entdeckt wurden. Zeitlich genau zu bestimmen ist die Keramik nicht, denn sie trägt keinerlei Verzierungen, die eine Zuordnung zu bestimmten Epochen, wie etwa der Bronzezeit, erleichtern würde. „Die Scherben können also 2000 Jahre alt, oder aber auch deutlich jünger sein“, erklärt Hartmut Lettow.

Ein interessanter Fund in einem Hausanschluss

Auf dem Gehweg in der nördlichen Straßenhälfte entdeckten die Archäologen eine mittelalterliche Zeilenbebauung in Form von Brunnen, Kellergruben und Gräben. Weil sich dieser überaus interessante Befund in einem Hausanschluss, also in einem eng begrenzten Raum befand, konnte er nur abschnittsweise dokumentiert werden. ­Jedoch macht dies deutlich, dass die Straße einst schmaler war, als heute.

Als ganz besonderen Befund betrachten die Archäologen den Fund von Teilen eines menschlichen Skeletts nahe der Einmündung in die Schulenburg-Straße. Wohl bei früheren Leitungsverlegungen wurde diese Bestattung teils zerstört. „Angesichts dessen, dass genau dort überall Leitungen kreuz und quer verlaufen, ist es ein Wunder, dass überhaupt noch etwas übrig ist“, so Hartmut Lettow. Interessant daran ist, dass im Jahr 2014 in der Schulenburg-Straße – nur 15 Meter entfernt von den jüngsten Knochenfunden – schon einmal eine Bestattung freigelegt wurde, die laut Untersuchung 1000 Jahre alt ist. „Damals vermutete ich schon, dass es sich nicht um ein Einzelgrab, sondern ein Gräberfeld handeln könnte“, so Hartmut Lettow.

Weitere Gräber werden in der Nähe vermutet

Zwar machen zwei Tote noch kein ganzes Gräberfeld aus, doch die Archäologen sind sich dabei ziemlich sicher, dass es weitere Gräber in nahen Umfeld gibt. Chancen, dahingehend fündig zu werden, gibt es noch, denn in dieser Woche werden genau in diesem Bereich letzte Gräben mit dem Bagger ausgehoben. Doch noch in dieser Woche wird mit dem Leitungsbau Schluss sein, so der Plan. Das Archäologenteam hat dann in der Prinzenstraße nichts mehr zu tun und rückt ab.

Die Stadt Kyritz setzt mit der grundhaften Erneuerung der Prinzenstraße von der Kreuzung Johann-Sebastian-Bach-Straße/Holzhausener Straße bis zur Kreuzung Maxim-Gorki-Straße/Graf-von-der-Schulenburg-Straße die Sanierung der Innenstadtstraßen fort. In den vergangenen Jahren wurde beispielsweise ein großer Teil der Johann-Sebastian-Bach-Straße, sowie die Holzhausener Straße und die Schulenburg-Straße saniert.

Erneuerung der Schmutzwasserkanalisation

Der Wasser- und Abwasserverband „Dosse“ plante im Zuge der Straßenbauarbeiten in der Prinzenstraße die Erneuerung der Schmutzwasserkanalisation. Dazu musste der Grundwasserspiegel im Baustellenbereich abgesenkt werden. Eine Bauverzögerung von mehr als zwei Wochen konnte inzwischen von den Arbeitern wieder ausgeglichen werden. Der geplante Termin für die Fertigstellung im Oktober dürfte somit zu halten sein.

Der Ausbau in der Prinzenstraße umfasst die Erneuerung der Fahrbahn, der Gehwege, der Straßenanbindungen, der Regenentwässerung und der Beleuchtung sowie die Neuanpflanzung von Straßenbäumen. Die Baukosten betragen insgesamt etwa 680.000 Euro. Davon zahlt die Stadt Kyritz 413.500 Euro. 80 Prozent der förderfähigen Kosten werden aus dem Programm „Städtebaulicher Denkmalschutz“ finanziert.

Von André Reichel

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