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Kyritz Autos der Marke Steyr Puch als Hingucker
Lokales Ostprignitz-Ruppin Kyritz Autos der Marke Steyr Puch als Hingucker
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12:33 30.07.2018
Acht Autos der Marke „Steyr Puch“ kamen in Holzhausen zusammen. Quelle: Anja Reinbothe-Occipinti
Holzhausen

Rot, gelb, hellblau, beige – acht bunte Mini-Flitzer stehen auf dem Hof von Familie Tangermann im Kyritzer Ortsteil Holzhausen. Die Automobile sind wie eine Art optische Täuschung. Sie sehen aus wie alte Fiat 500er, sind aber Steyr-Puch-Modelle. Äußerlich sind sie nur von Kennern vom Original zu unterscheiden, Laien entlarven sie am großen Logo vorne auf der Haube. Aus ganz Deutschland kommen die Oldtimer: aus Pfaffenhofen, Fürth, Hof, Potsdam-Mittelmark oder Berlin, verraten die Nummernschilder.

Steyr Puch-Freundeskreis besteht seit 34 Jahren

Im lauschigen Innenhof fachsimpeln die Besitzer der bunten Hüpfer bei Wasser, Saft und Kaffee. Sie alle vereint die Leidenschaft für die Oldtimer-Winzlinge vor ihnen auf der Wiese. „Wir treffen uns einmal im Jahr in Regensburg zu Ausfahrten, da die meisten Mitglieder des Freundeskreises Steyr Puch aus Süddeutschland stammen“, sagt Gastgeberin Sophie Tangermann, und ihr Mann Richard ergänzt: „Dieses Jahr wollten wir es bei uns in Holzhausen machen. Wir haben den Platz und möchten, dass die Leute auch mal Brandenburg und unsere Region kennenlernen.“

Einer der Weitangereisten ist Michael Kuhn aus Filderstadt in Baden-Württemberg. „Seit 34 Jahren gibt es unseren Freundeskreis. Ich bin eines der Gründungsmitglieder.“ 1984 hob eine Gruppe Enthusiasten im Ruhrgebiet die Fangemeinde aus der Taufe. Inzwischen widmen sich rund 230 Mitglieder dem ehemaligen österreichischen Automobilhersteller. Einmal im Jahr erscheint das Club-Magazin „Thondorf“.

Steyr Puch: das Herstelleremblem. Quelle: Anja Reinbothe-Occipinti

Um die 16 Steyr-Puch-Fans sind zum Jahrestreffen nach Holzhausen gekommen. Nicht jeder hat seinen eigenen Oldtimer dabei, die meisten aber ihren Partner. Manche der insgesamt 30 Personen übernachten in Hotels in Neustadt oder Kyritz, andere wiederum im eigenen Wohnmobil auf dem Hof von Familie Tangermann. Hubert Nenninger aus Pfaffenhofen etwa. 700 Kilometer waren es von ihm bis nach Holzhausen, erzählt er: „Den Steyr Puch haben wir auf dem Anhänger transportiert.“

Seine Liebe zu dem Automobil entfachte bereits in der Fahrschule. „1977 habe ich meinen Führerschein gemacht und wollte mir einen Fiat 500 kaufen. Mein Fahrlehrer meinte, ich solle mir lieber einen Steyr Puch 500 zulegen. Das sei das Gleiche, aber besser.“

Steyr Puch mit Kyritzer Kennzeichen. Quelle: Anja Reinbothe-Occipinti

Ein Steyr Puch 500 ist ein Fiat 500. Fast. Nach dem zweiten Weltkrieg schwebte dem österreichischen Automobilkonzern Steyr-Daimler-Puch ein patenter Kleinwagen vor. Auf eigene Pkw-Konstruktionen gedachten die Firmenbosse zu verzichten. Schon ab 1948 war Steyr-Daimler-Puch als Generalimporteur für Fiat tätig, schraubte in Österreich für die Turiner und ging in Abstimmung mit diesen dann auch eigene Wege. Ein Kleinstwagen entstand. Für den übernahmen die Puch-Werke die Karosserie des Fiat 500. Die Technik darin war eine eigenkonstruierte, von den Bremsen über das Getriebe bis zum Motor. Im Heckraum des Knirpses befand sich ein Zweizylinder-Boxermotor mit 16 PS anstatt des Fiat-Twin-Motors mit 13 PS.

1957 stellte der Konzern den Steyr Puch 500, Modell Fiat, der Öffentlichkeit vor. Der Kleinstwagen, der in Österreich zum Hausgebrauch gedacht war – selbst der dortige ADAC fuhr ihn bei Einsätzen – sorgte auch in Deutschland für Interesse. Als die Autofirma Liedl aus Regensburg schließlich Generalimporteur wurde, ergoss sich in der BRD eine wahre Flut von kleinen Hüpfern auf den Straßen. Sogar Rennen wurden mit den Winzlingen gefahren, erzählt Freundeskreis-Gastgeber Richard Tangermann: „Drei Mal, 1964, 1965 und 1966 ist Heinz Liedl Deutscher Bergmeister bei den Tourenwagen geworden.“

Steyr Puch-Autos bei der Ausfahrt am Wochenende. Quelle: Anja Reinbothe-Occipinti

So wendig und vorteilhaft die Rennsemmel war, für viele Fahranfänger war sie zu teuer, gesteht „Puchianer“ Hubert Nenninger: „Daher habe ich mir erstmal einen Fiat 850 gekauft für 800 Mark. Der Steyr Puch dagegen kostete rund 4000 Mark.“ 1984 dann hat sich der Pfaffenhofener seinen ersten Mini-Österreicher gekauft und kommt seitdem nicht mehr davon los. „Zeitweise hatte ich sieben bis acht Stück.“

Ein Steyr Puch als ein Stück Jugend

Momentan besitzt er fünf Steyr Puch-Modelle, mit denen er auch gerne mal bis nach Ligurien fährt. Nach Holzhausen mitgebracht hat er einen knallroten Flitzer aus den 1960er Jahren, mit dem er zu Rallye-Touren antritt. „Das Auto hat 27 PS und noch den Originalmotor. Er ist aber überholt.“ 1992 habe er ihn gekauft. „Steyr Puch-Autos sind ein Stück Jugend für mich.“

„Wie steigt man ein?“, fragt ein Siebenjähriger. „Die Tür wird andersherum geöffnet, weil sie hinten angeschlagen ist. Der Junge klettert in das kleine Raumwunder. Mit großen Augen sitzt er da und spielt Rennfahrer. Ein Puchianer von morgen? „Das wäre gut, wir brauchen Nachwuchs im Freundeskreis“, gesteht Nenninger.

Neben dessen Mini-Oldtimer steht der hellbeige Kombi von einem Mann aus Klein Marzehns. Er, der seit zehn Jahren auf seinem Anwesen eigene Fiat-Treffen veranstaltet, ist mit seiner kranken Frau angereist. Sogar ihr Rollstuhl passt in den Steyr Puch. „1974 habe ich das Modell erstanden, es als Alltagsauto für die Familie genutzt. Dann hatte ich es verkauft und 1999 durch einen Zufall wiederentdeckt.“

Selbst weiteste Strecken sind kein Problem für einen Steyr Puch

Die bunten Hüpfer sind robust. Georg Hummel aus Karlsruhe erzählt, dass er es mit seinem Steyr Puch von Hamburg bis zum Nordkap geschafft hat, rund 7800 Kilometer hin und zurück. Gastgeber Richard Tangermann erinnert sich, wie er einst als Student von Berlin ins Allgäu zum Skifahren mit seiner Rennsemmel düste: „Mit 140 km/h bin ich an Mercedes-Fahrern vorbei. Die haben nicht schlecht geschaut.“ Einige Jahre ruhte die Leidenschaft des 67-Jährigen, der Hof hatte Vorrang. „Vor neun Jahren habe ich wieder angefangen, fahre auch Bergrennen bei Schleiz in Thüringen und Friedenfels in Franken.“ Zwei Steyr Puchs stehen bei ihm: ein beigefarbener Kombi und eine rote Cabrio-Limousine, Baujahr 1963.

Dann trommelt seine Frau Sophie alle zusammen und verkündet, dass in fünf Minuten Abfahrt zur Ausfahrt ist. „Ursprünglich wollten wir durch die Prignitz-Dörfer nach Glöwen. Das Café dort hat aber zu, die Straßen sind zudem teils in einem schlechten Zustand.“ Dinge, die man bei so vielen Leuten und betagten Oldtimern beachten muss. „Nun fahren wir nach Havelberg, besichtigen den Dom. In Strodehne stärken wir uns auf dem Dorffest, fahren weiter nach Rhinow und zurück über Neustadt nach Holzhausen.“ Ein Steyr Puch nach dem anderen verlässt den Hof. Und so zuckelt die kunterbunte Karawane auf der L 14 Richtung Zernitz-Bahnhof zur ersehnten Ausfahrt.

Von Anja Reinbothe-Occipinti

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